Zeit: Woher nehmen und nicht stehlen?
Man nehme Zeit

Kochen gegen die Uhr ist kein kreatives Vergnügen, sondern phantasielose Arbeit.

Man nehme, heißt es seit Kochbuchgenerationen. Und dann plant, kauft und "nimmt" man, was da steht. Ob veredelte Bouillon mit Maggi-Spritzern und Crôutons oder gefüllter Rinderbraten an Madeirasauce zu Röhrennudeln - die wichtigste Zutat aber wird meistens nicht erwähnt: die Zeit. Woher nehmen und nicht stehlen?

Kochen unter Zeitdruck ist wie übergekochte Milch - ein brenzliges Thema, leicht anrüchig und jederköchin wie jederkoch bekannt. Fast die Hälfte aller häuslichen Essen unter der Woche wird laut Umfragen in höchstens einer halben Stunde zubereitet, selbst "Blitzrezepte" aus der seit Jahrzehnten bewährten Versuchsküche von "essen & trinken" gelingen "in höchstens 30 Minuten". Wer dabei abwechselnd auf die Rezeptzeilen und in die Töpfe blickt, braucht keinen Blick mehr auf die Uhr. Was sind schon 30 Minuten für ein dekoratives Carpaccio, Kartoffelkrautknödel oder gar Pfeffersteinbutt mit karamelisierten Tomaten?

Und trotzdem überbietet sich der ohnehin boomende Kochbuchmarkt mit Angeboten, die auf die ultimative Turboküche zielen. Die "20-Minuten-Küche" mag schon gestresste Käufer locken, das "Kochduell" auf Vox (Menü für zehn Euro in 20 Minuten) hat wohl Maßstäbe gesetzt. "Ruck-zuck-Rezepte" sind scheinbar Strohhalmbücher für Gehetzte, die gleich "Blitzschnell kochen" dazu kaufen können. "Curry in a hurry" ist sowohl britischer Sprachwitz wie Maßstab: In zehn Minuten wäre ein exotisches Chicken Curry serviert, aus dem Wok eine noch schnellere vegetarische Köstlichkeit zusammengerührt. Soll die Eieruhr zum Maßstab des Kochens werden?

Der britische Koch Sam Gugino scheint da entschleunigend einzugreifen. Für ihn sind 15 Minuten für ein gutes Rezept oder für ein einfaches Menü das Limit. "To beat the clock" ist nicht sein Ziel, sondern entspanntes Werkeln am Herd für bloß ein Viertelstündchen. Es geht, versichert er, wenn vier Bedingungen harmonieren: Erstens "flavour" (alle Grundstoffe, Würzen, Kräuter müssen zur Hand sein, Einkäufe sollten komplett sein), zweitens "organization" (die ganze Küche muss großflächig zu Verfügung, alles Gerät griffbereit stehen). Ist damit alles "mis en place" wie in einer Profiküche eben, gilt drittens "focus" (Konzentration auf das Nächstliegende, keine Ablenkungen, keine Topfgucker, die im Wege stehen) und last, but not least "creativity" (flexibles Umdenken, Anpassen, Improvisieren und gut gesottenes Selbstvertrauen).

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