Zeitaufwand und Kosten für die Entwicklung des neuen Antriebs unterschätzt
Autohersteller bremsen bei der Brennstoffzelle

Etliche Autohersteller haben enorme Summen in das Prestige-Projekt Brennstoffzelle investiert. Auch wenn jetzt die ersten Kleinserien kommen, ist eine Rendite nicht in Sicht. Folge: Die Konzerne zücken den Rotstift.

STUTTGART. Die großen Autohersteller liefern sich ein erbittertes Rennen um die Technologieführerschaft bei der Brennstoffzelle. Heute wird die Daimler-Chrysler AG ihre Pläne für eine Kleinserie von Fahrzeugen der A-Klasse bekannt geben. Schon im nächsten Jahr will der Konzern die ersten Fahrzeuge ausliefern. Insgesamt sollen in den nächsten Jahren einige dutzend Kleinwagen in Feldversuchen getestet werden.

Vor einem Jahr noch wollte Daimler die Kleinserie erst 2004 starten. Doch nachdem die Konkurrenten Toyota und Honda ihre ersten Miniserien schon zur Jahreswende angekündigt haben, wollen die Stuttgarter bei dem Prestige-Projekt nicht zurückstehen. "Wir haben die Brennstoffzelle angestoßen und wollen uns jetzt nicht überrunden lassen", erklärt ein Daimler-Sprecher.

Dabei weiß keiner der an der Entwicklung des Brennstoffzellenantriebs beteiligten Autobauer - General Motors (GM), Daimler, Ford, Toyota und Honda - wo die Konkurrenz technologisch steht. Mehr noch: Der jetzt entfachte Konkurrenzkampf um die ersten Kleinserien strapaziert das ohnehin knappe Budget der Hersteller zusätzlich. Die Branche hat nämlich Zeit und Kosten für die Entwicklung des neuen Antriebs gewaltig unterschätzt. "Die Brennstoffzelle kommt sehr viel später als angenommen", bestätigt Jürgen Wengel vom Fraunhofer Institut in Stuttgart.

Noch 1999 hatten Daimler-Manager vollmundig verkündet, 2004 die ersten Brennstoffzellen-Fahrzeuge in den Handel zu bringen. Jetzt müssen die meisten Unternehmen den Beginn der Serienfertigung auf 2010 verschieben. Doch auch das könnte noch zu optimistisch sein. "Wenn es nicht mehr Naturkatastrophen gibt, wird es 2010 in Deutschland nur etwa 50 000 Fahrzeuge mit Brennstoffzellenantrieb geben", prognostiziert Götz Schaude von der Unternehmensberatung Geschka in Darmstadt. Damit würde eine Rendite für das teure Investment allerdings in noch weitere Ferne rücken.

Die Autohersteller haben deshalb ihre Budgets für die Brennstoffzelle spürbar gekürzt. Daimler-Chrysler, die bereits 2 Mrd. Euro in die Entwicklung der Brennstoffzelle investierte, hat seit vergangenem Jahr den Rotstift angesetzt. Die Konzerntochter Xcellsis im schwäbischen Nabern mit 480 Beschäftigten wurde an die börsennotierte Risikokapitalfirma Ballard Power abgegeben. Im Gegenzug stockte Daimler seine Beteiligung an dem kanadischen Unternehmen von 18 auf 23,6 % auf. Weiterer Großaktionär von Ballard Power ist Ford mit 19,5 % Kapitalanteil.

In Nabern bauen die Kanadier jetzt 100 Stellen ab. Die Mitarbeiter konzentrieren sich auf den Kraftstoff Wasserstoff, die Methanolaktivitäten wurden gestrichen. In Konzernkreisen spricht man von Einsparungen von 500 Mill. Euro. Eine Bestätigung dafür gibt es nicht. Daimler-Manager halten den Verkauf von Xcellsis für eine elegante Lösung. Die Stuttgarter stellen drei Aufsichtsräte und einen Manager, sind aber nicht verpflichtet, weiteres Geld nachzuschießen. Der zusätzliche Charme an Ballard Power: Die Kanadier beliefern auch andere Autohersteller. Sie fertigen zudem stationäre und tragbare Brennstoffzellen, was mehr Umsatz bringt und die Kosten senkt.

"Die Anforderung für die stationäre Anwendung von Brennstoffzellen in der Energiewirtschaft ist nicht so hoch wie in der mobilen Nutzung und dürfte sich deshalb schneller durchsetzen", erklärt Fraunhofer-Experte Wengel. Ein Grund, warum auch GM diesen Weg geht. "Ein Pusch bei der stationären Anwendung hilft, die Kosten der Brennstoffzelle bei den Fahrzeugen zu senken", heißt es bei GM. Außerdem setzt GM seit 2001 auf Partnerschaften, um die Entwicklungskosten von 100 Mill. Dollar pro Jahr deutlich zu senken.

Schweigsamer beim Thema Sparen gibt sich Toyota. Der Fahrantrieb der Zukunft heißt intern das "Milliarden-Projekt", ohne dass der Konzern Zahlen nennt. Doch auch die Japaner schauen inzwischen stärker auf die Kosten, heißt es.

Quelle: Handelsblatt

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