Zeitmanagement für Diplomarbeiten
Schluss mit dem Last-Minute-Stress

Monatelang feilen Diplomanden an ihrer Abschlussarbeit. Und dann bleiben für Schlusskorrektur, Drucken und Binden gerade mal zwei Tage bis zur Abgabe. Die Quittung für Dauerschlendriane? Oft sind es gerade die Gewissenhaften, die Probleme haben, ihre Diplom-, Magister- oder Staatsarbeit in drei bis sechs Monaten auf Top-Format zu bringen. Dieser Zeitplan hilft.
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Am Anfang ist das Thema: Ungefähr sechs Monate vor der Anmeldung Ihrer Abschlussarbeit sollten Sie sich Gedanken darüber machen. Wollen Sie sich selbst ein Thema erarbeiten, grenzen Sie dieses so weit wie möglich ein. Schon jetzt sollten Sie mit der Lektüre von Standardwerken beginnen und sich auf den aktuellen Forschungsstand bringen.

Wer ein wirtschafts- oder naturwissenschaftliches Fach studiert, kann sich die Suche oft erleichtern: Einige Professoren hängen Themenlisten aus oder vergeben sogar Themen im Losverfahren. In diesem Fall bleibt Ihnen nicht viel Vorlauf: Zu den Spielregeln gehört, dass Sie Ihre Arbeit direkt anmelden und alle Aufgaben in der vorgegebenen Zeit bewältigen. Verbringen Sie den ersten Monat damit, sich einzulesen. Denken Sie bei der Literaturrecherche daran, auf kopierten Texten die genaue Quelle zu notieren. Das erspart Ihnen später, für jede Fußnote nochmals in die Bibliothek zu rennen.

Eine Abschlussarbeit lässt sich auch im Auftrag eines Unternehmens schreiben. Das klingt zunächst einmal praktisch: Thema und Untersuchungsmethode sind meist schon klar umrissen. Zeitfallen lauern später. Etwa dann, wenn sich unternehmerische und wissenschaftliche Ansprüche an Methoden zur Datenerhebung nicht in Einklang bringen lassen. Solche Fragen sollten Sie also unbedingt in der Vorbereitungszeit klären.

Termine klar machen

Allgemein gilt: Möchten Sie empirisch arbeiten und Daten zum Beispiel mittels Einzelbefragungen erheben, vergewissern Sie sich, ob und wann genau Ihnen Interviewpartner zur Verfügung stehen. Das erspart Ihnen den Schocker, plötzlich ohne Forschungsobjekt dazustehen, wenn die Arbeit bereits angemeldet ist.

Zur Vorbereitungsphase gehört außerdem, einen geeigneten Betreuer zu finden. Kommilitonen, die Fachschaft oder Dozenten geben Hinweise, welcher Professor Spezialist für Ihr Thema ist. Klären Sie, ob Ihr Wunschbetreuer nicht demnächst ein Forschungssemester einlegt. Er sollte in den kommenden Monaten gut zu erreichen sein und Ihnen regelmäßig Feedback geben können.

Versuchen Sie zwei Monate vor der Anmeldung, Thesen und Fragen für Teilabschnitte Ihrer Arbeit zu formulieren. Legen Sie Ihrem Erstgutachter ein grobes Inhaltsverzeichnis sowie eine erste Literaturliste vor. Verlangt Ihr Betreuer einen Kurswechsel, können Sie so noch rechtzeitig reagieren. Keine Sorge: Das erste Inhaltsverzeichnis ist kein bindender Vertrag, sondern nur provisorisch! In den folgenden Monaten können und sollten Sie es mehrmals überarbeiten.

Dies gilt auch für einen Zeitplan, den Sie für den Ablauf einzelner Arbeitsgänge zu Papier bringen sollten. Fragen Sie Ihren Betreuer, ob sich Ihre Planungsschritte aus seiner Sicht in der vorgegebenen Zeit umsetzen lassen. Heften Sie Ihren individuellen Zeitplan an Ihren Arbeitsplatz. So haben Sie vor Augen, welche Aufgaben erledigt sind und welche noch vor Ihnen liegen. Überarbeiten Sie Ihren Zeitplan auf der Grundlage Ihrer Erfahrungen: So bleibt er realistisch und wird nicht zur Frust-Quelle.

Setzen Sie sich feste Termine, an denen Sie bestimmte Arbeitsphasen endgültig beenden wollen. Hilfreich ist dabei, rückwärts zu planen: Das Abgabedatum sollte immer präsent sein. Beispiel: Wenn ich im Dezember meine Arbeit einreiche, muss ich im November letzte Verbesserungen anbringen, dafür muss mein Text im Oktober als Rohfassung vorliegen.

Haben Sie schließlich Ihrem Zweitgutachter das Thema vorgelegt, können Sie Ihre Arbeit beim Prüfungsamt anmelden.

Früh zur Feder greifen

Die meisten Studenten lassen zwei Drittel Ihrer Bearbeitungszeit verstreichen, bevor sie auch nur eine Seite getippt haben - und verkalkulieren sich mit dem Arbeitsaufwand, der mit der Niederschrift eines wissenschaftlichen Textes verbunden ist. Je nach Fach variieren die Umfänge einer Abschlussarbeit: Sie kann zwischen 60 und 120 Seiten lang sein.

Während bei Naturwissenschaftlern meist der Aufbau eines Experiments bereits die Gliederung der Arbeit vorgibt, haben Geistes- und Sozialwissenschaftler die Qual der Wahl, wie sie ihre Kapitel anordnen. Der allgemeine Schreibtipp: Kleben Sie nicht an Formulierungen Ihrer Lektüre. Bringen Sie Ihre Erkenntnisse mit eigenen Worten auf den Punkt. Und: In Ihren ersten Entwürfen muss noch nicht das Optimum sprachlicher Raffinesse stecken.

Bleibt Ihnen ein ausreichendes Zeitdepot, können Sie Ihre Aufzeichnungen mehrmals überarbeiten und auf ein immer höheres Niveau bringen. Im Idealfall ist Ihre Rohfassung zwei Monate vor dem Abgabetermin fertig. Fehlt Ihnen die Vorbereitungszeit, sollten Sie einen Monat nach Ihrer Anmeldung mit dem ersten Entwurf beginnen und ihn vier Wochen vor der Deadline in Reinschrift bringen.

Appetitliche Häppchen

Ein Großteil der Studenten schreibt die gesamte Arbeit an einem Stück runter und kann so schließlich am Gesamtwerk feilen. Alternativ kann der Schreibprozess in kleineren Häppchen erfolgen: Sie planen, recherchieren und schreiben hintereinander drei bis vier Beiträge von der Länge einer Hausarbeit. Denn damit haben Sie ja bereits Erfahrung. Arbeitshäppchen sind nicht nur für Sie appetitlich, sondern auch für Korrektoren. Ist ein Beitrag fertig, können Sie Rechtschreibkenner und Sachexperten in Ihrem Bekanntenkreis bitten, Korrektur zu lesen. Diese sind dankbar, sich nicht durch einen 100-Seiten-Wälzer ackern zu müssen. Je weniger zu lesen ist, desto konzentrierter suchen Ihre Helfer nach Rechtschreibfehlern, verbesserungswürdigen Formulierungen und inhaltlichen Schwachstellen.

Die überarbeitete Version eines Textteils können Sie dann erneut zur Korrektur vorlegen und so Ihren Text systematisch verbessern. Insgesamt sollten Sie für dieses Prozedere einen Monat einrechnen.

Das Zusammenfügen der einzelnen Mosaiksteinchen kostet Sie einen weiteren Monat. Jetzt schrauben Sie einzelne Textteile zum gesamten Forschungsbericht zusammen. Das Kernstück Ihrer Arbeit ist damit abgeschlossen. Hinzu kommen Einleitung, die Zusammenfassung einzelner Kapitel sowie ein Gesamtresümee, Ausblick und Verzeichnisse.

Katastrophen einplanen

Vor den klassischen Endschikanen ist niemand sicher: Idealerweise sollten Sie vor Abgabetermin noch einen Zeitpuffer von ein paar Tagen haben. Dann brauchen Sie nicht gleich in Panik zu geraten, wenn der Drucker streikt oder sich auch mit heißer Zitrone nichts mehr gegen eine Endphasen-Grippe ausrichten lässt. Kalkulieren Sie für Ausdrucken, Endkorrektur und Einbindung zwei Wochen vor dem Abgabetermin ein. Zur Endkorrektur gehört, Wortdreher, die sich wochenlang auf weißem Papier getarnt haben, zu tilgen sowie Literaturverzeichnis und Fußnoten zu überprüfen.

Wer seine Bearbeitungszeit verlängern möchte, braucht dafür gute Gründe. Das letzte Wort darüber hat der Prüfungsausschuss Ihres Fachbereichs.

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