Zeitpunkt der Dresdner Bank-Übernahme unglücklich gewählt
Allianz-Aktionärsschützer: "Die große Euphorie ist verflogen"

Knapp ein Jahr nach der Übernahme der Dresdner Bank ist bei vielen Aktionären der Allianz Ernüchterung über den Zusammenschluss eingekehrt.

dpa MüNCHEN. "Die große Euphorie ist verflogen", sagte Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Mittwoch auf der Hauptversammlung in München. Während sich die Aktionäre vor einem Jahr noch Hoffnung auf Kurssteigerungen durch den Zusammenschluss zum Allfinanzkonzern gemacht hatten, ärgern sich viele nun über den Neuling im Allianz-Konzern, der ihnen bislang vor allem Verluste eingebracht hat.

"Man muss sich schon fragen, ob die Übernahme der richtige Schritt war und ob der richtige Preis bezahlt worden ist", sagte der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre, Klaus Schneider. Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle räumte vor den rund 5300 Aktionären ein, dass das Bankgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Im laufenden Jahr hält die Allianz aber trotz der Belastungen durch die Dresdner Bank an ihren Prognosen fest. Der Gewinn solle nach dem Einbruch durch die Terrorschäden in den USA 2001 auf gut drei Mrd. ? nahezu verdoppelt werden.

Der Zeitpunkt der Dresdner Bank-Übernahme war nach Einschätzung von Experten unglücklich gewählt. Das jähe Ende des Börsenbooms hatte 2001 allen Großbanken in Deutschland massive Gewinneinbrüche beschert. Die Dresdner Bank brachte der Allianz dadurch gleich im ersten Jahr einen Verlust von 213 Mill. ? ein.

"Der Beitrag der Dresdner Bank ist nicht erfreulich", formulierte Aktionärsschützerin Bergdolt vorsichtig. Sie gehörte zu denen, die dem Zusammenschluss vor einem Jahr gute Chancen für die Allianz - Aktionäre eingeräumt hatten. Diese Hoffnung hatte sich aber nicht erfüllt. Innerhalb eines Jahres verlor die Aktie mehr als 80 ? an Wert und lag am Mittwoch bei rund 220 ?. "Der Kursverfall der Allianz-Aktie hat hauptsächlich mit der Übernahme zu tun", kritisierte ein Kleinaktionär. An der Börse werde das Modell des integrierten Finanzdienstleisters nicht gewürdigt, sagte Bergdolt. Schulte-Noelle sieht darin auch ein Kommunikationsproblem. "Wir müssen noch besser werden in der Kommunizierung unseres Projekts."

Er hat keinen Zweifel daran, dass sich das Modell langfristig durchsetzt. "Mit unserem neuen Geschäftsmodell positionieren wir uns frühzeitig und vor den meisten unserer Wettbewerber auf den Wachstumsmärkten der Zukunft." Besonders die private Altersvorsorge biete ein großes Potenzial. Inzwischen habe die Allianz bereits rund 470 000 der so genannten Riester-Verträge verkauft. Auch bei den Kunden kommt das Konzept des integrierten Finanzdienstleisters nach Ansicht von Schulte-Noelle gut an. In einer Umfrage hätten 60 % der Kunden den Schritt als gut oder sehr gut bezeichnet. Nach Ansicht von Bergdolt ist das aber zu wenig. "Es müssten viel mehr sein."

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