Zeitpunkt für Rückkehr unklar
Blick ins Ungewisse

Bayern-Profi Sebastian Deisler zeigt Symptome für eine erneute Depression - sein Arzt sieht keinen Rückfall.

MÜNCHEN. Irgendwo über den Wolken, die dicht hingen zwischen München und Turin, muss die Stimmung umgeschlagen sein. Bevor Sebastian Deisler am Montag die Maschine betrat, die ihn und den FC Bayern zum Champions-League-Spiel bei Juventus Turin bringen sollte, schlenderte er durch den Flughafen, hatte einen Stöpsel seines MP3-Players im Ohr und plauderte mit seinen Kollegen. Erst als er im Flugzeug Zeitung las, verfinsterte sich seine Miene, wie Mitreisende berichten.

In gewohnt harschem Ton hatte die Presse die Leistung der Münchner beim 0:1 gegen Schalke gegeißelt. "Deisler - das trotzige Sorgenkind", hatte eine Münchner Zeitung getitelt, eine andere schrieb, dass sein Trainer Felix Magath ihn "offenbar als größte pädagogische Herausforderung ansieht". Die Lektüre muss einige Verzweiflung in Deisler ausgelöst haben. Er teilte Manager Uli Hoeneß mit, er wolle zurückfliegen, er fühle sich nicht gut.

Noch am Abend sendeten die Fernsehsender Berichte über einen Rückfall Deislers, der Ende Januar nach mehrwöchiger Therapie einer Depression aus stationärer Behandlung in der Psychatrie des Münchner Max-Planck-Institutes entlassen worden war. Nach Einschätzung von Professor Florian Holsboer, dem Leiter der Klinik, sind Deislers neuerliche Beschwerden jedoch nicht als Rückfall zu werten. Was nun passiert ist, sei "ganz normal bei einem Menschen, der eine so schwere Krankheitsepisode hinter sich hat", sagte Holsboer gestern. Der Mediziner bestätigte, dass die jüngsten sportlichen Erlebnisse als konkreter Auslöser dafür in Frage kommen. "Er ist wohl selber mit seiner Leistung nicht ganz zufrieden gewesen", sagte Holsboer, "dann kommt es natürlich, dass nach einer solchen Geschichte das eine oder andere Symptom noch einmal aufflackert." Dies und nicht mehr sei geschehen. Er warnte davor, "dass man wieder eine Depression aus dem Zylinder zaubert". Genaueres könne er nicht sagen, weil er Deisler nach dessen Rückkehr aus Turin noch nicht gesehen habe. Vor wenigen Wochen hatte er Deisler für "vollständig geheilt" erklärt, hatte zuvor jedoch in der ARD-Sendung "Beckmann" gesagt, dass die Erkrankung durchaus wieder auftreten könne. Er sprach damals Deisler auch den leisen Tadel aus, "dass er sich nicht mehr sehen lässt bei uns".

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