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Zeitung: Geld für Saudi-Panzergeschäft floss über Konto Schreibers in der Schweiz

Nach Bankunterlagen Schreibers sollen 24,4 Mill. Mark Honorar an Thyssen-Manager und Ex-Staatsekretär Pfahls geflossen sein.

afp BERLIN. Die Augsburger Staatsanwälte und Steuerfahnder können nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" ihre Vorwürfe gegen den Waffenlobbyisten Karlheinz Schreiber sowie zwei ehemalige Thyssen-Manager und Ex-Verteidigungsstaatssekretär Holger Pfahls (CSU) nahezu lückenlos belegen. Die Schweizer Justizbehörden hätten den deutschen Ermittlern im Rahmen der beantragten Rechtshilfe sämtliche Bankunterlagen Schreibers bis einschließlich des Jahres 1993 zur Verfügung gestellt, berichtet die Zeitung in ihrer Samstagsausgabe. Daraus gehe hervor, dass das von Thyssen im Rahmen des Panzergeschäfts mit Saudi-Arabien angeblich für eine Firma gezahlte Honorar von 24,4 Millionen Mark zwischen 1991 und 1993 komplett auf ein Konto Schreibers in der Schweiz gegangen sei. Schreiber habe dazu Unterkonten angelegt, die den Ex-Thyssen-Managern und Pfahls zugeordnet würden.

Diese Rubrik-Konten seien von dem Waffenhändler treuhänderisch verwaltet worden, um die Untreue der Manager gegenüber dem Thyssen-Konzern sowie den Bestechungsvorgang bei Pfahls zu verschleiern, meldete die "Berliner Zeitung" weiter. Nach Eingang der Zahlungen Thyssens habe Schreiber Teilbeträge auf den Unterkonten platziert. Für das Konto des Ex-Thyssen-Managers Dieter Haastert gab es demnach drei Buchungen über insgesamt 1,49 Millionen Mark, für das Konto von Jürgen Maßmann sieben Überweisungen über insgesamt 11,035 Millionen Mark. Nur der Pfahls zugedachte Betrag von 3,8 Millionen Mark sei von Schreiber bereits 1991 in einer Summe komplett zugewiesen worden.

Die auf den Unterkonten registrierten Termine für Barabhebungen stimmen demnach fast exakt mit Eintragungen in Schreibers Terminkalendern überein, in denen der Waffenhändler unter Verwendung von Kürzeln Verabredungen mit Maßmann, Haastert, Pfahls oder auch Ex-CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep festgehalten habe.

Das Landgericht Augsburg hatte Anfang August die Anklage gegen Schreiber und die anderen zugelassen. Schreiber, der auch als eine Schlüsselfigur in der CDU-Spendenaffäre gilt, wird im Einzelnen Steuerhinterziehung, Bestechung, Beihilfe zur Untreue und Beihilfe zum Betrug zur Last gelegt. Haastert und Maßmann wird Betrug, Untreue, Einkommenssteuerhinterziehung sowie Beihilfe zur Steuerhinterziehung vorgeworfen. Pfahls wird per Haftbefehl gesucht und ist untergetaucht.

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