Zeitung: Milosevic entlässt serbischen Staatssicherheitschef
Generalstreik in Jugoslawien

In Jugoslawien hat am Montag der von der Opposition ausgerufene Generalstreik mit der Blockade einer Brücke und mehreren Straßen in Belgrad begonnen.

Reuters BELGRAD. Im Zentrum der Hauptstadt kam der Verkehr zum Erliegen, nachdem Lkw und Taxis die Brankov-Brücke blockiert hatten. 150 Kilometer südlich der Stadt begannen Taxifahrer einen Protest auf einer wichtigen Kreuzung. Auch in mehreren Vororten Belgrads wurden Straßenblockaden errichtet. Die Opposition hatte zu einem Generalstreik aufgerufen, um Präsident Slobodan Milosevic zu zwingen, seine Wahlniederlage einzugestehen und zurückzutreten.

Die Polizei begann damit, die Nummernschilder von den Taxis und Lkw zu entfernen, um die Proteste zu beenden. Auf der Kreuzung im Umland von Belgrad forderten die Demonstranten die Polizisten auf, sich nicht länger auf die Seite von Milosevic zu stellen. In den Vororten Brace Jerkovic im Süden und Karaburma im Ostern versperrten Müllcontainer, Blumenkübel aus Beton und Baumaterial die Straßen. Auch die wichtigste Einfallstraße aus dem westlichen Vorort Zemun war blockiert. Einige Busse umfuhren die Hindernisse und setzen ihren Weg fort. Ein Lkw-Fahrer sagte, Ziel der Proteste sei es, das Wahlergebnis zu verteidigen. Den Protesten würden sich im Laufe des Tages weitere Fahrer anschließen. Einige Taxifahrer traten um 06.00 Uhr (MESZ) in den Streik. Sie blieben mit ihren Wagen stehen und forderten die Fahrgäste zum Verlassen der Taxis auf. Später schlossen sich weitere Taxi-Fahrer dem Streik an. Die öffentlichen Transportmittel verkehrten weitgehend normal. Busse mit Berufstätigen fuhren am Morgen aus den Außenbezirken in das Zentrum.

Die Polizei hatte ihre Sicherheitsvorkehrungen in Belgrad verstärkt. Im ganzen Stadtgebiet patrouillierten Polizeiwagen. Eine Einheit Bereitschaftspolizei hatte in den frühen Morgenstunden das Parlamentsgebäude erreicht. Ein Oppositionsvertreter sagte, dass zudem alle Straßen zum Tagebau Kostolac in Ost-Serbien blockiert seien. Es würden nur Versorgungsfahrzeuge und Ambulanzen durchgelassen. Bereits seit Freitag wird auch der Kohletagebau Kolubara bestreikt. Dort streiken 4000 Bergleute. Das Bergwerk beliefert als einziges das Kraftwerk Obrenovc, das die Hälfte des serbischen Strombedarfs produziert.

Die Opposition hatte für Montag zu einer Reihe von Protestveranstaltungen aufgerufen.Sie hatte angekündigt, das öffentliche Leben Jugoslawiens lahm legen zu wollen. Der Oppositionspolitiker Yuk Obradovic sagte, nur eine Notfallversorgung in Krankenhäusern und bei der Post bleibe gewährleistet. Milosevic besteht auf einer Stichwahl am 8. Oktober, während die Oppostion angibt, ihr Kandidat Vojislav Kostunica habe die Präsidentschaftswahl am 24. September bereits im ersten Wahlgang gewonnen.

Bereits am Wochenende war es zu ersten Streiks und Straßenblockaden gekommen, an denen sich Tausende Serben beteiligten. Die Polizei griff nicht ein, umstellte jedoch am Abend den größten Kohletagebau des Landes in Kolubara, der bestreikt wird.

Zeitung: Milosevic entlässt Staatssicherheitschef

afp BELGRAD. Als Reaktion auf den von der Opposition angekündigten Generalstreik hat der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic einem montenegrinischen Pressebericht zufolge am Wochenende den serbischen Staatssicherheitschef Rade Markovic entlassen. Die Zeitung "Vijesti" schrieb am Montag unter Berufung auf Insider der serbischen Polizei, Belgrads Botschafter in Mazedonien, Zoran Janackovic, habe Markovics Nachfolge angetreten. Markovic war im November 1998 an die Stelle des langjährigen Staatssicherheitschefs Jovica Stanisic getreten. Laut "Vijesti" wurden auch der Kommandeur der Polizei-Sondereinheiten, Zivko Trajkovic, sowie andere hohe Polizeioffiziere gefeuert, denen eine zu weiche Haltung gegenüber der Opposition nachgesagt wird.

Janackovic war bis 1991 Serbiens Staatssicherheitschef und wechselte dann ins jugoslawische Außenministerium. Zum Botschafter in Mazedonien wurde er 1996 ernannt. Die Belgrader Zeitung "Glas Javnosti" meldete, Polizeigeneral Trajkovic sei wegen seiner angeblich zu laschen Haltung gegenüber Anti-Milosevic-Demonstranten in die südserbische Stadt Kursumlija strafversetzt worden.

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