Zeitung: Start im April
Bahn setzt stärker auf Schnäppchenpreise

Die Deutsche Bahn will künftig mehr Sonderangebote anbieten. Dies kündigte Bahnchef Hartmut Mehdorn in einem Interview des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" an. Auf diese Weise könnten nicht ausgelastete Strecken "kurzfristig stimuliert" werden. Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" (Samstag) soll es die ersten neuen Billig-Angebote im Fernverkehr schon Ende April geben.

HB/dpa BERLIN. Bislang waren solche Aktionen erst für Juni geplant. Bei der Bahn haben sich die Fahrgastzahlen nach Einführung des neuen Preissystems längst nicht so entwickelt wie erhofft.

Nach einer neuen Umfrage halten knapp zwei Drittel der Bundesbürger das im Dezember eingeführte Preissystem für komplizierter als das alte. 46 Prozent sagten zudem, die neuen Tarife seien teurer. Nur drei Prozent hielten die Fahrkarten im neuen System für günstiger. Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut NFO- Infratest im Auftrag des "Spiegel" gemacht. Mehdorn verteidigte das Preissystem jedoch erneut gegen alle Kritik. Änderungen werde es frühestens zum Jahresende geben, bekräftigte der Vorstandschef des bundeseigenen Verkehrskonzerns.

Einzelheiten zu den neuen Sonderangeboten verriet Mehdorn noch nicht. In der Planung sind aber offenbar vor allem Angebote, die nur an einzelnen Tagen und auf bestimmten Strecken gelten. Die Bahn könne künftig machen, "was der Einzelhandel auch tut: "Schweinebacke, nur heute zum halben Preis", sagte Mehdorn. Außerdem wird nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" an Ermäßigungen für bestimmte Gruppen wie Studenten sowie Ticket-Kombinationen für Städtereisen gedacht.

In dem "Spiegel"-Interview hielt Mehdorn insbesondere Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) und ihrer Partei vor, die Bahn zu wenig zu unterstützen. "Frau Künast kriegt sonst nicht viel auf die Reihe, kann sich aber des Beifalls sicher sein, wenn sie einfach mal populistisch halbe Ticketpreise fordert", sagte Mehdorn. "Dauernd heißt es, was die Grünen alles für die Bahn tun. Nichts haben sie getan zur Beseitigung der Wettbewerbsverzerrung gegenüber dem Luftverkehr. Ich traue da keinem mehr."

Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt wies die Vorwürfe zurück. "Auch wenn sich der Bahnchef derzeit eher in der Defensive befindet, sollte er nicht mit unsachlichen und wahrheitswirdigen Anwürfen um sich schlagen", erklärte der frühere Bahn-Aufsichtsrat. Beispielsweise seien dank der Grünen seit 1998 die Baumittel für die Bahn um rund 60 Prozent erhöht worden.

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