Zeitung: Telefonkonzern will Mobilcom nun offenbar doch übernehmen
France Télécom bietet für Mobilcom-Anteil

Im Dauerstreit zwischen dem Büdelsdorfer Telekommunikationskonzern Mobilcom und seinem Partner France Telecom deutet sich eine Lösung an. Das französische Unternehmen hat einem Zeitungsbericht zufolge Firmen-Chef Gerhard Schmid die Übernahme eines Großteils seines Mobilcom-Paketes per Aktientausch angeboten.

rtr BÜDELSDORF. Ein Mobilcom-Sprecher wollte dies zunächst aber nicht kommentieren.

Die am Neuen Markt notierte Mobilcom-Aktie, deren Kurs in der vergangenen Woche wegen entsprechender Spekulationen schon einmal kräftig zugelegt hatte, gewann zum Börsenauftakt am Montag zunächst 18 %, verlor dann aber wieder etwas von ihrem Zugewinn.

Wie die "Financial Times Deutschland" (FTD) ohne Quellenangabe berichtete, soll Schmid für jede seiner Aktien 2,75 Anteilsscheine von Orange erhalten, der Mobilfunktochter von France Telekom. Das entspreche einem Kaufpreis von rund 22 ? je MobilCom-Aktie. Der Schlusskurs am Freitag hatte bei 13,70 ? gelegen. Schmid hält knapp 40 % an der von ihm gegründeten Telekommunkationsfirma.

Ein Mobilcom-Sprecher wollte den Zeitungsbericht am Morgen nicht kommentieren, stellte aber für den weiteren Tagesverlauf eine Stellungnahme in Aussicht. France Telecom erklärte in Paris, bisher sei kein Abkommen erzielt worden, die Gespräche würden weitergeführt.

Dem "FTD"-Bericht zufolge kann France Telecom auf diese Weise große Teile von MobilCom übernehmen, ohne sich weiter verschulden zu müssen. Das Angebot sei mit Hilfe von Banken unterbreitet worden, die das Paket an Mobilcom zunächst halten könnten, um es erst später an France Telecom weiter zu reichen. Dadurch wäre France Telecom den Angaben zufolge erst zu einem späteren Zeitpunkt verpflichtet, die Schulden von MobilCom in die eigene Bilanz zu übernehmen. Der Staatskonzern ist bereits jetzt mit 28,5 % Großaktionär bei MobilCom. Mit 60,7 Mrd. ? Schulden zum Jahresende 2001 gehört das französische Unternehmen nach Analystenangaben zu den am höchsten verschuldeten Konzernen weltweit.

Mobilcom und France Telecom streiten seit Wochen

Mobilcom und France Telecom streiten seit mehreren Wochen öffentlich über Finanzierungsverpflichtungen der Franzosen beim Aufbau des UMTS-Netzes in Deutschland. Dadurch droht das operative Geschäft des Büdelsdorfer Telekommunikationskonzerns nach dessen eigener Darstellung inzwischen in Gefahr zu geraten. Mobilcom hatte im Sommer 2000 mit Hilfe von France Telecom eine der sechs deutschen UMTS-Mobilfunklizenzen für 8,4 Mrd. ? ersteigert. Der französische Konzern hatte dazu 3,7 Mrd. ? in Form von Eigenkapital beigesteuert. Nach Schmids Darstellung ist die Existenz von MobilCom bedroht, sollte France Telecom ihren finanziellen Verpflichtungen nicht nachkommen. Bis Ende Juli muss ein Überbrückungsdarlehen der Banken über 4,7 Mrd. ? verlängert werden, mit dem ein Teil der UMTS-Lizenz finanziert wurde.

Um Druck auf den französösischen Konzern auszuüben, hatte Schmid eine für Streitfälle vereinbarte Verkaufsoption für einen Teil seines Mobilcom-Aktienpaketes ausgeübt. Danach müsste France Telecom aus Schmids Bestand insgesamt 33 % an Mobilcom übernehmen. Die Franzosen bestreiten allerdings die Rechtmäßigkeit dieser Option.

Analysten halten Angebot für ausreichend

Analysten begrüßten ein mögliches Angebot in der berichteten Höhe. "22 ? ist ok", sagte Hans Huff von der Berliner Bankgesellschaft. Am 15. März, dem Tag an dem Schmid seine Verkaufsoption habe ausüben wollen, habe der gewichtete Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate nur bei 17 ? gelegen. Die Frage sei jedoch, welchen Preis Schmid für seine Mobilcom-Aktien erzielen wolle.

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