Zeitungs-Internetauftritt
Bild.T-Online noch in den roten Zahlen

Für Europas größten Zeitungskonzern Axel Springer AG (Bild, Hörzu, Welt) und den Internet-Anbieter T-Online bringt das Internetgeschäft ein Jahr nach dem Start des gemeinsamen Portals Bild.T-Online noch keine Gewinne. Der Online-Werbemarkt bleibt nach dem Zusammenbruch vor zwei Jahren weiter mau und die ehemals erhofften Erträge aus dem Online-Geschäft sind vorerst nicht in Sicht

BERLIN. Dennoch ist Peter Würtenberger, Vorstandsvorsitzender des Joint- Ventures Bild.T-Online, zuversichtlich, das defizitäre Unternehmen bald in die Gewinnzone zu führen: "Im zweiten Halbjahr 2004 erwarten wir schwarze Zahlen. In diesem Jahr erreichen wir bereits Umsätze im deutlich zweistelligen Millionen-Euro-Bereich." Die Internetfirma gehört zu 37 % der Tochter der Deutschen Telekom T-Online und zu 63 % Axel

Würtenbergers Rezept ist es, vernetzte Werbung und Verkaufsaktionen anzubieten. Heute startet Bild.T-Online mit einer neuen Werbekampagne für eine "Volkskamera". Der Elektronik-Handel Mediamarkt bewirbt dabei eine Kodak-Digitalkamera sowohl online auf den Bild-Seiten als auch in einer eigenen Beilage der gedruckten Bild-Zeitung. Vergangenen September hatte Würtenberger das Werbekonzept mit dem "Volks-PC" der Handelskette Plus gestartet. "Bei Bild.T-Online gebuchte Online-Werbekampagnen erscheinen gleichzeitig auch in unserer Beilage in der Bild-Zeitung. Unsere Zielgruppe braucht etwas, was sie in der Hand halten kann", erklärt Würtenberger. Zwölf Volks-Kampagnen pro Jahr seien geplant. Bei dem PC habe man bereits gesehen, dass der Verkauf messbar angekurbelt werde

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Diskussion um Joint Venture mit T-Online

Zwar sind Werbekampagnen auf mehreren Medienkanälen heute keine Seltenheit mehr. Aber auch Werbeexperten sprechen den beiden Plattformen Bild und T-Online gute Chancen im Werbemarkt zu: "Beides sind sehr reichweitenstarke Medien", sagt Jürgen Blomenkamp, Chef der Media-Agentur Mediacom. Dennoch liegt der Anteil der Werbeeinnahmen des Internets im Vergleich zu anderen Mediengattungen immer noch bei nur 1 % des Werbekuchens.

Das mit einer Reichweite von 9,9 % und 16 Mill. Seiten-Aufrufen größte Zeitungs-Internetangebot soll sich nun zunehmend zum Transaktionsmedium entwickeln. "Werbung muss für den Verkauf tauglich sein. Und weil das Internet für Direktmarketing ideal ist, profitieren wir davon", sagt Würtenberger. Die Nachrichten aus der Bild-Zeitung sollen zwar der Kundenbindung dienen, aber nicht maßgeblich zu den Umsätzen des Internet-Unternehmens beitragen. Nutzer können auf der Website gegen eine monatliche Gebühr VIP-Mitglieder werden und erhalten dann Zugang zu weiteren Bild-Artikeln.

Gerüchte, Springer wolle sich aus dem gemeinsamen Joint-Venture mit T-Online zurückziehen, weist der Verlag zurück: "Nein, wir halten weiter daran fest", erklärt eine Sprecherin des Verlagshauses. In Unternehmenskreisen allerdings heißt es, das Printhaus plane offenbar, seine Mehrheitsbeteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen abzugeben, um diese nicht mehr in der Bilanz zu konsolidieren.

T-Online erklärt sich mit dem Bild-Joint Venture derweil zufrieden: "Mit einem Boulevardangebot erschließt sich T-Online neue Nutzergruppen in einem Massenmarkt, der das Internet in Zukunft immer stärker nutzen wird. Das ist und bleibt für uns interessant", sagt T-Online-Marketing-Vorstand Burkhard Graßmann. Über ein Jahr hatte das Bundeskartellamt den Zusammenschluss der größten deutschen Tageszeitung mit dem größten Internet-Zugang geprüft, bevor Bild.T-Online vergangenen Sommer an den Start ging.

Parallel dazu führt der Springer-Verlag die Anstrengungen weiter, Kosten zu senken. Wie der Springer-Betriebsrat dem Handelsblatt erklärte, will der Zeitungskonzern mehr als 100 Stellen streichen. Betroffen sei hiervon der Info-Pool mit seinen rund 80 Mitarbeitern sowie rund 30 bis 40 Mitarbeiter aus dem IT-Bereich. "Wir prüfen derzeit alle Optionen. Es ist aber noch keine Entscheidung gefallen", erklärt eine Springer-Verlagssprecherin auf Nachfrage.

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