Zeitungsbereich nicht tangiert
G+J-Verlagschef hält an Zeitungen fest

Der Vorstandsvorsitzende von Gruner + Jahr, Bernd Kundrun, schließt einen Verkauf des Zeitungsgeschäfts des Hamburger Verlagshauses kategorisch aus.

dpa HAMBURG. "Der Zeitungsbereich bei Gruner + Jahr steht nicht zur Disposition", sagte Kundrun in einem Gespräch. In den vergangen Wochen war darüber spekuliert worden, dass der G+J - Mehrheitsgesellschafter Bertelsmann 7,4 % der Waz-Gruppe an der RTL Group übernehmen könnte und dafür im Gegenzug G+J-Zeitungen erhält.

Kundruns Dementi gilt auch für die defizitäre "Berliner Zeitung", die jüngst durch einen Chefredakteurswechsel in die Schlagzeilen geraten war. Auf die Frage, ob es zu Kooperationen am Berliner Zeitungsmarkt kommen könne, sagte Kundrun: "Kooperationen schließe ich nie aus, aber aktuell gibt es dazu keine Gespräche." Er verwies darauf, das die "Berliner Zeitung" in der Reichweite deutlich hinzugewonnen habe und im Medienmarkt auf Rang drei zu den meistzitierten Zeitungen in Deutschland gehöre. "Das allein ist ein Zeichen dafür, dass das Blatt journalistisch hervorragend ist", sagte Kundrun.

Der Verlag und der Chefredakteur des Blattes, Martin Süskind, hatten sich jüngst einvernehmlich getrennt. Uwe Vorkötter von der "Stuttgarter Zeitung" wird die Nachfolge antreten. "Wenn man über die Zukunft eines Blattes unter veränderten Rahmenbedingungen insbesondere in den rückläufigen Anzeigenmärkten diskutiert, dann geht es auch um neue Prioritäten und deren Umsetzung", erläuterte Kundrun. Es sei jetzt notwendig, das Blatt als Metropolenzeitung weiterzuentwickeln, die in der Region verankert ist und als Qualitätsblatt darüber hinaus ausstrahlt. Verluste von rund 3 Mill. DM dementierte Kundrun nicht.

In den für G+J wesentlichen Zeitschriftenmärkten der Welt - Deutschland, Frankreich, USA - will Europas Marktführer seine bereits führenden Positionen in Teilsegmenten weiter ausbauen. "Wir wollen in Segmentmarktführerschaften investieren", sagte Kundrun. So sei der Verlag in den USA stark nach vorne gegangen. Das älteste Frauenmagazin Amerikas, "Mc Call's", wurde grundlegend überarbeitet und als "Rosie" neu auf den Markt gebracht, woraufhin der Einzelverkauf von 350 000 Exemplaren auf 690 000 stieg. Auch die anderen US- Magazine mit Ausnahme von "Parents" wurden konzeptionell "aufgefrischt". Einzelne Hefte konnten dadurch laut G+J den Einzelverkauf um 10 % ("Fitness") beziehungsweise den Anzeigenumsatz um 50 % ("YM") gegenüber dem Vorjahr steigern. Alle Hefte konnten ihre Marktpositionen ausbauen.

"Standbein in allen großen Märkten"

Die im letzten Jahr gekauften US-Wirtschaftstitel "Fast Company" und "INC." folgen laut Kundrun der Strategie, "dass wir in allen großen Märkten der Welt ein Standbein mit familien- und frauenorientierten Titeln einerseits und andererseits mit Wirtschaftsobjekten haben". Weil sich die unterschiedlichen Konjunkturzyklen beider Segmente ausglichen, sei das eine vernünftige Portfolio-Mischung.

Den in der Branche als überhöht angesehenen Preis von 350 Mill. $ für "Fast Company" wollte Kundrun nicht bestätigen. "Die Frage ist, hätte man diesen zukunftsträchtigen Titel im März 2001 für weniger Geld bekommen", ergänzte der Topmanager. Angesichts des damaligen Fusionsfiebers in der US-Medienbranche hätte seiner Einschätzung nach dann schon ein anderer großer Mitspieler das Magazin übernommen. "Dann wären wir in der US-Wirtschaftspresse nicht in der heutigen Position."

Die langjährige Ertragssäule des Verlags in Deutschland, das Flaggschiff "stern", sieht Kundrun nicht gefährdet. "Der "stern" hat bei weitgehend stabiler Auflage in der letzten Media-Analyse den höchsten Reichweitenzuwachs unter allen Zeitschriften erzielt: 7,51 Mill. Leser jede Woche, das sind 400 000 Leser mehr als vor Jahresfrist", sagte Kundrun. "Unser Ziel ist, den "Stern" in der guten Position als aktuelles Wochenmagazin da zu halten, wo er ist: an der Spitze seines Segments. Dann können wir sehr, sehr zufrieden sein."

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