Zeitungsbericht:
Niedersachsen trägt eventuell 50 % Expo-Defizit

Das Land Niedersachsen soll das erwartete Expo-Defizit von 2,4 Mrd. DM nun möglicherweise doch zur Hälfte tragen, dafür vom Bund aber an anderer Stelle entschädigt werden. Das berichtete die "Welt am Sonntag". Eine solche genaue Teilung der Expo-Kosten zwischen Bund und Land entspreche der ursprünglichen Vereinbarung. In jüngster Zeit hatte es jedoch Spekulationen gegeben, der Bund werde zwei Drittel des Defizits übernehmen und dem Land nur ein Drittel der Kosten überlassen.

dap-afx HAMBURG. Inzwischen gebe es Überlegungen, das Land Niedersachsen auf andere Weise zu entlasten, berichtete die "Welt am Sonntag". Vorbild sollten die Zugeständnisse an einzelne Bundesländer für ihre Zustimmung zur Steuerreform sein. "Dass über alternative Modelle nachgedacht wird, kann ich bestätigen", erklärte Axel Plaue, der Vorsitzende der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag. Akzeptabel seien solche Lösungen aber nur, wenn der Landeshaushalt dabei um den selben Betrag entlastet wird wie bei einer Übernahme von zwei Dritteln des Expo-Defizits durch den Bund.

Planungsfehler vorgeworfen

Unterdessen hat der Münchner Unternehmensberater Roland Berger das Management der Expo 2000 erneut scharf kritisiert. Berger, der für die Expo GmbH selbst Gutachten erstellt hatte, warf der Expo-Führung in einem Interview der "Welt" (Samstag-Ausgabe) Planungsfehler und falsche Vermarktung vor. Die Geschäftsführung habe sich immer auf Zahlen von 1992 berufen und daran festgehalten. "Die Probleme waren somit programmiert."

Die Expo-Spitze hatte noch während der Weltausstellung an den erwarteten 40,0 Mill. Besuchern festgehalten und war erst später davon abgerückt. Die Expo endete am vergangenen Dienstag mit 18,1 Mill. Besuchern. "Seit es die Expo GmbH gibt, habe ich alle Verantwortlichen, also die Geschäftsführer, den Aufsichtsrat sowie die Gesellschafter von Bund und Land, immer wieder darauf hingewiesen, dass man eine detaillierte Finanzplanung braucht", sagte Berger. Diese sei erst 1998 und damit viel zu spät erfolgt. Seine Analyse sei von 26 Mill.. Besuchern und einem Verlust von 1,6 Mrd. DM ausgegangen.

Kritik zurückgewiesen

Die Expo-Gesellschaft wies Bergers Kritik zurück. Sie erklärte, sie habe seit Beginn ihrer Tätigkeit über eine detaillierte Finanzplanung und von Mitte 1996 an über ein "intensives Risikomanagement" verfügt. Bergers Gutachten habe eine Bandbreite von 26 bis 32 Mill. Besuche beinhaltet, 40 Mill. Besuche aber nicht ausgeschlossen. Im Auftrag der Expo habe Berger auch einen Maßnahmenkatalog entwickelt, um auf diese Besucherzahl zu kommen.

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