Zeitungshaus und Fernsehkonzern bieten erstmals vernetzte Reklamemöglichkeiten: Springer mit Pro Sieben gegen Werbekrise

Zeitungshaus und Fernsehkonzern bieten erstmals vernetzte Reklamemöglichkeiten
Springer mit Pro Sieben gegen Werbekrise

Die Werbekrise fördert neue Allianzen: Das Zeitungshaus Springer und die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 bieten künftig gemeinsame Werbepakete in Zeitungen, Zeitschriften, TV-Kanälen und im Internet an.

DÜSSELDORF/HAMBURG. Im harten Kampf um Werbekunden gehen der Axel Springer Verlag und die Pro Sieben Sat 1 Media neue Wege. Mit gemeinsamen Werbeangeboten aus einer Hand will sich Europas größter Zeitungskonzern zusammen mit der Münchener Senderfamilie gegen den rückläufigen Markt stemmen - ein Novum für die Medienbranche. "Die Firmen haben immer weniger Werbegelder zur Verfügung, deshalb hat ein integriertes Konzept so viel Sinn", sagte gestern eine Springer- Sprecherin. Den Werbekunden stehen künftig sämtliche Zeitungen ("Bild", "Die Welt") und Zeitschriften ("Hörzu", "Allegra") des Verlages sowie die Fernsehsender Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1 und N24 zur Verfügung. Teil der Reklamepakete sind außerdem Internet, Teletext, mobile Dienste wie SMS, Direkt- und Eventmarketing sowie Merchandising.

Die Werbung treibende Industrie fordere von den Medien einen effizienten Einsatz der Werbeausgaben, sagte Springers Zeitschriften-Vorstand Andreas Wiele. "Es gibt einen Bedarf der Kunden nach vernetzten Angeboten, denn die Unternehmen wollen noch mehr Wirkung und Effizienz für ihr Geld", bekräftigte eine Sprecherin des Pro-Sieben- Werbezeitenvermarkters Seven One Media. "Die Zeiten in denen man sich gegenseitig schlecht gemacht, sind längst vorüber", hat auch ein Brancheninsider beobachtet.

Der Markt steht unter Druck. 2002 ist der Nettowerbeumsatz der Medien um etwa 6 % auf 20,38 Mrd. Euro gesunken, wie der Zentralverband der Werbewirtschaft (ZAW) gestern mitteilte. Vor allem das Fernsehen hat es schwer getroffen: Die Netto-Werbeeinnahmen von Pro Sieben Sat 1 Media dürften nach Schätzung von Brancheninsidern um etwa 10 % geschrumpft sein. Die meisten Mediaagenturen erwarten auch für das laufende Jahr sinkende Werbeausgaben. Der Branchenverband OMG rechnet damit, dass 2003 rund zwei Prozent weniger Geld für Werbung ausgegeben wird. Der ZAW hingegen hofft auf einen leichten Zuwachs von einem Prozent.

Mit ihrem Angebot reagieren Springer und Pro Sieben also auf weiterhin schwierige Marktbedingungen. Wie Springer deutlich machte, gebe es jedoch für Werbepakete keine Rabatte. "Das Umsatzvolumen des neuen Angebots kann man derzeit noch nicht beziffern", sagte eine Seven-One-Sprecherin. Die Allianz zwischen einem Zeitungs- und einem TV-Konzern ist für den deutschen Werbemarkt eine neue Erfahrung. Bisher gab es nur ein zaghaftes Projekt der Bertelsmann-Töchter RTL und Gruner + Jahr.

Bereits seit Monaten versucht Springer neue Wege zu gehen und effizienter zu arbeiten. Der Konzern hat auch eine Reihe von Tochterunternehmen verkauft. Mit dem Verkauf der profitablen Spedition Overbruck an den börsennotierten Logistiker Thiel setzt Springer die Strategie fort, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Unternehmenskreisen zufolge hat Overbruck im vergangenen Jahr rund 160 Mill. Euro umgesetzt. "Die Restrukturierung des Unternehmens geht weiter. Der Großteil der Maßnahmen ist aber abgearbeitet", sagte dazu eine Sprecherin.

Möglicherweise wird das Medienhaus auf der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag Details zu weiteren Umbauplänen und dem Schuldenabbau preisgeben. Der Vorstand hat erst vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass er unter anderem durch den Verkauf nicht rentabler Firmenteile sowie den Abbau von rund 12 % der 14 000 Stellen die Verschuldung 2002 deutlich verringert hat. Damit gelang es Springer, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) im vergangenen Jahr auf 110 Mill. Euro zu verdreifachen.

Das Verlagshaus hat sich bereits aus dem TV- und dem Buchgeschäft zurückgezogen. Es hat einige Fernseh-Produktionsfirmen an Studio Hamburg abgegeben. Der defizitär arbeitende Buchverlag Ullstein Heyne List ging an die Bertelsmann-Tochter Random House. Auf dem Prüfstand steht trotz der neuen Werbekooperation die Beteiligung von 11,5 % an der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 Media.

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