Zeitungskonzern kündigt befristeten Markttest an
Döpfner will neue Zeitung für junge Leser erproben

Der Axel Springer Verlag arbeitet an einer neuen Tageszeitung für junge Leser. Mathias Döpfner, designierter Springer-Vorstandsvorsitzender, kündigte einen befristeten Markttest an. Umsetzen soll das Projekt die Mannschaft der eingestellten Gratiszeitung "Köln extra".

HB BERLIN/DÜSSELDORF. Dem Handelsblatt sagte der jetzige Zeitungs- und Multimediavorstand: "Alle Tageszeitungen in Deutschland haben das Problem, zu wenig junge Leser zu gewinnen. Dass kann an den Lesern liegen, vielleicht aber auch am Angebot."

Die neue Tageszeitung wird von der bisherigen Redaktion des eingestellten Gratisblattes "Köln extra" entwickelt. "Für den Anzeigenmarkt ist die Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen hoch attraktiv. Dies ist auch das Hauptargument der Gratiszeitungen gewesen. Auch aus diesem Grund ist es wichtig, zu prüfen, ob hier ein echtes Marktpotenzial für einen neuen Zeitungstyp besteht."

Wie Döpfner betonte, stehe noch nicht fest, in welcher Stadt und zu welchen Preis die neue Tageszeitung entstehen soll. In den Branche waren gestern Spekulationen aufgetaucht, dass sich Springer möglicherweise auf den traditionellen Verlagsstandort Hamburg konzentrieren wird. Mit einer preiswerten, jungen Boulevardzeitung würde Springer dort die "Hamburger Morgenpost" angreifen.

Döpfner, früher zwei Jahre selbst Chefredakteur der "Morgenpost", kennt die von seinem Konzern dominierte Wettbewerbssituation in der Hansestadt bestens. Eine Gefahr für die eigenen Blätter sieht er nicht. "Grundsätzlich gehen wir wegen der klaren Focussierung auf eine sehr junge Leserschaft von sehr geringen Kannibalisierungseffekten aus. Wir sind vom Wachstumspotenzial überzeugt, weil wir junge Leute erreichen wollen, die bisher noch keine Zeitung lesen." In Hamburg ist Springer mit dem "Hamburger Abendblatt" sowie "Bild" und "Welt" mit Lokalausgaben vertreten. Grundsätzlich gibt sich der künftige Vorstandschef vorsichtig: "Die Wahrscheinlichkeit einer echten Marktchance sehe ich mit gebremsten Optimismus. Seit vielen Jahrzehnten ist in Deutschland keine Tageszeitung mehr erfolgreich eingeführt worden. Dennoch wäre es unverantwortlich, nicht jede Chance für eine Marktlücke zu prüfen."

Sparkurs soll verschärft werden

Die Kosten für die neue Zeitung seien sehr moderat. Denn Springer greift auf das "Köln extra"-Team unter dem Chefredakteur Jan-Eric Peters zurück. Döpfner unterstrich weiter seinen eisernen Sparwillen: "Die Entwicklung der Anzeigenmärkte und der Konjunktur in Deutschland ist anhaltend schlecht. Unsere Sparmaßnahmen im 2. Halbjahr werden verschärft, nicht gelockert."

Zum gewonnenen "Kölner Zeitungskrieg" bilanzierte Döpfner: "Wir haben alles richtig gemacht: schnell, massiv, und auf verschiedenen Ebenen agiert und mit dem sehr guten Konzept von ,Köln extra? gezeigt, dass, wenn wir eine Gratiszeitung machen müssen, wir die beste Gratiszeitung machen." Neuen kostenlosen Zeitungsprojekten kündigte Döpfner den Kampf an: "Wer in Deutschland eine Gratiszeitung startet, wird eine gut gemachte Gratiszeitung aus dem Springer Verlag vorfinden und deshalb wirtschaftlichen keinen Spaß haben."

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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