Zeitungskonzern schreibt wieder schwarze Zahlen – Kirch verhandelt weiter
Springer betrachtet Einstieg der WAZ als chancenlos

Kirch-Kreise bestätigten: "Es gibt noch keine Unterschrift". Leo Kirch will Springer-Paket möglichst bald verkaufen.

DÜSSELDORF. Der Axel-Springer-Verlag glaubt nicht an einen Einstieg der WAZ-Gruppe. Vorstandschef Mathias Döpfner sieht die Chancen für eine 40 %-Beteiligung des Essener Zeitungskonzerns gegen den Willen Springer keine Chance. In einer Telefonkonferenz erklärte Döpfner, der Versuch der Übernahmen sei "wie in der Wüste von Namibia Eisbären schießen zu wollen." Die WAZ prüft der derzeit den Kauf des 40 %-igen Aktienpakets von Leo Kirch.

Der Preis steht noch nicht endgültig fest

Aus Kirch-Kreisen heißt es: "Der Einstieg der WAZ ist noch nicht zu Ende verhandelt". Derzeit laufe der letzte Teil des Bewertungsgutachten für den Kirch-Anteil an Springer. "Der Preis steht daher noch nicht endgültig fest." Kirch muss bis zum 10. September Zeit sein Springer-Paket zu veräußern, sonst fällt es an Deutsche Bank zurück, bei der Kirch mit 760 Mill. Euro in der Kreide steht. Derzeit würden noch Gespräche mit einem ausländischen Medienunternehmen laufen, das mit Hilfe von Finanzinvestoren in der Lage wäre, das Springer-Paket zu kaufen, hieß es aus dem Umfeld von Leo Kirch. Die Chancen für einen WAZ-Einstieg stünden 60 : 40.

Springer ist in die Gewinnzone zurückgekehrt

Unterdessen ist Springer ("Bild", "Welt", "Hörzu") in die Gewinnzone zurückgekehrt. Europas größter Zeitungskonzern hat trotz der Rezession im Werbemarkt im ersten Halbjahr 2002 schwarze Zahlen geschrieben. Der Halbjahresüberschuss nach Steuern und Abschreibungen stieg auf 72 (Vorjahr: 14) Mill. Euro. "Das ist wirklich ein sehr gutes Ergebnis, über das wir sehr froh sind", sagte Döpfner stolz. Auch für das Gesamtjahr erwartet Springer-weiter Gewinne. "Wenn keine weiteren Konjunkteinbrüche dazu kommen, dann halten wir es für realistisch, auf für das Gesamtjahr ein positives Ergebnis vorlegen zu können", sagte Döpfner. Er warnte angesichts der Konjunkturkrise vor zu optimistischen Erwartungen: "Es gibt keinen Anlass, zum Aufatmen nach innen."

Werbekrise hinterließ deutliche Spuren

Die Werbekrise hinterließ jedoch in der Bilanz deutliche Spuren. Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 4,2 % auf 1,368 Mrd. Euro. Bei den Anzeigenumsätzen musste Springer mit einem Minus von 9,3 % kräftig Federn lassen. Die Einnahmen sanken auf 528 Mill. Euro. Besonders das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost" litten unter der "Anzeigendepression". Die Rückgänge im Anzeigengeschäft kompensierte Springer mit Kosteneinsparungen, Personalabbau und Portfoliobereinigung. Beispielsweise legte Springer unter anderem die Redaktionen der Zeitungen "Welt" und "Berliner Morgenpost" zusammen. Von den angestrebten Abbau von 1 400 Stellen sei bereits 70 % vollzogen, berichtete der Vorstandschef. Der Konzern konnte jedoch betriebsbedingte Kündigungen vermeiden. Die Zahl der Beschäftigten sank auf 13 400. Springer war im letzten Jahr erstmals in seiner Geschichte mit einem Verlust von 198 Mill. Euro in die roten Zahlen gerutscht.

Döpfner gab sich gestern selbstbewusst. Springer habe mit einem rigorosen Sparkurs früher als die Wettbewerber auf die schlechte Marktentwicklung reagiert. Ob wieder eine Dividende gezahlt wird, wollte Döpfner nicht sagen. Die Aktie pendelte gestern um ihr Jahrestief von rund 50 Euro.

TV-Geschäft soll ausgebaut werden

Wie Döpfner gestern unterstrich, ist Springer weiter am Ausbau des TV-Geschäfts interessiert. Der Zeitungskonzern hat zusammen mit dem Heinrich Bauer Verlag ("Bravo", "TV-Today") und der Hypo-Vereinsbank ein unverbindliches Angebot für die insolvente Kirch Media, ehemaliges Herzstück des zusammengebrochen Medienkonzerns von Leo Kirch, mit Ausnahme des Sportrechtegeschäfts abgegeben. Döpfner setzt auf einen Direkteinstieg beim börsennotierten Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG. Schon bisher hält Springer eine Beteiligung von rund 11 % an dem im M-Dax notierten TV-Unternehmen. "Die Überlegungen mit einem Direkteinsteig bei der Pro Sieben Sat 1 kommt uns sehr gelegen", sagte Döpfner gestern. Eine Investition in Kirch Media sei nur dann attraktiv, wenn auch der Preis stimme. "Wir können auch ohne Kirch Media gut leben." Über ausreichende Finanzierungsmöglichkeiten verfüge Springer.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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