Zeitungsmarkt besonders betroffen – Beim Privat-TV verlieren Kirch-Sender überdurchschnittlich
Wirtschaft drosselt Werbeausgaben

Der Werbemarkt in Deutschland schrumpft weiter: Im Februar gingen die Bruttowerbeausgaben sogar um 8,8 % zurück. Vor allem Telekomanbieter und Finanzdienstleister halten sich zurück. Das trifft den Zeitungsmarkt besonders. Im Bereich Fernsehen müssen die Sender der Kirch-Gruppe deutliche Verluste hinnehmen.

HB DÜSSELDORF. Deutsche Firmen geben weniger Geld für Werbung aus. Nach einem schwachen Start ins Werbejahr 2001 bleiben auch die Werbeumsätze im Februar deutlich hinter den Vorjahreswerten zurück. Das zeigt die aktuelle Statistik der AC Nielsen Werbeforschung, die die Brutto-Investitionen in klassische Werbung (TV-, Print-, Hörfunk-, Plakatwerbung) misst. Während die Aufwendungen im Januar um 1,4 % unter dem Vorjahreswert lagen, wird im Februar ein Rückgang um 8,8 % verzeichnet. Januar und Februar zusammengerechnet, liegt der Markt um 5,3 % unter dem Vorjahreszeitraum. "Das Werbejahr 2000 ist außerordentlich gut gelaufen. Somit liegt die Messlatte sehr hoch", merkt Christof Baron, Geschäftsführer der Media-Agentur Mindshare, Frankfurt, einschränkend an. Um knapp 12 % auf 35,5 Mrd. DM waren die Bruttoinvestitionen im Jahr 2000 gestiegen - so viel wie lange nicht mehr. Für das satte Wachstum hatten vor allem Telekommunikation, Finanzanlagen und Börsengänge gesorgt.

Investitionen drastisch zurückgefahren



Genau diese Branchen halten sich aber seit Jahresanfang deutlich mit Werbeausgaben zurück. Die Statistik des Hamburger Werbeforschungsinstituts für die Monate Januar und Februar zeigt, dass die Telekommunikationsindustrie ihre Investitionen um 45 % zurückgefahren hat, die Finanzwirtschaft um 26 %. Aber auch die Automobilindustrie schaltet als größte Werbebranche einen Gang zurück (minus 4,5 %). Klassische Konsumgüterbranchen wie Waschmittel (minus 28,4 %), Haustier-Nahrung (21,6 %) und dekorative Kosmetik (minus 18 %) investieren ebenfalls weniger.

Printbereich ist besonders betroffen



Der Rückgang der Werbeausgaben trifft besonders den Printbereich. Im Februar lagen die Werbeeinnahmen hier um 13,1 % unter dem Vorjahr. Bei den Zeitungen schlägt ein Minus von 18,4 % zu Buche, bei den Fachzeitschriften ein Minus 18,1 % und die Publikumszeitschriften liegen um 6,1 % unter dem Vorjahreswert.

"Dem Zeitungsmarkt fehlt die heiße Schlacht im Telekommunikationsmarkt", kommentiert Joachim Donnerstag von der Zeitungs-Marketing-Gesellschaft, Frankfurt, mit Blick auf die Werbeoffensive von Mannesmann und Vodafone zum Jahresanfang 2000. Der Rückgang sei nicht dramatisch, findet er. Auch beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) gibt man sich gelassen. Sprecherin Anja Pasquay betont, dass die Nielsen-Zahlen nur einen Teil des Werbemarktes von Tageszeitungen abbilden. Der Rubrikenmarkt (etwa Stellenanzeigen), der mit einem Viertel zu Buche schlage, werde nicht erfasst.

Auch das Fernsehen nimmt weniger durch Werbung ein



Das Fernsehen hat im Februar brutto 4,7 % weniger durch Werbung eingenommen. Das Minus fällt allerdings laut Torsten Rossmann, Sprecher der Pro Sieben Sat 1 Media AG, deutlich geringer aus, wenn man den 29. Februar 2000 als einmaligen Sonderfaktor herausrechne: Dann stehe der TV-Markt im Februar mit einem Minus von nur noch 1,3 % besser dar als noch im Januar (minus 3,6 %).

Die Kirch-Sender haben im Vergleich zu denen der RTL-Gruppe deutlich schlechter abgeschnitten: Während RTL, RTL II und Vox ein Plus zum Vorjahresmonat aufweisen, liegen die Bruttoeinnahmen von Sat 1 um 16,5 % und von Pro Sieben um 4,5 % unter dem Wert vom Februar 2000. Das zweistellige Minus bei Sat 1 erklärt Rossmann mit einem außerordentlich guten Vorjahresstart des Berliner Senders. Verschiedene Mediaagenturen erklären das Minus bei den Kirch-Sendern dagegen unter anderem mit Reibungsverlusten aus der Fusion der beiden hauseigenen Vermarkter MGM und Media 1 zur Seven One Media.

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