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Post will Geschäft in den Niederlanden ausbauen

Die Deutsche Post will künftig auch verstärkt in den Niederlanden Briefe zustellen und damit dem dortigen Marktführer TNT Post Groep (TPG) das Revier streitig machen.

Reuters BONN. Die Post teilte am Montag mit, sie werde mit der holländischen Wegener Arcade NV ein Gemeinschaftsunternehmen für die adressierte Briefzustellung gründen. Zugleich wolle die Post über ihre niederländische Tochter Selektvracht die Mehrheit an dem zu Wegener gehörenden Zusteller Interlanden erwerben.

Die Deutsche Post will sich nach eigener Darstellung mit dem Ausbau der niederländischen Briefaktivitäten der Liberalisierung dieser Märkte in Europa stellen. Der Aktienkurs ging im frühen Handel stärker zurück als der Gesamtmarkt.

Einstieg ins Briefgeschäft und Direktmarketing

Über das Zusammenrücken mit Wegener erweitert die Post sowohl das adressierte Briefgeschäft als auch die Zustellung von Zeitungen und Wurfsendungen in den Niederlanden. Deutsche Post und Wegener strebten mit ihrer neuen Gemeinschaftsfirma mittelfristig eine führende Rolle auf dem niederländischen Briefmarkt an, hieß es.

Wegener nehme in den Niederlanden bereits eine bedeutende Position im Bereich Direktmarketing, also bei der Zustellung nicht adressierter Postwurfsendungen, ein, hieß es weiter. In den Niederlanden sind den Angaben zufolge Standardbriefe über 100 Gramm Gewicht für den Wettbewerb offen. Die gleiche Grenze soll auch in Deutschland eingeführt werden.

Die Wegener-Tochter Interlanden erzielte 2001 mit 450 Mitarbeitern und 24 000 Zustellern einen Jahresumsatz von 60 Mill. ?. Selektvracht setzte im vergangenen Jahr mit 6200 Zustellern 52 Mill. ? um. Die Zahl der Mitarbeiter werde sich im Zuge der Fusion voraussichtlich erhöhen, hieß es. Den Kaufpreis für die Interlanden-Mehrheit wollte die Post dagegen auch auf Nachfrage nicht nennen.

Post: "Wollen Nummer zwei hinter TPG sein"

Post-Sprecher Norbert Schäfer verwies darauf, dass sein Unternehmen bereits in den Niederlanden aktiv sei und den Auftritt nun mit dem Zusammengehen mit Wegener verstärke. Die Post wolle sich als "Alternative" zum niederländischen Konkurrenten TPG etablieren. "Wir wollen die Nummer Zwei sein hinter der TPG", sagte Schäfer.

Mit dem Gang ins Ausland will die Post auch potenzielle Einnahmeeinbußen auf dem Heimatmarkt infolge der Brief-Liberalisierung kompensieren. Der ehemalige Staatskonzern erzielt wie seine großen europäischen Konkurrenten nach wie vor den Löwenanteil seiner Gewinne mit der Briefzustellung.

"Das ist der erste Schritt ins europäische Ausland, aber eben nur der erste", sagte Post-Sprecher Schäfer. Es würden sicherlich noch einige folgen. Die niederländische TPG ist nicht der größte europäischen Mitbewerber der Post, wird aber auf Grund ihrer Börsennotierung oft mit dem Bonner Unternehmen verglichen.

Einstieg in Holland als "logischer Schritt" gesehen

Post-Analyst Christian Obst von der Hypo-Vereinsbank bezeichnete den Einstieg der Deutschen Post in Holland als "logischen Schritt". "Auch die Niederländer versuchen, in jeden europäischen Markt zu kommen. Die Post macht im Grunde nur das, was auch TPG macht." Mit der fortschreitenden Liberalisierung der europäischen Briefmärkte versuchten die Logistik-Anbieter, weit reichende Netzwerke aufzubauen, sagte Obst weiter.

Der Schritt sei strategisch zu betrachten, zumal die Brief-Zusteller auf ihren Heimatmärkten kaum mehr wachsen könnten, fuhr Post-Experte Obst fort. "Die nationalen Monopolstellungen werden sukzessive aufgegeben." Die Branche werde sich im Zuge der Liberalisierung konzentrieren und am Ende "drei, vier große Player" hervorbringen. Die Post versuche, sich für diese Entwicklung so früh wie möglich zu positionieren.

Einen direkten oder nennenswerten Einfluss des Interlanden-Einstiegs auf den Post-Gewinn erwartet Obst kurzfristig nicht. "Das ist für das Ergebnis völlig unerheblich." Der Aktienkurs der Deutschen Post büßte am Montagvormittag in einem insgesamt schwachen Markt rund 2 % ein, während die Papiere von Wegener unverändert notierten und TPG 1,4 % nachgaben.

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