Zeitungsverlag droht mit Verzögerungstaktik für das Insolvenzverfahren
Springer geht bei Kirch leer aus

Springer-Chef Döpfner hat zu hoch gepokert: Seine Forderung gegen Kirch über 767 Mill. Euro dürfte mit der Pleite des Medienkonzerns wertlos geworden sein. Döpfner will dennoch kämpfen.

lip/mv/hps HAMBURG/BERLIN. Die Insolvenz der Kirch Media entwickelt sich auch für den Axel Springer Verlag zu einem ernsten Problem. Denn mit dem Untergang der Kerngesellschaft des Kirch-Imperiums droht Springer der Verlust einer Forderung im Wert von 767 Mill. Euro. Sie stammt aus der vertraglich vereinbarten Rückkaufsverpflichtung Kirchs für ein Aktienpaket, das Springer an Kirchs TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 hält. Kreise, die Springer nahe stehen, räumten gestern ein, dass die Option Springers mit der Insolvenz "weitgehend wertlos" geworden sei. Eine Konzern-Sprecherin wollte dies nicht kommentieren.

Der drohende Wertverlust von Kirchs Rückkaufverpflichtung setzt vor allem Springer-Chef Mathias Döpfner unter Druck, der erst seit Januar im Amt ist. Döpfner war es, der Ende Janaur die akute Finanzkrise des Kirch-Imperiums auslöste. Er hatte Kirch die Pistole auf die Brust gesetzt und überraschend von Kirch verlangt, das Pro-Sieben-Paket zurückzukaufen.

Der erst 39-jährige Journalist versucht nun, sein Image als Manager zu retten. Aus Kreisen des Springer-Vorstands ist zu hören, Döpfner drohe, die Sanierung des Kirch-Imperiums im Rahmen des Insolvenzverfahrens auf Jahre gerichtlich zu verzögern. Notfalls werde Springer durch alle Instanzen ziehen, wenn der Insolvenzverwalter nicht zumindest einen Teil der offenen Forderung aus dem Aktienpaket anerkenne.

Reinhard Bork, Insolvenzexperte an der Universität Hamburg, sagte dem Handelsblatt, Springer habe im Streit um die Option eine "ausgesprochen schwache Position". Dabei hätte Döpfner den Erlös aus der Kirch-Option dringend nötig. Denn Springer hat 2001 erstmals in seiner Geschichte Verlust gemacht: 191 Mill. Euro. Und auch für 2002 sind die Aussichten nicht rosig, Springer könnte von Kirch daher jeden Euro gebrauchen.

Für die großen Gläubigerbanken ist Döpfners Vorstoß dennoch mehr als eine leere Drohung, sind sie doch daran interessiert, den Berliner Medienkonzern für die Kirch-Sanierung zu gewinnen. Sie wollen allerdings Geld sehen für die Beteiligung an der Auffanggesellschaft, die den Rechtehandel und das Pro-Sieben 1-Paket-Sat von Kirch Media übernehmen will.

Springer selbst scheint Interesse daran zu haben, sich in Zukunft wieder stärker im deutschen Fernsehgeschäft zu engagieren. Woher der Konzern aber das Geld nehmen will, um seine Beteiligung an Pro Sieben auf angeblich mehr als 25 % zu steigern, ist unklar.

Offen bleibt auch, was aus dem 40 %igen Anteil wird, den die Kirch-Gruppe wiederum am Springer-Konzern hält und an die Deutsche Bank verpfändet hat. Seit längerem halten sich Spekulationen, dass der Essener Waz-Konzern Interesse an einem Einstieg bei Springer hat. Die der SPD nahe stehende Waz gilt als renditestarker Zeitungskonzern. Bei Springer hieß es hierzu intern, dass die Waz "kein Wunschpartner" sei. Das Berliner Verlagshaus favorisiere einen Finanzinvestor, der sich nicht in die Führung des als konservativ geltenden Printkonzerns einmische.

Quelle: Handelsblatt

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