Zeitweise auf höchsten Stand seit Kriegsbeginn
Ölpreis sinkt nach Opec-Zusagen leicht

Die Ölpreise gaben am Freitag im Tagesverlauf leicht nach, nachdem die Opec bekräftigte, trotz des Irak-Krieges und Unruhen in Nigeria sei genügend Öl im Markt vorhanden. Zu Tagesbeginn waren die Ölpreise zunächst deutlich gestiegen. Händler hatten den Anstieg mit der Erwartung eines langen Irak-Krieges und Ausfällen aus dem ölreichen Nigeria begründet.

Reuters LONDON. Bis zum Abend sank der Preis der führenden Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai um 36 Cent auf 26,46 Dollar je Barrel. Zeitweise lag er im Tagesverlauf um knapp 90 Cent über dem Eröffnungskurs bei rund 27,70 Dollar je Barrel (rund 159 Liter). Der Preis für US-Öl sank bis 20.30 Uhr (MEZ) um 22 US-Cent auf 30,15 Dollar.

Der Generalsekretär der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec), Alvaro Silva, sagte in Wien: "Selbst mit dem Rückgang der irakischen Exporte und der verübergehenden Verringerung der Ölförderung in Nigeria, ist noch immer sehr viel Öl auf dem Markt". Das Ölkartell befürchte sogar eine Überschwemmung des Marktes. Einem Bericht des Energie-Beratungsunternehmens Petrologistics zufolge stieg die Ölförderung der Opec-Staaten im März um 430 000 Barrel auf 28,36 Mill. Barrel pro Tag. Dies sei auf einen deutlichen Anstieg der Produktion in Saudi-Arabien zurückzuführen, heißt es in dem Bericht. Irak hatte unter Aufsicht der Vereinten Nationen (UNO) bis vor Kriegsbeginn 1,8 Mill. Barrel täglich produziert, die jetzt ausfallen.

Eine entscheidende Rolle am Ölmarkt spielt nach Einschätzung von Händlern derzeit die erwartete Dauer des Kriegs in Irak. Viele Marktteilnehmer hätten auf einen raschen Verlauf wie beim Golfkrieg 1991 gesetzt, was den Ölpreis in den ersten Tagen des Militäreinsatzes sinken ließ. "Nachdem sich gezeigt hat, dass der Krieg länger dauern könnte, ging der Preis dann aber wieder nach oben", sagte eine Händlerin. Allein in dieser Woche verteuerte sich Rohöl wieder um mehr als zehn Prozent. Die Händlerin schloss einen weiteren kräftigen Anstieg nicht aus: "Wir halten es für wahrscheinlich, dass der Krieg nicht so schnell vorbei geht und der Brent-Preis auf 34 Dollar steigen könnte."

US-Präsident George W. Bush hatte am Donnerstag angekündigt, die Alliierten würden kämpfen, bis sie einen Sieg erreicht hätten. Damit signalisierte er nach Einschätzung von Händlern, dass auch die USA nicht mehr mit einem raschen Erfolg rechneten.

In Nigeria - das Land gehört zu den sechs größten Öllieferanten der USA - kamen zudem bislang wegen heftiger Stammeskämpfe fast 40 % der täglichen Ölproduktion zum Erliegen. "Öl aus Nigeria dient US-Raffinerien als wichtiger Rohstoff. Das treibt den Ölpreis nach oben", sagte ein Händler. Das in Nigeria produzierte schwefelarme Öl dient den USA als ideale Grundlage zur Benzinherstellung. Afrikas größter Ölexporteur fördert täglich rund 2,2 Mill. Barrel.

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