Zellen relativ einfach und in großer Menge zu züchten
Aus embryonalen Stammzellen sollen Gewebe und Organe entstehen

afp LONDON/BONN. Embryonale Stammzellen gelten derzeit als eines der vielversprechendsten Forschungsfelder der Biomedizin. Forscher hoffen, daraus künftig Gewebe und Organe etwa für Nieren- und Leberkranke sowie Herz- und Alzheimerpatienten züchten zu können. Wissenschaftlern in Großbritannien soll es künftig erlaubt sein, Embryos Zellen zu entnehmen und damit Haut oder andere Gewebe für therapeutische Zwecke herzustellen. In Deutschland verbietet das Embryonenschutzgesetz die Manipulierung der menschlichen Erbinformation, der so genannten Keimbahnen, und die Forschung mit Embryonen. Zwar gibt es auch Alternativen zur embryonalen Stammzell-Forschung, indem etwa "adulte" Stammzellen aus dem Körper eines Erwachsenen gewonnen werden. Experten zufolge reichen diese Methode aber längst nicht an die Möglichkeiten der embryonalen Stammzellen heran.

Embryonale Stammzellen verfügen nach Angaben von Annette Schmidtmann, Referentin für Stammzellenforschung bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), über die Potenz, sich in alle Zell- und Gewebetypen zu entwickeln. Zudem können sie in beliebiger Menge vervielfältigt werden. Im Prinzip wird dabei ein menschlicher Zellkern in eine Eizelle gepflanzt, die sich dann wie eine befruchtete Eizelle verhält und zu teilen beginnt. Nach wenigen Tagen werden aus dem Inneren des befruchteten Eis Zellen entnommen, die so genannten Stammzellen, die sich in Kultur zu genetisch identischen Zellen vermehren lassen. Das daraus gezüchtete Gewebe oder gar komplette Organe könnten künftig - so die Hoffnung der Forscher - als Transplantate verwendet werden.

Auch im Körper von Erwachsenen finden sich Zellen mit einer ähnlichen Potenz. Das Problem ist Experten zufolge aber, diese Stammzellen überhaupt zu erkennen und zu isolieren. Sie teilen sich im Gegensatz zu embyonalen Zellen auch nur begrenzt. Zudem ist wissenschaftlich nicht geklärt, inwieweit sich die "erwachsenen" Stammzellen in andere Zelltypen verwandeln können. Bis vor kurzem gingen die Forscher davon aus, dass beispielsweise Darmzellen auch nur Darmzellen bilden können. In jüngsten Versuchen habe sich gezeigt, dass sie sich auch in andere Zellformen entwickeln können. Unklar ist demnach aber, wie dieser Verwandlungsprozess gesteuert werden kann.

Auch die so genannte Xenotransplantation reicht bisher nicht an die potenziellen Möglichkeiten der embryonalen Stammzellen heran. Forscher suchen dabei nach Wegen, Gene über die Keimbahn von Tieren wie etwa Schweinen einzupflanzen, um die Abwehrreaktionen bei der Transplantation von Organen auf den Menschen zu verhindern. Allerdings besteht die Gefahr, dass damit auch Viren auf den Menschen übertragen werden. Umstritten ist auch, inwieweit aus Stammzellen abgestorbener Föten noch Zellen gezüchtet werden können und ob sie schon genetisch verändert sind, so dass sich eine Therapie verbietet.

Die Forschung mit embryonalen Stammzellen wird deshalb weltweit forciert. Auch in Deutschland wird das Thema aus ethischer und gesellschaftlicher Sicht verstärkt diskutiert. Kritiker fürchten vor allem, dass damit die Tür zum Klonen von Menschen geöffnet wird. Ethisch problematisch ist vor allem, dass eine Eizelle auf dem Weg zum Menschen praktisch zerstört wird. Deshalb ist die Forschung in Deutschland nach wie vor verboten. Zulässig ist lediglich der Import embryonaler Stammzellen aus dem Ausland.

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