Zellteilung alsGeschäftsmodell
Die Chemiebranche erlebte ein Jahr mit Knick

Nur um Haaresbreite hat es die chemische Industrie in Deutschland vermieden, von der Branchenentwicklung abgehängt zu werden. Während die US-Chemie seit 2003 teils spektakuläre Umsatzsteigerungen verzeichnete, warnte der Vorstandschef der Degussa, Utz-Hellmuth Felcht, noch im Frühjahr 2004 vor einer Stagnation der Geschäftsentwicklung.

HB DÜSSELDORF. Erst nach der Sommerpause hatte Felcht dann gut lachen. Auch bei Degussa, die unter anderem Aminosäuren für Tierfutterzusätze, Plexiglas und Rußkohle für Reifengummi herstellt, füllten sich die Orderbücher seit Mitte des Jahres wieder schneller. Die bisher längste Abschwungphase in der Chemiekonjunktur ging auch für den weltgrößten Spezialchemiekonzern zu Ende.

Auch BASF-Vorstandschef Jürgen Hambrecht, gleichzeitig Präsident des Branchenverbandes VCI, hatte Anfang des Jahres noch nicht zu den Optimisten gehört. Im Herbst jedoch präsentierte der größte deutsche Chemiekonzern, dessen Produktpalette von Schwefelsäure bis hin zu Lacken reicht, das stärkste Ergebnis, das er je in einem dritten Quartal abgeliefert hat.

Branchenkenner rechnen mit einem Aufwärtstrend für die Branche bis mindestens 2007 - wenngleich nur, falls keine internationale Krise dazwischenkommt. Diese Aufschwungphantasie macht es interessant, Chemiesparten anzubieten, mit denen die bisherigen Eigner nichts mehr anfangen können.

Das hatte etwa Bayer-Chef Werner Wenning im Hinterkopf, als er 2003 die Abspaltung von Bayers Chemikalien- und Plastikgeschäfts ankündigte. Im November 2004 stimmten Bayers Aktionäre der Zellteilung zu, und bis zur Börsennotierung Anfang 2005 arbeitet der Chef des neuen Konzerns Lanxess daran, diesen zukunftssicher aufzustellen.

Nicht nur bei Bayer nutzt man die Gelegenheit. Frankreichs Ölkonzern Total beschloss die Ausgründung von rund einem Drittel seiner Chemie unter dem Namen Arkema. Konkurrent BP will einen Großteil seiner Petrochemie verkaufen. Und auch bei Shell und BASF steht ein Milliardendeal an: Für das Joint Venture Basell, den weltgrößten Hersteller des preiswerten, aber vielseitigen Kunststoffs Polypropylen, suchen sie neue Eigentümer.

Einen Schritt weiter ist die 2004 von der Kapitalbeteiligungsgesellschaft Blackstone übernommene Celanese: Sie stärkte den Essigsäure- und Kunststoffhersteller durch zwei Zukäufe. Außerdem bereitet Blackstone die Ausgabe neuer Celanese - Aktien in den USA vor.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%