Zen-Ruffinen: Zahlen falsch
FIFA-Machtkampf jetzt über Geldfragen

Der Machtkampf innerhalb des Fußball-Weltverbandes FIFA geht mit einem heftigen Streit um die Finanzen und einem Stillhalteabkommen zwischen Präsident sowie Generalsekretär ins Finale. Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Gerhard Mayer-Vorfelder, stützt unterdessen weiter den FIFA-Präsidenten.

dpa/HB SEOUL. Gerhard Mayer-Vorfelder ist überzeugt, dass der amtierende Präsident des Fußball-Weltverbandes Fifa, Joseph Blatter, am kommenden Mittwoch für eine weitere Amtszeit gewählt wird. "Ich glaube daran", sagte der 69-Jährige dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). In der Diskussion um den umstrittenen Schweizer werde "viel Pulverdampf" erzeugt, er vermisse aber "authentische Meldungen", so Mayer-Vorfelder.

Er habe den Eindruck, dass "eine bestimmte Gruppe von Journalisten in England" den Kollegen auf dem Kieker habe: "Blatter wird ja in manchen Dingen dargestellt, so kann ich ihn mir nicht vorstellen", erklärte der frühere Finanzminister Baden-Württembergs. Er selbst wisse "aus eigener Erfahrung, wie schnell Vorwürfe erhoben werden". Bei Blatter werde "zu wenig gesehen, wie er sich um den Fußball bemüht".

Vorwürfe, die DFB-Spitze behandele den Fifa-Präsidenten nur deshalb so pfleglich, weil sie wegen der WM 2006 in Deutschland noch auf erhebliche Millionenspritzen aus der Weltverbandszentrale hoffe, wies Mayer-Vorfelder empört zurück: "Das ist nicht nur weit hergeholt, das ist eine Unverschämtheit", sagte der Stuttgarter. Zu den sportlichen Aussichten der deutschen Elf bei der bevorstehenden Weltmeisterschaft erklärte der DFB-Chef: "Die Viertelfinal-Teilnahme wäre schon ein großer Erfolg."

Zen-Ruffinen: "Zahlen entsprechen nicht der Realität"

Während FIFA-Präsident Joseph Blatter in Seoul mit positiven Zahlen um seine Wiederwahl am kommenden Mittwoch warb, säte Generalsekretär Michel Zen-Ruffinen weiter starke Zweifel am vorgelegten FIFA-Zahlenwerk. Allerdings wurde der aufmüpfige "General" - wohl auf Druck Blatters - vor dem Außerordentlichen Kongress der FIFA am Dienstag, auf dem die Finanzsituation beraten wird, zum Stillschweigen verdonnert.

"Herr Zen-Ruffinen hat erklärt, vorher zum Thema nicht mehr öffentlich intervenieren zu wollen", erklärte Blatter. "Zur Weltmeisterschaft kann er alles sagen." Der 66-jährige Schweizer indes präsentierte dem Exekutivkomitee am Sonntag "seine" Zahlen. Danach konnte der Verlust aus dem Konkurs des Schweizer Sportrechte-Vermarkters ISL/ISMM auf 36,9 Millionen Schweizer Franken (rund 25 Millionen Euro) verringert werden.

Obwohl zu den bereits veröffentlichten 51 Millionen Schweizer Franken (34,68 Millionen Euro) noch weitere 10,9 Millionen Franken an Kosten für die Gründung der FIFA-Marketing hinzugekommen seien, habe sich der Verlust durch unerwartete Mehreinnahmen verringert. "Wir haben aus der Vermarktung mehr Geld erzielen können, als zunächst erwartet", erklärte Blatter und fügte hinzu: "Es wurden astronomische Zahlen von 200, 300 Millionen im Zusammenhang mit diesem Konkurs genannt. Nein, es sind nur 36,9 Millionen." Für die Finanzperiode von 1999 bis 2002 sei zudem ein Überschuss von 191 Millionen Franken erzielt worden.

"Die Zahlen entsprechen nicht der Realität", hatte hingegen Zen- Ruffinen einen Tag zuvor bekräftig. Auf der gemeinsamen Pressekonferenz mit Blatter, dem am Morgen ein Vier-Augen- Gespräch vorausgegangen war, übte er sich zwar in Zurückhaltung, wollte aber von einem Maulkorb nichts wissen: "Ich habe in einem Brief an alle Mitgliedsverbände erklärt, dass ich den Bericht der FIFA-Finanzkommission nicht akzeptiere. Die Welt weiß, was ich meine."

Zen-Ruffinen hatte am 3. Mai in einem 33-seitigen Dossier Blatter Machtmissbrauch, Korruption und Misswirtschaft vorgeworfen. Darin behauptet er auch, dass der Verlust für die FIFA aus der ISM/ISMM-Pleite mit 291 Millionen Franken wesentlich höher sei. Blatter ist trotz der Konfrontation mit einer angewachsenen Opposition optimistisch, am Mittwoch auf dem 53. Ordentlichen Kongress in Seoul seinen Herausforder Issa Hayatou besiegen zu können. "Eine Präsidentenwahl ist wie das Endspiel einer Weltmeisterschaft. Doch ich bin zuversichtlich", meinte der Walliser.

Offen ließ er, ob Zen-Ruffinen bei einer Wiederwahl im Amt bleiben werde. "Erstmal soll dann bei der WM Fußball gespielt werden", sagte Blatter. Sorgen macht er sich auch um die Klage, die nach dem Zen- Ruffinen-Report elf Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees gegen ihn eingereicht haben, nicht: "Ich bin sicher, dass ich in den 27 Jahren Arbeit für die FIFA nichts getan habe, was für ein Gericht interessant sein könnte - kriminelle Handlungen schon gar nicht." Nicht weniger überzeugt von seinem Erfolg bei der Wahl zeigte sich der 58-jährige Hayatou bei seiner Ankunft in Seoul am Samstag. "Ich bin sehr zuversichtlich, die Wahl zu gewinnen", meinte der FIFA-Vize - Präsident aus Kamerun.

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