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Zentralamerika im Griff der "Maras"

Zentralamerika im Griff der "Maras" In Zentralamerika bereitet sich ein Gewaltphänomen aus, dem die Regierenden nicht Herr werden.

Zentralamerika im Griff der "Maras"

In Zentralamerika bereitet sich ein Gewaltphänomen aus, dem die Regierenden
nicht Herr werden. Gewalttätige Jugendbanden, "Maras" genannt, destabilisieren
die ohnehin fragile Sicherheitslage in den Staaten zunehmend. Die Banden,
deren Mitglieder zumeist von Kopf bis Fuß tätowiert sind, haben sich in den
vergangenen Jahren in fast allen Staaten Zentralamerikas zu großen politischen
Problemen entwickelt. Alleine in Guatemala wurden vergangenes Jahr mehr als 11.000
Menschen ermordet. Die Mehrzahl der Verbrechen wird Überfällen oder
Gewaltakten der Maras oder Auseinandersetzungen unter ihnen zugeschrieben.

Die Maras sind indirekt eine Folge der Bürgerkriege in Zentralamerika in den
achtziger Jahren. Aus den Reihen der perspektivlosen Bürgerkriegsflüchtlinge
entstanden sie in den Ghettos von Los Angeles. Rückkehrer und von den
US-Behörden Abgeschobene brachten das Mara-Phänomen in den neunziger Jahren zurück nach
Zentralamerika. Vor allem in Guatemala, El Salvador und Honduras erpressen
sie seither Schutzgelder und Wegzölle von Anwohnern und Ladenbesitzern, morden
sich untereinander oder lassen sich von der Drogenmafia als Killer anheuern.
Die größten Maras sind die "Salvatrucha" und die "18", die sich hart bekämpfen.

Wie effektiv das Mara-System sogar in Haftanstalten funktioniert, konnte
Mitte des Monats bei koordinierten Aufständen in mehreren
Hochsicherheitsgefängnissen in Guatemala verfolgt werden, in deren Verlauf 35 Jugendliche getötet
wurden. Rivalisierende Maras hatten sich verabredet, zu einem vorher festgelegten
Zeitpunkt das Feuer aufeinander zu eröffnen. In einer der insgesamt drei
Haftanstalten, in denen es zu tödlichen Ausschreitungen kam, detonierten
Handgranaten. In anderen schossen die Insassen mit Revolvern und Schnellfeuergewehren
aufeinander.

Guatemalas Innenminister Carlos Vielmann war über die
Koordinierungskapazitäten der Maras erstaunt. Die Banden kommunizierten ständig auch hinter Gittern
miteinander und stimmten ihre Aktionen ab, betonte der Minister "Sie machen es
über Besuche, Internetseiten oder mittels Mobiltelefonen, die sie in die
Haftanstalten geschmuggelt haben".

Die Regierungen sind überfordert und antworten zumeist mit Gegengewalt auf
die Gewalt der Maras. Salvadors Präsident Tony Saca verglich die Jugendbanden
mit einem Krebsgeschwür und schickte die Armee gegen sie auf die Straße mit dem
Auftrag, jeden verdächtigen Jugendlichen mit einer Tätowierung festzunehmen.
Als "unzureichend und wenig kreativ" kritisierte dies die
UN-Menschenrechtskommission. Weder die sozialen Ursachen wie Armut, zerrüttete Familien und
Perspektivlosigkeit würden die Regierungen in Zentralamerika zu ändern versuchen.

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