Zentralbanken kooperieren mit der Deutschen Bundesbank
Südosteuropa wartet dringend auf den Euro

Die Einführung der Euro-Banknoten lenkt den Blick gerade auch auf Südosteuropa. Denn in einigen Staaten dieser Region ist die D-Mark als eine der auslaufenden europäischen Währungen bislang entweder einziges Zahlungsmittel oder zumindest Ankerwährung. So werden dort beachtliche Mengen von DM-Banknoten gehalten.

BUDAPEST. Spezialisten der Bundesbank reisen derzeit durch Südosteuropa, um Bankmanager, Unternehmer und Regierungsbeamte mit der Einführung des Euro vertraut zu machen. Angesichts des zu erwartenden Umtausches hat beispielsweise die jugoslawische Zentralbank bereits Euro im Gegenwert von 540 Mill. DM bei der Bundesbank geordert, die ab 1. Dezember in Belgrad ankommen sollen. Bis Ende 2002 dürfen Banken im ganzen Land D-Mark in Banknoten, nicht aber in Münzen entgegennehmen.

Etwa 9 Mrd. DM, so Zentralbankchef Mladjan Dinkinc, warten allein in Serbien auf den Euro. Sein Institut, das formal noch für ganz Jugoslawien zuständig ist, de facto aber nur noch Serbien betreut, fühlt sich für die D-Mark-Bestände in Montenegro und Kosovo nicht mehr verantwortlich. Wer mehr als 20 000 DM umtauschen wolle, so teilte die Zentralbank jetzt mit, müsse sich persönlich ausweisen. Seit 1. Januar diesen Jahres ist der jugoslawische Dinar mit einer mittleren Parität von 30 : 1 an die D-Mark gebunden, wobei Kursschwankungen von fünf Prozent zulässig sind.

In der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro, die staatliche Unabhängigkeit anstrebt, soll der Euro ab 1. April kommenden Jahres alleiniges Zahlungsmittel sein und damit die seit November 2000 geltende D-Mark ablösen. Seit Mitte Oktober müssen Geschäfte und Dienstleister in Montenegro alle Preise auch in Euro ausweisen. Bei der Zentralbank in der Hauptstadt Podgorica geht man davon aus, dass Bestände von mindestens 200 Mill. DM in Euro getauscht werden müssen.

Auch in der Provinz Kosovo, die laut Verfassung noch zu Jugoslawien gehört, von den Vereinten Nationen (Uno) aber wie ein Protektorat verwaltet wird, ist die D-Mark alleiniges Zahlungsmittel. In Bosnien-Herzegowina ist die Landeswährung Konvertibilna Marka (KM) im Rahmen eines Currency-Board-Systems fest an die D-Mark gebunden.

Diese Bindung soll ab 1.1.2002 durch eine fixe Kopplung an den Euro abgelöst werden. Zentralbankchef Peter Nicholl geht davon aus, dass die Bundesbank in Frankfurt Euro im Gegenwert von etwa 4 Mrd. DM in sein Land liefere. Bis zum 15. Februar soll der Umtausch in den bosnischen Geschäftsbanken abgeschlossen sein, damit der Transfer nach Frankfurt zum 28. Februar beendet werden kann.

Auch die mazedonische Landeswährung Denar ist zur Zeit im Verhältnis 31 : 1 fest an die D-Mark gebunden. Der Gouverneur der Zentralbank in Skopje, Ljube Trpeski, geht davon aus, dass vor allem außerhalb der Banken bis zu 700 Mill. DM im Umlauf sind, die in Euro umgetauscht werden müssen.

In Rumänien hat die Nationalbank inzwischen ein Drittel ihrer Währungsreserven im Gesamtwert von 3,9 Mrd. $ (Mai 2001) in Euro angelegt. Die Regierung in Bukarest beschloss, ab Oktober dieses Jahres die Energiepreise monatlich an die Kursentwicklung der Landeswährung Lei zum Euro anzupassen. Rumänien gehört zu den 12 Kandidatenländern, die sich um eine Mitgliedschaft in der EU bewerben. Die neue Regierung Bulgariens, das ebenfalls Beitrittsverhandlungen führt, hat unlängst mitgeteilt, dass sie das Currency-Board-System bis zum angepeilten EU-Beitritt 2006 auf jeden Fall weiterführen will.

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