Zentralistischer Führungsstil macht Deutschen schwer zu schaffen
Neuer Aventis-Chef muss Spannungen aus dem Weg räumen

Die Leute dazu zu bringen, meine Träume zu teilen" - darin sieht der neue Aventis-Chef Igor Landau eines seiner Erfolgsrezepte.
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DÜSSELDORF. Ein Traum des ehrgeizigen Franzosen war, an der Spitze des sechstgrößten Pharmakonzerns der Welt (Umsatz: 17,7 Milliarden Euro) zu stehen. Am 14. Mai, wenn der aktuelle Aventis-Chef Jürgen Dormann von der Hauptversammlung in Straßburg auf den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt wird, geht er in Erfüllung.

Doch diesen Traum teilt der bisherige Pharmavorstand Landau nicht mit allen 75 000 Mitarbeitern des fusionierten Unternehmens. Aventis entstand im Dezember 1999 aus der deutschen Hoechst AG und der französischen Rhone SA. -Poulenc Vor allem viele deutsche und amerikanische Kollegen hätten gerne den US-Amerikaner Richard Markham, den starken Mann des operativen Pharmageschäftes, auf dem Chefsessel gesehen.

Eine der dringlichsten Aufgaben für Landau wird es denn auch sein, die nationalen Rivalitäten im Management in den Griff zu bekommen. Zwar positioniert sich Aventis in der Öffentlichkeit gerne als die "multinationale Company". Doch konzernintern dominieren nach wie vor Spannungen zwischen Deutschen und Franzosen sowie Franzosen und Amerikanern. Und der 57-jährige Landau gilt nicht gerade als Integrationsfigur.

Dabei bringt der Zigarrenraucher die interkulturelle Kompetenz für diesen Job eigentlich mit. Der Absolvent der französischen Eliteschulen HEC und Insead spricht sehr gut Deutsch. Er ist mit einer Heidelbergerin verheiratet und kennt die Gepflogenheiten im Nachbarland aus seiner Zeit, als er Ende der Sechzigerjahre die deutsche Niederlassung des Büromöbelherstellers Roneo in Frankfurt leitete. Auch die angelsächsische Welt ist dem ehemaligen McKinsey-Berater vertraut: Als Pharmavorstand von Rhone-Poulenc vollzog er die Übernahmen des US-Konzerns Rorer sowie des britischen Unternehmens Fisons - und gilt seitdem als intimer Kenner der Pharmabranche.

Zentralistischer Führungsstil

Sein Problem: "Er tritt auf wie Napoleon", mokiert sich ein Mitarbeiter in der Straßburger Konzernzentrale. Seine poltrigen Auftritte und explosiven Ausbrüche sind berüchtigt. Sein unerschütterliches Selbstbewusstsein ("Wenn ich ein Konzept mache, dann ist das richtig") nervt die Vorstandskollegen. "Die große Klappe von Aventis" nennt ihn das Pariser Wirtschaftsmagazin "L'Expansion". Für Deutsche und Amerikaner sind solche Attitüden schwer erträglich, für Franzosen dagegen normal.

Denn in Frankreich steht in der Regel der Patron an der Spitze des Unternehmens, der als "eine Art Universalgenie allein entscheidet", so der Pariser Personalberater Klaus Walter Herterich. Dieser autoritäre, zentralistische Führungsstil macht den teamorientierten und dezentral arbeitenden Deutschen schwer zu schaffen.

Auch Dormann scheint mit dem machtbewussten Auftreten seines Nachfolgers Probleme zu haben. Er betont immer wieder die Teamstruktur des neuen Aventis-Vorstandes und erklärt: "Einen heimlichen Chef gibt es da nicht, Machogehabe hat in dieser komplexen Industrie keinen Platz." Eine deutliche Mahnung an Landau.

Dormanns Wunschkandidat für seine Nachfolge war Markham, dem er aus Hoechst-Zeiten verbunden ist. Doch bei Aventis regiert der nationale Proporz. "In der vor uns liegenden Phase", glaubt der 62-Jährige, sei das Gleichgewicht zwischen Deutschen und Franzosen noch notwendig. Weil er an die Spitze des Aufsichtsrats tritt, erhält Landau den Vorstandsvorsitz. Darauf bestand der bisherige Aventis-Vize Jean-René Fourtou, der ebenfalls in den Aufsichtsrat wechselt. Nachdem Landaus designierter Vize Horst Waesche, langjähriger Hoechst- und Aventis-Vorstand, plötzlich verstarb, werden nun Chief Operating Officer Markham und Finanzvorstand Patrick Langlois die neuen Stellvertreter.

Keine ganz einfache Konstellation. Zwischen Landau und Markham stimmt die Chemie nicht. Der Amerikaner musste seine Ambitionen zurückstellen. Doch Beobachter gehen davon aus, dass der 51-Jährige es beim nächsten Personalrevirement in gut zwei Jahren - dann läuft der Vertrag von Landau aus - auf den Topposten schaffen könnte.

In der Zwischenzeit wird Dormann als aktiver Kontrolleur dafür sorgen, dass Landau nicht zu mächtig wird. Der Volkswirt tritt Spekulationen energisch entgegen, dass er sich nun in erster Linie um seinen Job als Verwaltungsratspräsident beim Schweizer ABB-Konzern kümmert: "Priorität ist und bleibt Aventis."

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