Zerrüttetes Vertrauensverhältnis
Wüstenfahrer: Jugendamt nimmt Kinder in Schutz

Die Kinder der als "Wüstenfahrer" bekannt gewordenen Familie aus dem südbadischen Ringsheim (Ortenaukreis) sind von ihren Eltern getrennt worden. Die sechs Kinder im Alter von sieben Monaten bis neun Jahren wurden vom Jugendamt an einen den Eltern unbekannten Ort gebracht, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Ortenau am Mittwoch in Offenburg.

HB/dpa OFFENBURG. Nur so könnten die Persönlichkeitsrechte der Kinder geschützt werden. Die Kinder seien zuletzt von Reportern einer Boulevardzeitung bedrängt worden. Dies müsse zukünftig verhindert werden.

Die Kinder werden den Angaben zufolge von Sozialarbeitern betreut. Die Behörde werde in den kommenden Wochen entscheiden, ob und wann die Kinder wieder bei ihren Eltern sein dürfen. Davor müsse jedoch wieder ein Vertrauensverhältnis zu den Eltern aufgebaut werden.

Die Trennung der Kinder von ihren Eltern sei notwendig geworden, nachdem die Medienberichterstattung über die Familie angedauert habe, hieß es. Das Jugendamt habe bereits seit dem Frühjahr das Sorgerecht für die Kinder. Kontakte der Kinder mit den Medien hätten daher zuvor mit der Behörde abgestimmt werden müssen. Dies hätten die Eltern jedoch mehrfach versäumt. Die Mutter war seit zwei Wochen in einer Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht. Der Vater kam ein Mal täglich zu Besuch.

Die streng religiöse Familie war Ende Oktober nach Israel aufgebrochen, um dort Asyl zu beantragen. Sie war Anfang des Monats von der jordanischen Polizei im jordanisch-israelischen Grenzgebiet aufgegriffen worden, danach wurde sie zurück nach Deutschland gebracht. Wenige Tage zuvor war durch deutsche und türkische Medienberichte bekannt geworden, dass sich die Familie in der Türkei aufgehalten hatte. Das Jugendamt war von den Eltern über die Reisepläne nicht informiert worden.

Gegen die 33-jährige Mutter und den 36-jährigen Vater ermittelt die Staatsanwaltschaft Freiburg wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht sowie der Misshandlung Schutzbefohlener. Die Eltern hatten bereits im Februar für Schlagzeilen gesorgt, als sie mit ihren Kindern mit einem Fiat Panda schon einmal zu einer Pilgerfahrt nach Jerusalem aufgebrochen waren. Dabei wollten sie die nordafrikanische Wüste durchqueren. Nach wochenlanger Irrfahrt wurden die Deutschen schließlich in Mali aufgegriffen. Die Kinder, die aus Geldmangel betteln gehen mussten, waren in einem verwahrlosten Zustand und unterernährt. Während der Reise hatte die Mutter ein Kind zur Welt gebracht.

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