Zerstreute Rezessionsängste
Die Wall Street wettet auf den nächsten Aufschwung

Das US-Wirtschaftswachstum ist robuster als erwartet und verlockt zu ersten Einstiegsempfehlungen. Konjunkturabhängige Aktien dürften nach Meinung von Experten profitieren. Einigkeit herrscht jedoch bezüglich der Skepsis gegenüber Technologie-Werten.

hus NEW YORK. Die Angst, dass die Aktienkurse als Folge einer Rezession ins Bodenlose fallen, scheint mit den neuesten Konjunkturdaten gebannt. Als Reaktion schossen sämtliche großen Aktienindizes zum Wochenschluss nach oben. Der Dow Jones Index der 30 wichtigsten Industriewerte befindet sich jetzt erstmals seit Anfang März auf Jahressicht wieder im Plus. Für Technologie-Aktienbesitzer ist allerdings noch längst nicht alles ausgestanden. Anstatt auf neue Höhenflüge zu spekulieren, sollten sie Kursverbesserungen zum Verkauf nutzen, raten Experten. Andere Industrien, wie etwa Konsumgüter, seien jetzt wesentlich chancenreicher.

US-Verbraucher retten die Börse

Wieder einmal scheinen die US-Verbraucher die Börse gerettet zu haben. Die Amerikaner haben trotz aller Rezessionsängste im ersten Quartal kräftig Geld ausgegeben, vor allem für Autos, Häuser und Möbel. Die US-Wirtschaft wuchs im ersten Quartal mit zwei Prozent doppelt so stark wie erwartet. Die Konsumausgaben wirkten mit einem Anstieg um 3,1 Prozent als Konjunkturmotor. Die größte Volkswirtschaft der Welt speist sich zu zwei Dritteln aus dem privaten Konsum. Die Industrie-Unternehmen waren dagegen in den ersten drei Monaten des Jahres vor allem damit beschäftigt, ihre Lager abzubauen, und sie verzichteten auf Investitionen in neue Technologien. Der High-Tech-Sektor als Zulieferer dürfte damit weiterhin unter einer Absatzflaute leiden. Die Zentralbank hatte die überraschende Zinssenkung in der Vorwoche mit der Nachfrageschwäche bei Investitionsgütern begründet.

Technologiesektor stößt auf Skepsis

Technologie-Analyst Steve Milunovich von der Investmentbank Merrill Lynch ist überzeugt, dass die Erholung der vergangenen Wochen im Technologie-Sektor übertrieben war. Er verweist darauf, dass die im Merrill-Lynch-Index für Technologie-Aktien vertretenen Werte in Bezug auf die Gewinne des vergangenen Jahres noch immer ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 166 hätten. Die im S&P-500-Index vertretenen Aktien, die sämtliche Industrien repräsentieren, hätten dagegen ein KGV im Schnitt von 27.

Die meisten High-Tech-Analysten hätten ihre Erwartungen noch immer zu hoch geschraubt, kritisiert Milunovich seine Kollegen. Sie gingen davon aus, dass die überwiegende Mehrheit der beobachteten High-Tech-Werte es in den nächsten drei Jahren auf Wachstumsraten von durchschnittlich 20 Prozent oder höher bringen würden. Ein solches Wachstum habe in den letzten 20 Jahren jedoch nur jedes dritte High-Tech-Unternehmen geschafft.

Auch die Anleger scheinen dem Tech-Sektor noch nicht zu trauen. Trotz der Freitagsrally verlor der Nasdaq-Sammelindex über die Woche 4 %. Er liegt mit einem Stand von 2075 Punkten 16 % unter dem Niveau zu Jahresanfang und 59 % unter dem Höchststand im März 2000. Der Dow Jones Index legte dagegen seit Wochenanfang 2,2 % zu und schloss bei 10810 Punkten, 0,2 % höher als am 1. Januar. Der Standard&Poors-500-Index verbesserte sich im Wochenvergleich um 0,8 % auf 1253 Punkte.

Konjunkturwerte profitieren

Vor allem konjunktur- und zinsabhängige Branchen profitierten von den Wachstumszahlen, darunter der Einzelhändler Wal-Mart, die Bekleidungskette Gap, Fluggesellschaften oder Finanzwerte wie der Discount-Broker Charles Schwab.

Doch die Zitterpartie um den Zustand der US-Ökonomie ist noch nicht vorüber. Denn die Notenbank könnte nun mit weiteren Zinssenkungen zögern. Am Mittwoch geben die Auftragszahlen der Industrie neue Hinweise, am Freitag folgen die Arbeitsmarktdaten. Zu erwarten sind zudem einige Quartalsergebnisse, wie die des Waschmittel- und Kosmetikkonzerns Procter & Gamble, des Kopierer-Herstellers Xerox und des Online-Discounters Priceline.com.

Erste Einstiegsempfehlungen

Sollen Investoren weiter warten? Der als Optimist geltende Marktstratege Ed Kerschner von UBS Warburg glaubt, dass jetzt schon der Zeitpunkt zum Einstieg gekommen sei. "Die Versuchung ist groß, zu warten, bis sich ein klarerer Aufschwung in der Wirtschaft und bei den Gewinnzahlen abzeichnet, doch das wäre ein Fehler", meint er. Bald zeigten die Zinssenkungen Wirkung, dazu komme die geplante Steuersenkung und die Aussicht, dass Lagerbestände bald abgebaut seien. Branchen wie Flugzeugbau, der Gesundheit, Energie oder Konsumgüterhersteller seien sehr gesund. Vom Technologie-Sektor rät allerdings auch Kerschner ab.

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