Zertifikat unter der Lupe
Wette auf Öl ist nur kurzfristig interessant

Warum immer nur auf Aktien setzen? Mit Zertifikaten ist es möglich, auch auf den Ölpreis zu spekulieren. UBS Warburg bietet etwa ein Papier, mit dem sich Anleger an der Kursentwicklung von 13 Öl-Gesellschaften beteiligen können. Wer hier investiert, muss jedoch genau die Entwicklung im Irak beobachten.

FRANKFURT/M. Für den durchschnittlich betuchten Privatanleger in Deutschland gab es bisher nur wenige Möglichkeiten, auf den Ölpreis zu wetten. Doch die Zeiten haben sich geändert: Mittlerweile gibt es einige Öl-Zertifikate auf dem Markt - darunter auch sehr spekulative Varianten. Für den vergleichsweise konservativen Anleger ist das Zertifikat von UBS Warburg attraktiv, mit dem man auf den amerikanischen Amex Oil Index setzen kann: Das Zertifikat steigt, wenn der Index zulegt.

Für den Anleger ist das Papier insofern interessant, als der Index alle wichtigen internationalen Ölaktien - insgesamt 13 Titel - enthält, nicht nur US-Titel. Darunter befinden sich unter anderem Chevron-Texaco, Exxon Mobil, Total Fina und BP. Dazu kommt: Der Spread (Differenz zwischen An- und Verkaufskurs) von 1,54 Prozent ist vergleichsweise niedrig, und Managementgebühren entfallen.

Das Produkt wird als "Endlos-Zertifikat" vermarktet. Wie bei den meisten Papieren dieser Art gilt hier aber auch: UBS Warburg hat das Recht, das Zertifikat nach einer gewissen Zeit zu kündigen, und zwar frühestens ab 26. Juni 2005. Am 26. Juni 2007 wäre dann die erstmögliche Fälligkeit.

Sinnvoll ist diese Anlage aber nur für Investoren, die einen steigenden Ölpreis erwartet, weil der die Aktien der Gesellschaften beflügeln dürfte. Zurzeit wird der Ölpreis überwiegend durch die Politik determiniert, sagen Experten. Sie meinen: Ein Krieg im Irak dürfte den Ölpreis in die Höhe schnellen lassen. So rechnet Christoph Hausen, Volkswirt bei der Commerzbank, für diesen Fall mit einem Anstieg des Brentöls "in Richtung 40 Dollar", der einen Monat anhalten könnte. Aymeric de Villaret, Ölanalyst bei der Société Générale ergänzt, er rechne bei Ölfirmen im vierten Quartal mit einem deutlichen Ergebnisanstieg. Grund dafür sollte der "hohe Ölpreis infolge der Irakkrise" sein.

Auch Carmen Weber, Fondsmanagerin bei Metzler Investment, ist der Ansicht, im Falle eines Krieges könnte der Preis steigen; in der Spitze seien 35/36 Dollar je Barrel möglich. Dabei betont Weber aber, es sei noch keine Eskalation des Irakkonflikts abzusehen: Vor den in den USA im November anstehenden Kongresswahlen werde zwar "getrommelt", aber ein Angriff der USA stehe nicht unmittelbar bevor. Das habe US-Präsident George Bush in seinen jüngsten Reden angedeutet. Aus Angst vor Stimmenverlusten schlage er neuerdings mildere Töne an. Nach den Wahlen könnte das Thema womöglich gemäßigter angegangen werden - es sei denn, es werde eine "große Provokation" seitens des Iraks geben. Noch sei ja nicht geklärt, was ohne Saddam Hussein passieren werde, und die Berater von Bush wollten diese Frage erst gelöst sehen.

Aufgrund dieser Zweifel an einem baldigen Krieg dürfte der im Ölpreis enthaltene Risikoaufschlag von rund sechs Dollar sogar abbröckeln. Weber hält daher ein Absinken des Ölpreises auf 25 bis 26 Dollar je Barrel in der nächsten Zeit für möglich.

Wer auf den Ölpreis wetten will, sollte sich ohnehin klar darüber sein, dass mittel- und längerfristig einiges für eine Abschwächung spricht. Experten erwarten, dass ein Krieg im Irak relativ schnell beendet sein dürfte. Dann werde der Ölpreis wieder sinken, da die Risikoprämie entfalle. Hausen rechnet daher mit einem Preis von 25 Dollar Ende des nächsten Jahres. Seiner Meinung nach könnte der Preis im Jahr 2004 auf 22 Dollar sinken. An diesem Szenario ändern auch die vergleichsweise optimistischen Konjunkturprognosen des Volkswirts nichts. Er rechnet nämlich im nächsten Jahr mit deutlichen Zuwächsen beim Bruttoinlandsprodukt in den USA, in Europa sowie in Japan. Eigentlich würde dies den Ölpreis nach oben ziehen: Kommt die Konjunktur, wird mehr Öl für die Produktionsprozesse gebraucht. Doch der nachlassende politische Risikoaufschlag werde diesen Effekt zunichte machen, sagt Hausen. Weber rechnet sowieso noch nicht mit einer baldigen Konjunkturerholung in Europa.

Fazit: Die Spekulation auf einen steigenden Ölpreis ist nur auf kurze Sicht sinnvoll.

Quelle: Handelsblatt

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