Zertifikate
Letzte Chance auf steuerfreie Gewinne

Mit einem interessanten Lock-Angebot wirbt Merrill Lynch derzeit um Anleger, die eine steuerfreie Festgeldalternative suchen. Dabei sollten Investoren aber auch die Risiken im Auge behalten. Die tägliche Investmentidee auf Handelsblatt.com.

Ende Juni 2008 läuft eine wichtige Frist ab. Nur wer bis dahin ein Zertifikat kauft, es mindestens ein Jahr lang hält und noch vor dem 1. Juli 2009 verkauft, muss auf Gewinne keine Steuern zahlen. Denn 2009 tritt die Abgeltungsteuer in Kraft. Die schmälert - vereinfacht gesagt - alle Gewinne aus Geldanlagen um 25 Prozent.

Wer beispielsweise 20 000 Euro zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent als Festgeld anlegt, erzielt nach einem Jahr 900 Euro. Übrig bleiben bei einem Steuersatz von ca. 30 Prozent (inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer) nur 630 Euro. Was einer Rendite von 3,15 Prozent entspricht. Und bei einem Steuersatz von 40 Prozent kassiert das Finanzamt 460 Euro.

Die restlichen 540 Euro entsprechen einer Rendite von 2,7 Prozent. Die liegt sogar unter der aktuellen Inflationsrate von rund drei Prozent. Doch es gibt Alternativen. Eine Möglichkeit sind Discountzertifikate auf den Dax - mit Laufzeitende Juni 2009. Mehr als fünf Prozent steuerfrei sind möglich, wenn der deutsche Leitindex dann über 2 000 Punkten notiert. Das Börsenbarometer kann gegenüber dem heutigen Kurs um mehr als 70 Prozent fallen, ohne dass der Gewinn gefährdet ist.

Von Merrill Lynch gibt es derzeit ein entsprechendes Angebot (WKN: ML0APD). Die US-Bank sucht aufgrund der Finanzkrise Möglichkeiten zur Refinanzierung. Deswegen liegt die Rendite nicht bei knapp unter fünf Prozent wie üblich (z.B. UB93TL von der UBS), sondern bei 5,3 Prozent.

Eine weitere Möglichkeit für eine ähnlich hohe - ebenfalls steuerfreie Rendite - ist das "Optizins-Produkt" von Merrill Lynch (ML0APG). Anleger erhalten bei gleicher Laufzeit einen Bonus von 5,5 Prozent. Das Risiko ist aber deutlich höher. Der Dax braucht während der Laufzeit nur an einem Tag auf oder unter die Schwelle von 2 000 Punkte zu rutschen, und schon fällt der Ertrag aus.

Schlimmer noch: Anleger sind dann an Verlusten vollständig beteiligt. Wenn der Dax bis zum Laufzeitende 50 Prozent verliert, gibt es nur die Hälfte des Kapitals zurück. Anleger sollten sich über einen Punkt im Klaren sein. Mit solchen Produkten schlummern im Gegensatz zu Festgeldern zwei Risiken im Depot: Zum einen das Aktienmarktrisiko - auch wenn es in diesem Fall eher gering ist. Und das Emittentenrisiko, da Zertifikate den Rang einer Anleihe haben.

Wie bei Anleihen üblich, erhalten Anleger bei Zertifikaten von Merrill Lynch eine etwas höhere Rendite, da die Bank mit A+ bei Standard&Poor?s ein minimal schlechteres Rating als Mitbewerber hat.

Jürgen Röder
Jürgen Röder
Handelsblatt / Redakteur Finanzzeitung
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%