Zertifikate
Währungsgeschäfte mit Airbag

Anhaltende Turbulenzen an den Börsen rücken Währungszertifikate in den Anlegerfokus.

Kapitalgarantierte Währungszertifikate haben derzeit Konjunktur. Ein möglicher Grund: Die Emittenten erwarten, dass Anleger in der aktuell unsicheren Lage an den Finanzmärkten vor allem zwei Produktcharakteristika nachfragen: Eine möglichst große Unabhängigkeit von den volatilen Aktienbörsen und gleichzeitig einen hohen Schutz des eingesetzten Kapitals.

So brachte ABN Amro vergangenen Monat ein vollständig kapitalgarantiertes Twin-Win-Papier auf den Markt, mitdemInvestoren von einer langfristigen Änderung des Dollar/Euro-Wechselkurses profitieren können (WKN: AA0XKT): Je stärker sich dieser bis Ende 2012 vom aktuellen Kurs entfernt, desto höher fällt die Rendite aus - unabhängig davon, in welche Richtung sich der Wechselkurs entwickelt.

Kurz nach den Niederländern platzierte auch die Hypo-Vereinsbank ein kapitalgeschütztes Euro/Dollar-Produkt auf dem deutschen Zertifikatemarkt (HV555V). Bei dieser Variante verdienen Anleger zwar nur, falls der Wert des US-Dollars bis Ende 2011 gestiegen sein sollte - dafür aber mit einem Hebel von 150 Prozent.

Die Idee eines kapitalgeschützten Währungszertifikats mit gehebelter Partizipation (Faktor 1,4) greift nun auch die UBS mit einer interessanten Neuemission auf (UB9LLB). Den Basiswert des fünfjährigen Produkts bildet hier allerdings nicht der Euro/Dollar- Kurs, sondern der "V24 Carry Index". Es handelt sich hierbei um einen speziellen Strategieindex, auf den bereits Anfang des Jahres ein herkömmliches Indexzertifikat emittiert wurde, das bisher immerhin zwei Prozent zulegen konnte (UB0V24). Der Basiswert-Index wird aus zwei Dutzend Währungen zusammengesetzt.

Ziel ist es durch sogenannte "Carry Trades" Ineffizienzen auf den Devisenmärkten in Kursgewinne umzumünzen: Hierzu wird Geld in einer Niedrigzinswährung aufgenommen und in einer Hochzinswährung angelegt. Geht die Strategie auf, profitieren Investoren dann doppelt: Fällt der Wert der Kreditwährung und steigt der Wert der gekauften Währung, wird nicht nur der Wechselkursgewinn eingestrichen.

Ist die Zinsdifferenz ausreichend groß, bleibt außerdem ein zusätzlicher Zinsgewinn. Eine weitere Renditequelle: Da die gekauften Währungen mit den verkauften finanziert werden, kann das Anlegerkapital während des Investitionszeitraums einen Zusatzgewinn am Geldmarkt erwirtschaften.

Dass die Schweizer Bank es versteht, diese Strategie erfolgreich in Form von Zertifikaten zu verbriefen, hat sie bereits mit einem Papier auf den ähnlich konstruierten UBS G10 Carry Index demonstriert (UB0G10): Seit der Emission Anfang 2007 legte das Indexzertifikat rund acht Prozent zu. Im gleichen Zeitraum büßten der S&P 500 rund fünf Prozent, der Euro Stoxx 50 etwa zehn und der japanische Nikkei 225 sogar fast 20 Prozent ein.

Georgios Kokologiannis ist Redakteur im Finanzteam des Handelsblatts, mit Sitz in Frankfurt am Main. Er studierte Betriebswirtschaftslehre in Düsseldorf mit Schwerpunkt auf Controlling und Marketingmanagement. Bereits während seiner Studienzeit wirkte der Diplom-Kaufmann erstmals an der Entwicklung des Handelsblatt-Onlineangebots mit. Seinen journalistischen Feinschliff erhielt der Kapitalmarktexperte an der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Mit Geldanlage-Themen beschäftigt sich der Derivatespezialist für das Handelsblatt seit mehr als 17 Jahren. Dabei wurde er mit dem DDV-Preis für Wirtschaftsjournalisten ausgezeichnet und hat zuletzt vier Jahre lang das Musterportfolio der Redaktion verantwortet.
Georgios Kokologiannis
Handelsblatt / Finanzredakteur
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