Zertifikatefonds
Die Steueruhr tickt

Zertifikatefonds eilt ein schlechter Ruf voraus: Zu teuer, zu intransparent. Doch das dürfte sich nun ändern. Denn die Fondsbranche hat einen mächtigen Verbündeten: den Gesetzgeber. Der gewährt Zertifikatefonds-Besitzern einen temporären Steuervorteil.

DÜSSELDORF. Auf dem alljährlichen Branchentreff der deutschen Zertifikatebranche in Frankfurt tauchten Mitte September einige neue Gesichter auf. Die auffällig unauffällig herumstehenden Personen erkennen genaue Beobachter schon anhand ihres Alters, sie sind um die 40 Jahre alt – und damit deutlich älter als der Schnitt der Zertifikatebranche, in der manche Protagonisten keine 30 Jahre alt sind.

Und tatsächlich, mittags gibt sich einer der unbekannten Gäste zwischen Rinderbraten und roter Grütze ganz ungeniert als Spion zu erkennen und erklärt: Ja, er arbeite bei einer Fondsgesellschaft und sei hier, weil er lernen wolle, was das Erfolgsgeheimnis der Zertifikatebranche sei. Im wahrscheinlich größten Schlussverkauf aller Zeiten, wenn deutsche Anleger ihr Geld vor der ab 2009 geltenden Abgeltungsteuer auf Kursgewinne in Sicherheit bringen wollen, sehe er ein gigantisches Potenzial für Zertifikatefonds.

Die Szenerie zeigt: Die Marketingstrategen der Fondsbranche rüsten sich derzeit nicht nur gegen ihren liebsten Feind, die Zertifikateindustrie. Sie haben obendrein auch noch den Gesetzgeber auf ihrer Seite, denn der gewährt Zertifikatefonds-Besitzern einen temporären Steuervorteil. Wer bis Ende 2008 Fonds kauft, muss für seine Anteile keine Abgeltungsteuer auf die zukünftigen Kursgewinne zahlen.

Zertifikatekäufer müssen nach März 2007 erworbene Papiere bis zum Juni 2009 verkaufen, sonst droht die pauschale Steuerbelastung von 25 Prozent auf den Kapitalgewinn. „Die Fondsvertriebe bereiten sich auf den Steuer-Schlussverkauf vor, auch bei Zertifikatefonds“, sagt Heiko Weyand vom Fonds- und Zertifikateanbieter HSBC Trinkaus. Noch arbeitet die Branche im Stillen. Denn die Steuerpolitiker wollen im November erneut über die Abgeltungsteuer debattieren, und die Branche fürchtet, der Gesetzgeber könne doch noch den Bestandsschutz für Anlagen bis Ende 2008 einschränken.

Für Zertifikateliebhaber ist es trotzdem schon heute aus steuerlichen Gründen sinnvoll, über Zertifikatefonds nachzudenken, bevor ab dem Jahr 2009 Zertifikatefonds und Zertifikate wieder steuerlich gleich behandelt werden. „Wer Zertifikate mag, hat nun ein zusätzliches Argument, um Zertifikatefonds zu erwerben“, sagt Henrik Büscher, Leiter strukturierte Produkte bei AGI. Die Allianz-Tochter kontrolliert mit aktuell 4,5 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen in ihren vier Zertifikatefonds knapp 60 Prozent des schnell wachsenden Marktes für Zertifikatefonds.

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