Zertifizierung erst im Januar
Massive Werbeoffensive verunsichert Verbraucher

Erst ab dem kommenden Jahr kommen Verbraucher in den Genuss staatlicher Förderung bei der privaten Altersvorsorge - doch bereits jetzt buhlen Versicherer und Banken mit massiven Werbekampagnen um die Gunst der Kunden.

28. 5. 2001 afp BERLIN. Da werden Produkte zur privaten Altersvorsorge bereits als "Riester-Rente" oder "Förderrente" angepriesen, was vor allem bei Verbraucherexperten auf Kritik stößt. Denn die staatliche Förderung ist an bestimmte Kriterien geknüpft - und die Zertifizierung dafür wird es erst im Januar geben. Thomas Bieler von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz mahnt daher Verbraucher zur Vorsicht: "Bei der privaten Altersvorsorge jetzt nichts übers Knie brechen." Auch die Bundesregierung rät eindringlich von übereilten Abschlüssen ab.

Seit der Bundesrat am 11. Mai den Weg für die private Altersvorsorge frei gemacht hat, flattern den Verbrauchern zuhauf Werbeangebote und Anzeigen der Versicherer ins Haus. Allianz und Dresdner Bank warben mit ganzseitigen Zeitungsanzeigen für ihre Konzepte zur privaten Altersvorsorge. Die LVM-Versicherung preist ihre Produkte sogar unter der Internet-Adresse www.riester-rente.de an. Solche Werbeangebote sind vor allem den Verbraucherschutzzentralen ein Dorn im Auge. Die VSZ in Düsseldorf hat Bieler zufolge deshalb bereits einigen Versicherern eine Abmahnung ins Haus geschickt mit der Aufforderung, diese Art Werbung zu unterlassen: "Es ist Unsinn, wenn die Versicherer jetzt schon ein förderfähiges Produkt garantieren."

"Niemand braucht unter Zeitdruck abschließen"

Auch Bundesarbeitsminister Walter Riester (SPD) und Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) verweisen auf die noch ausstehende Zertifizierung der Finanzprodukte. Diese sollte unbedingt abgewartet werden. "Niemand braucht in diesen Tagen unter Zeitdruck abzuschließen", betont Riester.

Tatsächlich kann ein Schnellschuss problematisch sein: Wer jetzt einen Vertrag abschließe, auf den kämen bei der Umstellung des Altvertrages auf die neuen Kriterien möglicherweise erhebliche Kosten zu, sagt Axel Kleinlein von der Stiftung Warentest. Zudem würden derzeit bei Vertragsabschluss üblicherweise maximal vier Prozent der Prämiensumme - bei einer privaten Rentenprämie von 72. 000 Mark nach einer Laufzeit von 30 Jahren immerhin 3000 Mark - sofort in Rechnung gestellt. Nach der Riester-Regelung soll die Abschlussgebühr hingegen auf zehn Jahre verteilt werden, was viel "verbraucherfreundlicher" sei.

Die Versicherungsbranche weist die Kritik an ihrer Werbeoffensive zurück. Schließlich seien die Kriterien für die förderungsfähigen Verträge längst bekannt, sagt Katrin Rüter de Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft. Wenn einem Kunden ein garantiert förderfähiger Vertrag angeboten werde, könne er sich darauf berufen. Der Anbieter müsse notfalls durch Nachbesserungen oder eine Umstellung sicherstellen, dass der Vertrag in allen Punkten förderfähig ist, versichert Rüter. Kosten können dem Verbraucher jedoch entstehen, wenn die bisher eingezahlten Beiträge zu niedrig seien, um die volle Förderfähigkeit zu erhalten. Für den Differenzbetrag werden dann neue Abschlusskosten fällig.

Letztlich bleibt dem Verbraucher die Qual der Wahl zwischen Rentenversicherungen, Fonds- oder Banksparplänen. Für die private Vorsorge können Arbeitnehmer von 2002 an zunächst ein Prozent ihres Bruttoeinkommens aufwenden; bis 2008 steigt dies stufenweise auf vier Prozent. Die Mehrbelastung wird durch direkte Zuschüsse oder Steuerentlastungen gemildert. Grundsätzlich sollten Verbraucher die Angebote der Versicherer und Banken genau vergleichen und auch den individuellen Bedarf abklären. Denn mit dem "staatlichen Prüfstempel" werden lediglich die formalen Voraussetzungen bestätigt, meint Bieler. Dies sage aber noch nichts über die Wirtschaftlichkeit und die tätsächliche Eignung des Produkts für den Einzelnen aus. Deshalb müsse genau geprüft werden, sagt auch Kleinlein. "Schließlich ist die Altersvorsorge neben dem Eigenheim und dem Auto das Teuerste, was man sich im Leben leistet."

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