Zerwürfnis in der Führungsspitze
EnBW verliert bei Salamander Geduld

Die Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) erwägt, den Konzern auf das Kerngeschäft Energie auszurichten. Auf der Hauptversammlung kündigte Vorstandschef Gerhard Goll überraschend an, die Mehrheitsbeteiligungen Salamander AG und Tesion zu überprüfen. "Die strategischen Ziele sind nicht erreicht worden", kritisierte Goll. Er machte das Management der Töchter für den Misserfolg verantwortlich: Diesem habe es an partnerschaftlichen Willen gefehlt. Goll schließt jetzt einen Ausstieg aus der Salamander AG nicht mehr aus. Vor drei Jahren hatte er 95 % der Anteile erworben. Ein Grund für die Übernahme der Lurchi-Firma: Goll tat seinem Freund und ehemaligen Salamander-Chef Franz-Josef Dazert einen Gefallen.

brb KARLSRUHE. Inzwischen jedoch macht sich die in den roten Zahlen steckende Schuhsparte nicht nur in der Bilanz bemerkbar; sie gefährdet auch die Börsenpläne der EnBW. Der drittgrößte deutsche Stromerzeuger wollte 25 % seiner Aktien im Mai an die Börse bringen, hat das Projekt jedoch auf unbestimmte Zeit verschoben. Ursprünglich hatte Salamander-Chef Wolfgang Müller der Konzernführung fest zugesagt, die Schuhsparte bis Ende 2001 zu verkaufen. Doch bis jetzt kann Müller weder für die profitablen 250 Schuhfilialen noch für den Verlustbringer, die Produktion, einen Interessenten vorweisen, heißt es. Schuhe tragen zum Salamander-Umsatz von knapp 1,3 Mrd. Euro nur noch ein Drittel bei. Hauptumsatzträger sind Dienstleistungsfirmen: Der Parkhausbetreiber Apcoa und der Gebäudereiniger Gegenbauer Bosse.

Auf der Hauptversammlung zeigte sich, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Goll und Müller inzwischen ist. Als die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) forderte, bei Salamander entweder das Management auszutauschen oder sich ganz von der Tochter zu trennen, konterte Goll: "Oder wir müssen uns vom Management und von Salamander trennen". Kaum besser sieht es beim zweiten Sorgenkind, dem Telefonunternehmen Tesion aus. EnBW hat fast alle Hoffnung aufgegeben, kurzfristig einen Käufer zu finden. Tesion-Chef Stefan Niedermaier hat das Unternehmen verlassen, weil sein Sanierungskonzept scheiterte. Tesion hat für 2001 einen Verlust von 76,7 Mill. Euro ausgewiesen.

Inzwischen ist die Firma auf Geschäftskunden in Baden-Württemberg konzentriert. Als Solitär werde Tesion langfristig nicht überleben können, stellte Goll am Dienstag klar. Nach der Sanierung soll Tesion in andere Hände gehen. Der EnBW-Chef kündigte weiteren Arbeitsplatzabbau an. Niedermaier hat die Belegschaft schon von 450 auf 350 Personen reduziert. Auch der dritte große Verlustbringer, der Billigstromanbieter Yello, wird 2002 nicht in die schwarzen Zahlen kommen. Der Verlust betrug 2001 rund 250 Mill. Euro. Schwarze Zahlen sind nun für 2003 angepeilt. Der EnBW-Konzern, an dem der französische Staatskonzern Electricité de France (EdF) 34,5 % hält, hat 2002 bei 7,9 Mrd. Euro Umsatz einen Gewinn von 306 Mill. Euro erwirtschaftet.

Quelle: Handelsblatt

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