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Zeuge: Motassadeq gehörte zum engen Attentäter-Kreis

Der erneut vor dem Hamburger Oberlandesgericht wegen der Anschläge vom 11. September 2001 als Terrorhelfer angeklagte Mounir El Motassadeq gehörte nach einer Zeugenaussage zum engen Kreis um den Todespiloten Mohammed Atta.

dpa HAMBURG. Der erneut vor dem Hamburger Oberlandesgericht wegen der Anschläge vom 11. September 2001 als Terrorhelfer angeklagte Mounir El Motassadeq gehörte nach einer Zeugenaussage zum engen Kreis um den Todespiloten Mohammed Atta.

Der "Heilige Krieg" sei in der Gruppe immer mehr in den Mittelpunkt gerückt, Selbstmordattentate hätten alle Mitglieder - auch Motassadeq - für legitim gehalten, sagte ein 23-jähriger zum Islam konvertierter Deutscher am Dienstag aus. "Alle hatten eine klar islamistische Sichtweise." Allerdings habe Motassadeq keine Führungsrolle in der Gruppe eingenommen, sagte der Zeuge, der die Gruppe um Atta 1997 kennen gelernt hatte.

Motassadeq wird im Zusammenhang mit den Anschlägen in New York und Washington vom 11. September 2001 Beihilfe zum Mord in mehr als 3000 Fällen und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Er soll als Vertrauter Attas in die Planung der Anschläge eingebunden gewesen sein. Im Februar 2003 war deshalb zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Wegen fehlender Aussagen des mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen Ramzi Binalshibh hob der Bundesgerichtshof das Urteil jedoch auf und ordnete eine neuen Prozess an.

"Israel und die USA waren die Feindbilder der Gruppe", sagte der Zeuge, der auch im ersten Prozess ausgesagt hatte. Die mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen Atta, Binalshibh, Marwan Alschehhi, Said Bahaji sowie Motassadeq seien der Meinung gewesen, dass die Juden die Finanz- und Medienwelt in den USA beherrschten. Dagegen könne etwas unternommen werden, habe Atta mehrfach betont, sagte der 23-Jährige.

Motassadeq hatte nach Einschätzung des Zeugen Attas radikal islamistische Haltung geteilt. Anfangs sei er nicht so fanatisch gewesen. "Doch er hat sich mit den Jahren verändert, ist immer strenger geworden." An genaue Äußerungen Motassadeqs zu den USA oder zu Selbstmordattentaten könne er sich jedoch nicht mehr erinnern.

Der Zeuge war nach eigenen Angaben als Schüler zum Islam übergetreten und hatte Atta 1997 in einer Hamburger Moschee kennen gelernt. Dieser habe ihm Islamunterricht erteilt und ihn zu Treffen unter anderem in Motassadeqs Studentenwohnheim mitgenommen. Dort habe die Gruppe vor allem über Politik gesprochen und antijüdische und antiamerikanische Propagandavideos angeschaut. Ende 1999 hatte der 23-Jährige nach eigenen Worten gemerkt, dass etwas geplant war. Die Gruppe habe sich mehr und mehr abgekapselt. "Aber ich wusste, das hat mich nicht zu interessieren und habe nicht nachgefragt."

In der Hierarchie der Gruppe war Atta nach Angaben des Zeugen an der Spitze. Der "charmante Abenteurer" Ramzi Binalshibh sei die Nummer Zwei gewesen, gefolgt von Alshehhi und Motassadeq.

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