Zeugenaussagen entpuppen sich als falsch
Angst vor Heckenschützen bleibt

Bei der Jagd nach dem unheimlichen Heckenschützen hat die Polizei empfindliche Rückschläge erlitten. Nachdem sich bereits Hoffnungen auf ein Phantombild wegen widersprüchlicher Zeugenaussagen zerschlagen hatten, entpuppten sich am Donnerstag auch Angaben über einen cremefarbenen Kleinbus als Täter-Fahrzeug als falsch. "Diese Aussagen waren nicht glaubwürdig", sagte ein sichtlich enttäuschter Ermittlungsbeamter vor Journalisten.

HB WASHINGTON. In Schweigen hüllte sich die Polizei zu einer CNN-Meldung, der zufolge auch El-Kaida-Gefangene auf dem Stützpunkt Guantanamo Bay (Kuba) nach dem Heckenschützen befragt werden sollen. Nach den Angaben des US-Senders, der sich auf Regierungsbeamte beruft, sind die Verhöre "Teil einer weit angelegten Untersuchung". Es gebe keinen konkreten Verdacht, dass es sich bei der Mordserie im Raum Washington um einen Akt des Terrorismus handele.

Über 1000 Beamte setzten unterdessen die Jagd nach dem Unbekannten fort, der seit über zwei Wochen die Menschen in der Umgebung der US- Hauptstadt terrorisiert. Drei Tage nach dem neunten Mord lebten die Menschen der Region in ständiger Sorge, dass der Täter in Kürze wieder zuschlagen könnte.

Nach dem jüngsten tödlichen Anschlag auf eine 47 Jahre alte Mitarbeiterin der Bundeskriminalpolizei FBI hatten sich erstmals mehrere Augenzeugen mit einer Täterbeschreibung gemeldet und damit die Hoffnung auf einen Durchbruch geweckt. Doch ihre Angaben wichen zu stark voneinander ab, um ein klares Bild zeichnen zu können.

"Das einzige, was bisher fest steht: Er ist männlich", sagte eine Polizeisprecherin über den mysteriösen Heckenschützen, der morgens, mittags und abends meist in der Nähe belebter Verkehrsknotenpunkte mit tödlicher Präzision seine Opfer traf. Sie gab potenziellen Zeugen Ratschläge, wie sie auf neue Schüsse reagieren sollten: "Geh in Deckung. Schaue in die Richtung des Schussgeräusches, nicht des Opfers. Merke dir Autos in der Nähe. Schreibe die Beobachtungen sofort auf."

Der Gouverneur des Staates Maryland, Parris Glendenig, verschob die Jagdsaison auf Rotwild in den vier Bezirken, in denen der "Sniper" gelauert hat. "Wir wollen nicht, dass unsere Beamten falschen Schuss-Alarmen nachjagen", sagte ein Beamter.

Rund 70 000 telefonische Hinweise, die allein in den ersten 24 Stunden nach dem Mord an der Frau eingegangen waren, brachten bisher keinen Durchbruch. Am Tatort des neunten Mordes, dem Parkplatz eines Einkaufszentrums, wurden zur Enttäuschung der Polizei keine Munitionsspuren gefunden. Die Überwachungskameras haben zunächst ebenfalls nichts ergeben.

Die Polizei hofft nun, dass ihr militärische Unterstützung weiterhilft. Das Pentagon hat mehrere Aufklärungsflugzeuge zur Verfügung gestellt. Sie könnten dazu beitragen, dass der Täter nach einem befürchteten weiteren Anschlag auf der Flucht gestellt wird. Die Maschinen sind mit besserer Technologie als Polizeihubschrauber ausgestattet. Weil eine direkte Beteiligung des Militärs bei der Strafverfolgung in den USA seit 1878 gesetzlich verboten ist, sollen die Maschinen zwar von Militärpiloten geflogen werden; die Ermittlungsarbeit an Bord wird aber von FBI-Beamten erledigt.

Der unheimliche Schütze hat bisher neun Menschen erschossen und zwei schwer verletzt. US-Präsident George W. Bush hatte trotz der Mordserie zunächst eine Verschärfung der Waffengesetze abgelehnt und Forderungen nach einem ballistischen Fingerabdruck für alle in den USA verkauften Waffen eine Abfuhr erteilt. Es gebe Experten, die dies für nicht genügend aussagekräftig hielten, sagte Bush-Sprecher Ari Fleischer. Dann änderte der Präsident jedoch seine Meinung. Bush will überprüfen lassen, ob die Technologie und die Einrichtung einer Datenbank Erfolg versprechend ist.

Bei dem ballistischen Fingerabdruck handelt es sich um eine Methode, bei der mit Hilfe der winzigen Unterschiede und Merkmale im Lauf eines jeden Gewehrs die Kugeln zu einer Waffe zurückverfolgt werden können. Dafür müssen aber alle Waffen registriert werden. Auch in Deutschland ist eine Diskussion im Gange, ob nicht alle Schusswaffen des Landes kriminaltechnisch erfasst werden sollen.

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