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ZEW-Konjunkturerwartungen im Oktober erneut gefallen - Hoher Ölpreis

Der hohe Ölpreis wird immer mehr zu einem Belastungsfaktor für die deutsche Konjunktur. Die Aussichten auf eine Konjunkturerholung haben sich im Oktober wegen des Ölpreisanstiegs deutlicher als erwartet eingetrübt.

dpa-afx MANNHEIM/FRANKFURT. Der hohe Ölpreis wird immer mehr zu einem Belastungsfaktor für die deutsche Konjunktur. Die Aussichten auf eine Konjunkturerholung haben sich im Oktober wegen des Ölpreisanstiegs deutlicher als erwartet eingetrübt. Ein anhaltend hoher Ölpreis könnte nach Einschätzung der Dresdner Bank das Wirtschaftswachstum zum Erliegen bringen.

Nach der am Dienstag in Mannheim veröffentlichten monatlichen Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist der Index der Konjunkturerwartungen auf 31,3 Punkte zurückgegangen von 38,4 Punkten im Vormonat. Erstmals seit 16 Monaten lag der Wert damit wieder unterhalb des historischen Mittelwertes von 34,7 Punkten. Die Experten gehen somit von einer leichten Wachstumsverlangsamung bis April nächsten Jahres aus. Von AFX News befragte Volkswirte hatten im Durchschnitt einen Rückgang auf 36,0 Punkte erwartet.

Der Eurokurs < Eurus-FX1 > fiel nach Veröffentlichung der ZEW-Zahlen zeitweise unter die Marke von 1,23 Dollar. Der Bund-Future gewann 0,42 Prozent auf 116,47 Punkte. Der Deutsche Aktienindex Dax weitete seine Kursverluste aus und fiel unter die Marke von 4 000 Zählern.

Rekordjagd Fortgesetzt

"Der Grund für den größeren Pessimismus liegt in dem weiter haussierenden Ölpreis und der Erwartung einer nachlassenden weltwirtschaftlichen Dynamik", teilte das ZEW mit. "Die jüngsten schwachen Daten zum deutschen Auftragseingang und Exportwachstum könnten bereits Ausdruck einer nachlassenden Nachfrage nach deutschen Exportgütern sein." Von der deutschen Binnennachfrage fehlten auch weiterhin konjunkturbelebende Impulse, die kompensierend wirken könnten.

Die Ölpreise setzten ihre Rekordjagd am Dienstag fort. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Liferung im November stieg in London bis auf 51,50 Dollar. Damit wurde erstmals die Marke von 51 Dollar übertroffen.

"Wenn der Ölpreis ein halbes Jahr lang bei über 50 Dollar pro Barrel bleibt, werden wir ein ziemlich schwaches, stagnierendes erstes Halbjahr erleben", sagte der Chefvolkswirt Allianz Group und Dresdner Bank, Michael Heise. Er gehe zwar immer noch davon aus, dass die Preise wieder sinken und 2005 im Jahresdurchschnitt bei 35 Dollar pro Barrel liegen. Heise warnte jedoch davor, das Problem zu unterschätzen. "Ich wundere mich über die Gelassenheit bei einigen meiner Kollegen."

Lage Weniger Pessimistisch

Wie das ZEW weiter mitteilte, beurteilen die befragten Experten die aktuelle Konjunktursituation in Deutschland in diesem Monat weniger pessimistisch. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage stieg von-61,5 auf-58,9 Punkte. Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone gingen dagegen weiter zurück. Der Euro-Indikator verlor 7,1 Punkte gegenüber dem Vormonat und liegt nun bei +37,6 Punkten. Der entsprechende Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum verbessert sich weiter von-27,3 auf-26,0 Punkte.

Das ZEW befragt monatlich rund 300 Analysten und institutionelle Anleger nach ihren mittelfristigen Erwartungen zur Konjunktur- und Kapitalmarktentwicklung. Der Index gibt die Differenz der positiven und negativen Einschätzungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland auf Sicht von sechs Monaten wieder.

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