ZEW-Umfrage zur europäischen Geldpolitik
Kapitalmarktexperten erwarten Zinssenkung

Eine Mehrheit der Finanzmarktteilnehmer erwartet nach wie vor eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank in den kommenden drei Monaten.

HB FRANKFURT/M. Auch wenn Wim Duisenberg immer wieder davor warnt, die Macht der Geldpolitik zu überschätzen: Eine Mehrheit der Finanzmarktteilnehmer erwartet nach wie vor eine Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank in den kommenden drei Monaten. Der überraschend schnelle Sieg der Alliierten im Irak-Krieg hat an dieser zinspolitischen Erwartung wenig geändert. Diese Resultate brachte die neueste Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung hervor, die in der ersten Hälfte des Aprils unter 313 Finanzexperten aus Banken, Versicherern und Industrieunternehmen durchgeführt wurde.

Insgesamt erwartet nach wie vor eine große Mehrheit von 62,7 % der Befragten einen erneuten Zinsschritt der EZB nach unten. 29,6 % setzen auf gleich bleibende Zinsen, und nur 7,7 % erwarten steigende Zinsen. Aus diesen Antworten berechnet das ZEW eine Prognose von 2,2 % für den Euro-Geldmarktzins im Juli. Dies deutet auf eine Zinssenkung um 25 Basispunkte innerhalb der kommenden drei Monate hin. Die sechs führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute, die in der vergangenen Woche ihr Gutachten vorgelegt haben, erwarten ebenfalls noch in den kommenden Monaten eine Zinssenkung.

Der Umfragezeitraum war überschattet vom so schnell nicht erwarteten Kollaps des Regimes Saddam Husseins im Irak-Krieg. "Dieses Ereignis hat auf die zinspolitischen Erwartungen allerdings nur einen geringen Einfluss gehabt", kommentiert Friedrich Heinemann vom ZEW. Die Erwartungen zu den Geldmarktzinsen in der Eurozone würden sich nur geringfügig danach unterscheiden, ob die Einschätzungen vor oder nach dem Fall Bagdads abgegeben worden sind.

"Der insgesamt geringe Einfluss des absehbaren Endes im Irak-Krieg ist nur auf den ersten Blick erstaunlich", meint Heinemann. Denn aus der Sicht der Geldpolitik hielten sich die Folgen des US-Siegs im Irak in etwa die Waage: Auf der einen Seite verringere der sinkende Ölpreis den Inflationsdruck und erhöhe damit den monetären Handlungsspielraum. Auf der anderen Seite verbessere sich nun tendenziell die konjunkturelle Perspektive in der Eurozone, so dass sich der Handlungsdruck für die EZB verringern könne.

"Damit ergibt sich auch eine Schlussfolgerung für das vermutliche Timing des nächsten Trippelschritts: Die EZB hat nun gute Argumente, mit weiteren Handlungen abzuwarten, bis das Ende des Irak-Kriegs gänzlich in den Konjunkturerwartungen und Börsenkursen verarbeitet worden ist", sagt Heinemann. Eine Zinssenkung bereits im Mai ist damit nach Meinung des Volkswirts so gut wie vom Tisch.

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