Ziehen die Kunden auch mit?
Europa hat das Sagen beim M-Commerce – wirklich?

Mögen die USA beim E-Commerce noch die Nase vorn haben, bei der Verschmelzung von Internet und Handy gibt Europa den Ton an. Zu wenig Handys sind in den USA verbreitet, zu schlecht sind dort die technischen Voraussetzungen. M-Commerce in Europa verspricht somit das "Ding" zu werden, nur ziehen die Kunden auch mit?

DÜSSELDORF. Die Amerikaner mögen zwar bei Internet und E-Commerce führen, aber lange kann es nicht mehr dauern, bis die neue Welt hinter Europa zurückfällt. Die Voraussetzung für Europa sind auf Grund des kommenden Mobilfunkstandards UMTS und der Verbreitung von Handys günstig: In den skandinavischen Staaten beispielsweise nutzen schon 70 Prozent der Bevölkerung ein Handy, in Italien jeder zweite und hier zu Lande sind es immerhin schon 58 Handys auf hundert Einwohner, so schreibt zumindest "die Woche". Erste Gehversuche des Mobile Commerce laufen in Europa daher recht gut an, auch wenn dieser auf Grund der unzulänglichen Technik der Endgeräte und der mangelnden Übertragungsgeschwindigkeit bisher hauptsächlich über das einfache aber effektive Medium SMS (Kurznachrichten) sowie über das eher umständliche Wap abgewickelt wird.

Dornröschen Amerika scheint einiges zu verschlafen: Nicht nur, dass dort erst jeder Dritte ein Handy benutzt, der Gesprächsempfänger verpflichtet ist, die Gebühren zu übernehmen - weshalb viele Nutzer ihr Handy gar nicht anstellen. Nein, bei der Vergabe der UMTS-Lizenzen haben die Amerikaner auch verpasst "mitzumischen". Die Weichen für den Vorsprung Europas beim mobilen Kommerz und Internet sind also gestellt, weshalb es schwierig für die Amerikaner sein wird aufholen. So weit so gut.

Aber auch in Europa ist der Markt - trotz der guten Prognosen - irgendwann gesättigt, spätestens dann, wenn der Endgeräte-Verkauf 100 Prozent erreicht hat und alle technischen Felder beackert worden sind. Aber es gibt ja die Kunden, die die "M-Umsätze" bringen sollen und es richten werden. Die Frage ist nur, wie und in welchem Ausmaß? Der Kunde verfügt schließlich nicht über ein höheres Budget, nur weil die Optionen, sein Geld auszugeben, gestiegen sind. Mag er zwar zum Beispiel Bücher im stationären Handel, über das Internet und via Handy bestellen können, trotzdem liest er nicht schneller und gibt auch nicht zwangsläufig mehr Geld dafür oder für andere Güter aus - von Ausnahmen einiger "Aktienmillionäre" einmal abgesehen ;-) Sicherlich fördern Möglichkeiten und Allgegenwärtigkeit der Verkaufskanäle einen freizügigeren Umgang mit den eigenen Quellen.

Werden sich der stationäre Handel, E- und M-Commerce aber nicht vielmehr auf Kosten des anderen vorhandene Geldressourcen der Kunden teilen müssen? Nicht ganz unerheblich in Bezug auf das finanzielle Potenzial des mobilen Internets ist auch die Tatsache, dass trotz Aufgeschlossenheit für neue Geräte und Techniken nicht jeder Nutzer gewillt ist, auf diese Art und Weise "Einkaufen zu gehen". Mancher verspürt dazu schlichtweg keine Lust und wird das mobile Endgerät weiterhin höchstens zum Telefonieren oder Organisieren verwenden.


Schreiben Sie der Autorin: u.latzke@vhb.de

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