Ziel: "Mehr Fracht auf das Gleis"
Bahn will fünf Milliarden in Güterverkehr investieren

Die Deutsche Bahn AG will in den nächsten vier Jahren fünf Mrd. DM in moderne Güterwagen und Lokomotiven investieren und sich auf lukrative Langstreckentransporte mit Containern konzentrieren. Die Gütertransporte aus der Fläche in Einzelwaggons sollen überprüft und gegebenenfalls in Containern oder auf Lastwagen abgewickelt werden. "Mehr Fracht auf das Gleis" sei das Ziel, sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch in Frankfurt.

dpa FRANKFURT/MAIN. Die Bahngewerkschaft Transnet fürchtet einen massiven Arbeitsplatzabbau im Güterverkehr. Die Bahn-Tochter DB Cargo erwartet in diesem Jahr ein positives Betriebsergebnis.

Derzeit verursachten die Transporte für Einzelkunden Verluste von 168 DM je Waggon, sagte Mehdorn. Mit rund 7 000 kleinen Einzelkunden würden lediglich 15 % des Umsatzes mit geringem Wachstumspotenzial erzielt, während die 320 Großkunden der Bahn zu 85 % zum Umsatz beitrügen und dieses Geschäft noch erhebliches Wachstumspotenzial habe. Für die Stahl-, Holz- und Papierindustrie würden häufig komplette Güterzüge eingesetzt. Dieses Geschäftsfeld laufe schon jetzt weitgehend zufrieden stellend. Viele Kleinkunden dagegen nutzten ihren Gleisanschluss kaum - mehr als 2 200 dieser Firmen hätten in diesem Jahr noch keinen einzigen Gütertransport bestellt.

"Wir wollen uns nicht aus der Fläche zurückziehen", unterstrich Mehdorn. Allerdings solle mit allen Kleinkunden über alternative Angebote gesprochen werden, beispielsweise mit Containern oder LKW- Transporten bis zum nächsten Güterzentrum. "Im nahen Bereich haben LKWs bisher leider einen Vorteil", sagte Mehdorn. Für kombinierte Angebote will die Bahn Kooperationen mit Spediteuren eingehen und Angebote "aus einer Hand" machen.

Mit der Entwicklung der Frachttochter DB Cargo ist Vorstandschef Wilhelm Wegscheider zufrieden. In diesem Jahr werde ein Betriebsergebnis "im höheren zweistelligen Millionenbereich" erreicht. "Das wird ein gutes Jahr", sagte Wegscheider.

Gewerkschaft befürchtet Arbeitsplatzverluste

Die Bahngewerkschaft Transnet befürchtet den Verlust von 10 000 der insgesamt 30 000 Stellen im Güterverkehr der Bahn. Bei der Bahn AG herrsche keine offensive Marktstrategie, sondern nur noch eine Mangelverwaltung, sagte Transnet-Chef Norbert Hansen in Halle. Beim Rückzug aus dem Kurzstrecken-Güterverkehr werde es mit steigenden Kosten auch Einbußen im übrigen Schienenverkehr auf den betroffenen Strecken geben.

Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT) wertete das Güterverkehrs-Konzept dagegen als mutig und folgerichtig. Die Bahn habe keine andere Wahl, als sich endlich und nur auf die profitablen Bereiche zu konzentrieren, teilte der DIHT in Berlin mit. Es sei konsequent, sich mehr auf internationale Verkehre auszurichten und die Kunden zu bevorzugen, die am stärksten zum Umsatz beitragen.

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