Ziel: Zusammenschluss von Händlern und Werkstätten
Autohersteller dünnen Vertriebsnetz aus

Die Zahl der Autohändler in Deutschland nimmt kontinuierlich ab. Kleinere Betriebe müssen wegen des starken Wettbewerbs- und Preisdrucks aufgeben, stattdessen entstehen auf Forderung der Autokonzerne regional ausgerichtete Werkstattketten mit kleineren Filialen. Experten erwarten weitere Schließungen.

zel DÜSSELDORF. Die Suche nach der Werkstatt um die Ecke wird für Autofahrer zunehmend schwieriger: Fast 1 500 Autohäuser und Werkstätten haben im vergangenen Jahr ihre Pforten schließen müssen. Der hohe Preisdruck und die schlechte Ertragssituation der Branche fordern ihren Tribut - 12 000 Arbeitsplätze sind im Jahr 2001 mit der Schließung der Werkstätten verloren gegangen.

Experten gehen davon aus, dass sich der Trend zur Ausdünnung des Servicenetzes in den kommenden Jahren fortsetzen wird. "Der eine oder andere Händler wird auch noch verschwinden", sagt Helmut Blümer, Sprecher des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), der Interessenorganisation der Autohändler. Von der Schließung der Werkstätten ist jedoch überwiegend nur der Vertragsbereich betroffen - also die Betriebe, die als Händler unmittelbar an einen großen Autokonzern gebunden sind. "Im Bereich der freien Werkstätten passiert deutlich weniger", erläutert Blümer. Dass im vergangenen Jahr 385 freie Unternehmen aufgeben mussten, sei eine "völlig normale" Entwicklung für die Branche gewesen.

Viel entscheidender ist die Entwicklung im Vertragsbereich: Fast 1 100 Autohändler mussten im zurückliegenden Jahr aufgeben, damit sind 4,6 % der 22 600 Vertragsbetriebe verschwunden. Dieser hohe Prozentsatz hat die Branche alarmiert, denn so stark war der Einbruch in den vorangegangenen Jahren noch nie. Eckhard Meyer, Vorsitzender des VW - und Audi-Händlerverbandes, bestätigt, dass der Trend zum Abbau "bei uns seit Jahren kontinuierlich läuft". Was genau auf die Autohandels-Unternehmen künftig zukommen werde, "das weiß ich auch nicht", sagt der Verbandschef.

Klar ist nur, dass bei den meisten in- und ausländischen Automobilherstellern in den kommenden Jahren weitere gravierende Änderungen im Vertrieb anstehen. In der vergangenen Woche erst hatte Opel allen deutschen Vertragshändlern gekündigt. Das Rüsselsheimer Unternehmen hat die Zielsetzung verkündet, die Zahl der Händler von derzeit etwa 1 000 auf ungefähr die Hälfte zu reduzieren.

VW-Händlersprecher Eckhard Meyer ist sich zwar sicher, dass der Wolfsburger Konzern nicht so einschneidend vorgehen wird wie Opel. Trotzdem werde es bitter für die Händler, "die aus dem Netz herausfallen".

Hohe Kosten

Grund für die Ausdünnung der Vertriebsnetze sind die hohen Kosten, die den Automobilkonzernen schon lange ein Dorn im Auge sind. Die Schätzungen sind unterschiedlich, doch die meisten Hersteller kalkulieren mit einem Vertriebskostenanteil zwischen 25 % und 30 % ihres Jahresumsatzes. Schlankere Vertriebsstrukturen sollen dafür sorgen, dass dieser Ausgabenposten sinkt.

Deshalb drängen die Hersteller jetzt darauf, dass sich ihre Händler in einzelnen Regionen zu größeren Einheiten zusammenschließen. Sie sollen in so genannten "Marktverantwortungsgebieten" ein einziges Unternehmen gründen, das Teilbereiche wie Verwaltung und Lackiererei zusammen legt. Nur die Zentrale eines solchen regionalen großen Händlers besitzt dann künftig noch alle Werkstattfunktionen, kleinere Filialen an den Stadträndern können den Plänen zufolge nicht mehr alles reparieren oder jedes neue Modell präsentieren.

Die Autohersteller rechtfertigen ihre Strategie. Bei der Zahl der Betriebsaufgaben sei "das Ende bei Weitem nicht erreicht", sagt Klaus Fricke, Vertriebsdirektor im Fiat-Konzern und damit auch für die Händlernetzplanung verantwortlich. Fiat hat die Zahl seiner Händler in Deutschland während der vergangenen Jahre von 1 200 auf 800 reduziert. Für Friedrich-Karl Bonten, Präsident des Verbandes der Fiat - und Lancia-Händler ist klar, "dass auch diese Zahl zur Disposition steht".

Nachlassende Verkäufe

In der gesamten Kfz-Branche könnten 40 % aller Händler herausfallen, schätzen die Experten. Nachlassende Verkäufe lassen die Überlebenschancen für einzelne Autohändler zusätzlich sinken: In diesem Jahr werden die Zulassungszahlen in Deutschland wahrscheinlich das dritte Mal in Folge zurückgehen. Fiat-Direktor Fricke sieht darüber hinaus noch ein anderes Problem, warum die Zahl der Händler stark abnehmen wird. "In Deutschland gibt es massive Nachfolgeprobleme", erläutert er. Selbstständige Firmen verschwänden von der Bildfläche, weil es keinen Nachfolger mehr an der Spitze der Betriebe gebe.

Der Ausdünnung der Automobil- Vertriebsnetze können lediglich die Händler der angesehenen Premiummarken wie Mercedes oder BMW gelassen entgegen sehen. Die Absatzzahlen für diese Autos steigen noch, die Zukunftsaussichten sind deutlich besser als bei VW oder Opel. Peter Enders, Sprecher der deutschen BMW-Händler, ist deshalb zuversichtlich: "Mit unserer Marke haben wir natürlich einen Vorteil."

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