Ziele des Strategieprogramms CB 21 für die kommenden Jahre müssen möglicherweise reduziert werden
Commerzbank zieht die Notbremse

Mit einem ehrgeizigen Sparprogramm, dem Abbau von 3 400 Arbeitsplätzen und einer strategischen Kurskorrektur will die Commerzbank aus den roten Zahlen kommen. Auch der Vorstand wird umgebaut.

fs/nw FRANKFURT/M. Die Commerzbank muss die Ertragsziele ihres Strategieprogrammes "CB 21" für die kommenden Jahre möglicherweise reduzieren. In diesem Geschäftsjahr würden sie aber erreicht, sagte gestern Commerzbank-Sprecher Ulrich Ramm.

Geplant ist für 2001 ein Ergebnisbeitrag von 94 Mill. nach Steuern vor allem durch Filialschließungen, einen effizienteren Vertrieb im Privatkundengeschäft und die stärkere Vernetzung von Firmenkundengeschäft und Investment-Banking. Der Ergebnisbeitrag von CB 21 von insgesamt 3 Mrd. bis einschließlich 2005 werde "unter dem Strich" aber eher nicht erreicht, meinte Ramm.

Vorstandssprecher Klaus-Peter Müller hatte gestern dem Aufsichtsrat mitgeteilt, dass die Bank in den Monaten Juli und August einen Verlust nach Steuern von insgesamt 120 Mill. verbuchen musste. Auch im September sei das Ergebnis voraussichtlich negativ. Für das Gesamtjahr sei jedoch mit einem Jahresüberschuss zu rechnen, der die Zahlung einer Dividende ermögliche. Das dürfte in dem weiterhin schwierigen Marktumfeld schwer zu erreichen sein. Im ersten Halbjahr hat die Bank nur ein Nach-Steuer-Ergebnis von 312 Mill. als "Polster" erzielt.

Um die Commerzbank nachhaltig aus den roten Zahlen zu steuern, setzt Müller vor allem auf Kostensenkungen. 3 400 Arbeitsplätze sollen bis 2003 abgebaut werden. Der Großteil der Stellen, rund ein Drittel, werde im Filialnetz wegfallen, sagte Ramm. Auch das Back Office (Abwicklung von Finanztransaktionen) und die Frankfurter Zentrale würden verschlankt.

Das Investment Banking wird zwar aufgewertet durch die Berufung von Mehmet Dalman in den Vorstand. Dalman war bislang in der zweiten Ebene für dieses Geschäftsfeld verantwortlich. Doch auch dort sollen rund acht Prozent der Arbeitsplätze wegfallen. Die Berufung Dalmans wird in Finanzkreisen als Zeichen eines Zusammenrückens der Aktivitäten im Corporate- und Investment-Banking gesehen. Dalman soll die Zuständigkeit von Klaus M. Patig erben, der im Vorstand andere Aufgaben übernehmen soll. Patig hatte Dalman einst zur Commerzbank geholt. Damit habe er einen wesentlichen Beitrag zu deren Internationalisierung geleistet, hieß es aus Kreisen der Bank. Welche Rolle Patig künftig im Vorstand spielt, wird Müller heute in einer Pressekonferenz erläutern.

Zur Kritik über die fehlende kritische Masse im Investment-Banking hieß es dagegen, dieses Problem bestehe auch in anderen Bereichen. Das Institut werde sich künftig im Investment-Banking vor allem auf den Mittelstand fokussieren. Dabei geht es um die Restrukturierung, das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen und die Beschaffung von Kapital. Was die Commerzbank unter Mittelstand versteht, ist offenbar noch nicht endgültig definiert. Gemeint sein könnten Kunden in einer Größenordnung zwischen 500 Mill. und 1 Mrd. DM.

Dalman dürfte vor allem zwei Ziele angehen: Eine Reduktion der Aufwands-Rentabilität von derzeit fast 80 % in der Gesamtbank auf 75 % sowie eine drastische Erhöhung der Eigenkapitalrendite von 4,5 % im ersten Halbjahr auf 15 bis 20 %.

Die künftige Vorstands-Aufgabe des ehemaligen Vorstandssprechers der Advance-Bank, Martin Blessing, liegt im Retail-Banking. Dazu gehört offenbar auch eine stärkere Anbindung der Direktbank-Tochter Comdirect an die Mutter. Die Zahlen für das 3. Quartal sollen am 9. November veröffentlich werden. Der Verlust würde höher ausfallen als bisher im Markt erwartet, sagte Helaba-Analyst Sebastian Reuter. Das Ziel, den Verwaltungsaufwand zu senken, sei aufgrund der teuren Stellenstreichungen "recht ambitioniert". Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim schätzt den Restrukturierungsaufwand auf 85 000 je Beschäftigten.

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