"Ziele verfehlt"
DAB-Bank-Chef Kröner muss offenbar gehen

Bei der zur Hypovereinsbank gehörenden Direktbank DAB Bank wird nach Informationen aus Bankenkreisen Vorstandschef Matthias Kröner abgelöst.

Reuters MÜNCHEN. Kröner habe bei der Direktbank klare Ziele gehabt und diese verfehlt, hieß es am Mittwoch in den Kreisen. Der Vorstandschef der DAB Bank hatte versucht, den Verluste schreibenden Broker durch massive Kosteneinsparungen zu einem ausgeglichenen Ergebnis im Jahr 2003 zu bringen. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte die DAB einen Verlust von 12,92 Mill. Euro verbucht und damit ihren Fehlbetrag im Vergleich zum Vorjahr deutlich reduziert. Über einschneidende Maßnahmen bei der Bank wird jedoch bereits seit längerem spekuliert. Unter anderem hatte es immer wieder Gerüchte über einen Zusammenschluss der DAB Bank mit der mehrheitlich zur Commerzbank gehörenden Comdirect gegeben.

Einem Bericht des Internet-Portals "manager-magazin.de", wonach die Ablösung Kröners schon am Donnerstag im Aufsichtsrat der Münchener Bank beschlossen werden solle, wurde in den Kreisen widersprochen: Wann Kröner gehen müsse, stehe noch nicht fest. Auch sei nicht richtig, dass der für Informationstechnologie und Abwicklung zuständige Vorstand Matthias Sohler das Haus verlassen solle. Weder die HVB noch die DAB Bank gaben eine Stellungnahme ab.

Direktbanken stehen unter Druck

Die Branche der Direktbanken ist durch die anhaltende Marktschwäche und das Ende der Internet-Euphorie unter Ertrags- und Kostendruck geraten. Kröner hatte versucht, die DAB Bank mit massiven Kostensenkungen zu einem ausgeglichenen Ergebnis im Jahr 2003 zu bringen. Im zweiten Quartal dieses Jahres hatte die DAB Bank ihren Verlust auf Grund sinkender Kosten deutlich verringert. Der Fehlbetrag hatte nach Steuern und Minderheitsanteilen 12,92 Mill. Euro nach einem Verlust von 24,27 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum betragen. Vor Steuern hatte der Verlust im zweiten Quartal bei 18,61 (Vorjahr minus 35,67) Mill. Euro gelegen. Kröner hatte angekündigt, die Kosten im dritten Quartal unter anderem durch die Auslagerung des IT-Bereiches weiter senken zu wollen. Einen Ergebnisausblick für das dritte Quartal gibt es bislang nicht.

Analysten gehen jedoch davon aus, dass es Deutschlands drittgrößtem Online-Broker angesichts des anhaltend schlechten Marktumfeldes und der nur schleppend wachsenden Kundenzahl kaum möglich sein werde, das selbstgesteckte Ergebnisziel zu erreichen. "Der Break-Even wird in 2003 nur möglich sein, wenn es neben neben einer deutlichen Kostensenkung zu einem Anziehen der Handelsaktivitäten und zu einer Verbesserung der Kundenzahlen kommt", schrieb Jörn Kissenkötter von der Privatbank M.M. Warburg jüngst in einem Kommentar.

Gerüchte halten sich schon lange

Bereits seit längerem wird über einschneidende Maßnahmen der Hypovereinsbank bei ihrer verlustreichen Beteiligung DAB spekuliert. Im vergangenen Monat hatte Kröner einer Meldung aus Bankenkreisen widersprochen, die Hypovereinsbank spreche mit europäischen Interessenten über einen Verkauf ihres Anteils von knapp 65 % an der DAB.

Auch über eine Fusion mit einem anderen Direktbroker war in der Vergangenheit mehrfach spekuliert worden. Gerüchte über einen Zusammenschluss von DAB Bank und Comdirect waren aber von beiden Häusern dementiert worden. Die angespannte Situation der Direktbanken hatte auch bei der Comdirect bereits personelle Konsequenzen: Deren ehemaliger Vorstandschef Bernt Weber war Anfang Juni von Achim Kassow abgelöst worden.

Die Aktien der DAB Bank gaben am Donnerstag um mehr als sieben Prozent auf 3,30 Euro nach.

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