Zinni: Hier wird nicht ernsthaft verhandelt
Israels Kampfhubschrauber töten zwei Kinder

Israelische Kampfhubschrauber haben am Montag in Hebron ein palästinensisches Auto mit Raketen beschossen und dabei zwei Kinder getötet. Nach Informationen aus israelischen Sicherheitskreisen hat der Angriff einem Mitglied der radikalen Palästinenser-Organisation Islamischer Dschihad gegolten.

Reuters JERUSALEM. Ministerpräsident Ariel Scharon hatte nach einem Bombenattentat am Sonntag weitere Vergeltungsschläge des Militärs nicht ausgeschlossen. Am Montagvormittag forderte er den US-Gesandten Anthony Zinni auf, seine Vermittlungsbemühungen fortzusetzen. Die Europäische Union (EU) hat Diplomaten zufolge Palästinenser-Präsident Jassir Arafat aufgefordert, "die Terrornetze" der Extremisten-Organisationen Hamas und Dschihad zu zerschlagen.

Sanitäter berichteten, das Fahrzeug in Hebron im Westjordanland sei von Hubschraubern mit Raketen beschossen worden. Die beiden getöteten Kinder seien drei und 13 Jahre alt. Der Vater des Babys sei unter den zwölf Verletzten. Er sei in kritischem Zustand. Der Fatah-Führer Marwan Barguthi sprach von einem neuen hässlichen Verbrechen Scharons. Die USA sollten dies öffentlich verurteilen.

Mit massiven Angriffen hatte Israel, trotz internationaler Proteste, in den vergangenen Tagen wiederholt palästinensische Einrichtungen aus der Luft angegriffen, nachdem bei einer Serie von Selbstmord-Attentaten seit Ende November 29 Personen in Israel getötet und Dutzende verletzt worden waren. Erst am Sonntag hatte ein Attentäter in der israelischen Küstenstadt Haifa mehrere Menschen verletzt. Er selbst wurde erschossen.

Scharon sieht direkte Verantwortung bei Arafat

Scharon sieht eine direkte Verantwortung für die Welle der Anschläge bei Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, dem er vorwirft, nur zum Schein mutmaßliche Gewalttäter aus den Reihen des Dschihad und der Hamas festnehmen zu lassen, in Wirklichkeit aber nicht entschieden gegen den Terror vorzugehen.

Bei einer Explosion auf einem Lastwagen mit Gasflaschen dicht am palästinensischen Ministerium für lokale Verwaltung in Ramallah sind am Montag eine Person getötet und eine weitere verletzt worden. Ein palästinensischer Sicherheitsbeamter sagte, der Lastwagen sei von einer israelischen Panzergranate getroffen worden. Dabei sei der Fahrer getötet worden. Am Ort der Explosion fand sich aber niemand, der Panzerschüsse gehört hat. Aus Palästinenser-Kreisen war zuvor verbreitet worden, die Explosion habe sich im Ministeriumsgebäude ereignet.

Zinni drohte mit Abbruch seiner Vermittlungsbemühungen

Am Sonntag hatte US-Vermittler Zinni nach Angaben von Palästinensern auf einer gemeinsamen Sicherheitsausschuss- Sitzung ultimativ mit dem Abbruch seiner Vermittlungsbemühungen gedroht, sollte es binnen 48 Stunden keine klaren Konzepte von beiden Seiten geben, wie sie ihren Verpflichtungen zur Einhaltung der Waffenruhe nachkommen wollten. Bereits Minuten nach Beginn der Sitzung sei Zinni aus dem Raum gestürmt und habe erklärt, hier werde nicht ernsthaft verhandelt. Nach Angaben aus Delegationskreisen traf Scharon am Vormittag mit Zinni zusammen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Zinni hofft, Palästinenser und Israelis zur Umsetzung des Mitchell-Plans bewegen zu können, der in einer ersten Phase eine Waffenruhe vorsieht, zu der sich beide Seiten vor Monaten verpflichtet hatten.

EU: Israel soll Truppen abziehen

In Delegationskreisen des EU-Außenministertreffens hieß es am Montag in Brüssel, in der Erklärung fordere die EU außerdem, dass Arafat öffentlich ein Ende des bewaffneten Palästinenser- Aufstandes verkünde. Israel werde aufgerufen, seine Truppen aus den palästinensischen Gebieten abzuziehen und Anschläge gegen palästinensische Extremisten zu beenden. An dem EU-Treffen nahmen auch in getrennten Gesprächen der Israels Außenminister Schimon Peres und der palästinensische Minister und Arafat- Berater Nabil Schaath teil.

Der Weg zu einem palästinensischen Staat führe nicht über die Gewalt, hieß es in EU-Kreisen weiter. Auf Grundlage der EU-Erklärung solle der außenpolitische Koordinator der Union, Javier Solana, noch in dieser Woche in den Nahen Osten entsandt werden. Die EU versucht bereits seit geraumer Zeit, zwischen Israel und den Palästinensern zu vermitteln.

Joschka Fischer führte Gespräche mit Peres

Bundesaußenminister Joschka Fischer habe am Rande der Beratungen ein Gespräch mit Peres geführt, hieß es in deutschen Delegationskreisen. Peres habe dabei den Ernst der Lage unterstrichen und auf ein "totales Vertrauensdefizit" der israelischen Bevölkerung gegenüber Arafat verwiesen. Er halte es aber für möglich, wieder in eine Sicherheitskooperation mit den Palästinensern einzusteigen. Peres selbst hatte beim Eintreffen in Brüssel gesagt, zum Friedensprozess gebe es keine Alternative.

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