Zinschritt wird wahrscheinlicher
Spekulation über Zinserhöhung

Trotz günstiger Geldmengenentwicklung

Reuters FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Einschätzung von Bankenvolkswirten ungeachtet der günstigeren Zahlen zur Geldmengenentwicklung ihre Leitzinsen anheben. Nach den am Montag von der EZB vorlegten Daten wuchs die Geldmenge M3 in der Euro-Zone im Juli mit einer Jahresrate von 5,3 Prozent nach noch 5,4 Prozent im Juni und 5,9 Prozent im Mai.

Nach Ansicht von Bankenvolkswirten wird die EZB angesichts der Inflationssrisiken die Zinsen aber vermutlich bereits am Donnerstag weiter erhöhen. Zudem liegt die M3-Wachstumsrate immer noch deutlich über der Zielmarke der EZB von 4,5 Prozent.

Jörg Krämer von Invesco Asset Management sagte, der Trend einer leichten Wachstumsabschwächung bei M3 setze sich fort. "Dadurch wird die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Leitzinserhöhung am Donnerstag aber nicht sinken, da die EZB momentan mehr auf die Inflationsentwicklung und nicht die Geldmenge zu schauen scheint."

Michael Schubert von der Commerzbank sagte: "Am Ausblick für die Zinsentscheidung der EZB am Donnerstag ändert sich dadurch nichts. Wir erwarten für Donnerstag einen Zinsschritt um 25 Basispunkte." Und auch für den Chefvolkswirt der BHF Bank, Uwe Angenendt, führen die günstigeren Geldmengenzahlen bei der EZB zu keinem Sinneswandel: "Natürlich bedeuten die Zahlen auch, dass die Europäische Zentralbank weniger unter Druck steht, die Geldpolitik zu straffen. Aber ich glaube nicht, dass diese Daten die Entscheidung der EZB, die Zinsen in dieser Woche oder auf der nächsten Sitzung anzuheben, beeinflussen wird."

Nach den Angaben der EZB stellte sich der gleitende Dreimonatsdurchschnitt Mai/Juli bei M3 auf eine Jahresrate von 5,5 (6,0) Prozent. Das Kreditwachstum in der Euro-Zone insgesamt betrug 6,9 (nach revidiert 7,0) Prozent im Vormonat. Die Wachstumsrate für Kredite an den privaten Sektor stellte sich nach Angaben der EZB auf eine Jahresrate von 9,7 Prozent nach 9,8 Prozent im Juni.

Zur Geldmenge M3 gehören der Bargeldumlauf in der Euro-Zone, die von Nichtbanken bei Kreditinstituten gehaltenen Sichteinlagen, Termingelder von bis zu vier Jahren und Spareinlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist. Die EZB wird nach der Sommerpause erstmals am Donnerstag wieder über die Geldpolitik beraten. Derzeit liegt der Mindestbietungssatz beim Hauptrefinanzierungsgeschäft, über das die Notenbank das Bankensystem mit Liquidität versorgt, bei 4,25 Prozent.

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