Zinsenkungen durch Fed und EZB
Dax bleibt im Plus

Die Notenbanken stabilisieren die Märkte. Das wichtigste deutsche Börsenbarometer konnte bis zum Abend seine Kursgewinne halten. Am Neuen Markt fiel der Kursanstieg dagegen schwächer aus.

rtr FRANKFURT. Die deutschen Aktienwerte haben nach der überraschenden Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) um 50 Basispunkte am Montagnachmittag ihre Kursgewinne weiter ausgebaut. Zuvor hatten bereits ein nicht so schwach wie erwarteter Handelsstart der US-Börsen nach den Terroranschlägen sowie eine überraschende Leitzinssenkung der US-Notenbank dem Dax zu deutlichen Kurzuwächsen verholfen.

Der Dax stieg bis zum frühen Abend um 4,3 % auf 4293 Zähler. Händler sprachen von einem zu stark überverkauften Markt in Deutschland. Am Neuen Markt notierte der Blue-Chip-Index der Wachstumswerte mit einem Plus von 1,6 % bei 832 Zählern.

Zinssenkungen durch Fed und EZB

Die EZB hatte mitgeteilt, den Mindestbietungssatz beim Zinstender um einen halben Prozentpunkt auf 3,75 % reduziert zu haben. Zur Begründung führten die Zentralbanker die verschlechterten Wachstumsaussichten nach den Terroranschlägen in den USA an. "Wir brauchten diesen Zinsschritt dringend", sagte ein Händler. "Aber wir brauchen noch zwei oder drei mehr in den USA."

Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hatte bereits gegen Mittag die Senkung der US-Leitzinsen um ebenfalls 50 Basispunkte bekannt gegeben. Der entscheidende Zielsatz für Tagesgeld werde um 50 Basispunkte auf 3,0 % zurückgenommen, teilte die Fed mit und begründete den Schritt mit Risiken einer wirtschaftlichen Abschwächung. "Die Zinssenkung hat nochmal eine psychologische Unterstützung für den Markt geliefert", sagte ein Händler. Die deutschen Aktien hatten auf den Entscheid mit anziehenden Kursen reagiert, die nach einem nicht so schwach wie erwarteten Handelsstart in den USA weiter anzogen.

Kein Crash an der Wall Street

An den US-Börsen wurde nach einer viertägigen Pause seit den erschütternden Ereignissen in den New York am Montag erstmals wieder gehandelt. Nach rund drei Handelsstunden verbuchte der Industriewerte-Index Dow Jones einen Abschlag von knapp 5 Prozent auf 9132 Zähler, der Technologieindex Nasdaq gab um 4,2 % auf 1624 Punkte nach. Die meisten von Reuters befragten Analysten hatten mit einem Kurseinbruch an der Wall Street und der Technologiebörse Nasdaq gerechnet.

"Der deutsche Markt war angesichts der starken Kursverluste in den letzten Tagen zu stark überverkauft", sagte ein Händler mit Blick auf die weiterhin unerwartet freundliche Tendenz am deutschen Markt. Seit der Terror-Katastrophe in den USA hatte der Dax zeitweise rund 16 % an Wert eingebüßt. Am Montag noch war der Index zeitweise um mehr als drei Prozent eingebrochen und unter die Marke von 4000 Punkten auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998 gefallen.

Börsianer sprachen davon, dass vieles bereits in den Kursen eingepreist sei. "Die Kursabschläge in Deutschland scheinen übertrieben zu sein. Der Dax hat durchaus Potenzial nach oben", sagte ein Händler. Ein weiterer Händler zeigte sich allerdings angesichts der weiteren Entwicklung am deutschen Markt skeptisch. "Ich denke, dass wir für heute die Tiefstände gesehen haben, aber angesichts der unsicheren politischen Lage kann man nicht unbedingt davon ausgehen, dass wir den Trend fortsetzten."

Ein anderer Marktteilnehmer ging bei der momentanen Aufwärtsbewegung nur von einer kurzzeitigen Erholung aus. "Es sieht schon so aus, als ob das hier alles überverkauft ist", sagte er, wies aber darauf hin, dass man mittelfristig nicht unbedingt von einer Bodenbildung des Marktes ausgehen könnte.

Deutsche Telekom mit Kursgewinnen

Favorit war Indexschwergewicht Deutsche Telekom, die sich mit einem Kursplus von knapp 9 Prozent auf 15,90 an die Spitze der Dax-Gewinner setzten, nachdem eine US-Investmentbank den Telekommunikationssektor hochgestuft hatte.

Auch die zuletzt deutlich unter Druck geratenen Aktien der Versicherungsgesellschaften gewannen an Wert. Münchener-Rück-Papiere legten um 5,2 % auf 256,29 zu, Allianz stiegen um mehr als 7 Prozent auf 231,70. Münchener Rück hatten zeitweise nach den Terroranschlägen um mehr als 26 % eingebüßt.

An die Spitze der Kursverlierer setzten sich mit einem Abschlag von knapp 5 Prozent auf die Aktien von Infineon , nachdem der Index für Halbleiterwerte in den USA um knapp sechs Prozent nachgegeben hatte. Die Aktien der Lufthansa stiegen um 1,4 % auf 11,21, nachdem sie im frühen Verlauf zeitweise um mehr als 8 Prozent auf 10,12, den tiefsten Stand seit Anfang Dezember 1996 gefallen waren. Am Wochenende hatte die deutsche Fluggesellschaft den Flugverkehr in die USA wieder aufgenommen. Händler sagten, die Aussichten der Branche blieben aber weiterhin unklar. An den US-Börsen stürzten die Aktien der Konkurrenten United Airlines, American Airlines und Delta Airlines um mehr als vierzig Prozent in die Tiefe

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Der MDax für die mittelschweren Werte gab knapp ein Prozent auf 3927 Punkte nach.

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