Zinsentscheidung am Donnerstag
Erwartungen an EZB steigen

Vor der Rats-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) an diesem Donnerstag verstärken sich Forderungen nach einer Zinssenkung.

dpa FRANKFURT/MAIN. Trotzdem ist ungewiss, ob die europäischen Währungshüter dem wachsenden Druck nachgeben werden. "Eigentlich ist im Moment alles, was die EZB machen kann, falsch", sagte Bernd Weidensteiner von der DZ-Bank am Dienstag in Frankfurt. Sein Haus rechnet noch nicht mit einer Veränderung der Leitzinsen am Donnerstag.

Zuletzt hatte die EZB am 17. September gemeinsam mit der amerikanischen Notenbank Fed die Zinsen um 0,5 %punkte zurückgenommen. Seither liegt der wichtigste europäische Leitzins bei 3,75 %.

Commerzbank-Volkswirt Schubert: "Zinssenkung wäre angebracht"

"Wenn die EZB die Zinsen senkt, heißt es, sie hat dem Jammern der Politiker nachgegeben. Wenn sie sie unverändert lässt, heißt es, sie lässt die Wirtschaft im Regen stehen", sagte Weidensteiner. Auch für ihn steht jedoch außer Frage, dass in der nächsten Zeit Zinssenkungen anstehen, möglicherweise sogar um bis zu 0,5 %punkte. "Die Richtung des Zinsschrittes ist klar, es ist nur eine Frage des Timings."

"Ziehe ich nur die ökonomischen Fakten in Betracht, wäre eine Zinssenkung angebracht", sagte Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. "Wenn ich auf der anderen Seite aber die sehr positiven Konjunkturprognosen aus der EZB höre, wäre eine Zinssenkung unnötig." Insgesamt herrsche eine hohe Unsicherheit. "Wenn jetzt keine Zinssenkung beschlossen wird, verschieben sich die Spekulationen auf die Sitzung in 14 Tagen. Die EZB gerät so immer mehr in die Position des Getriebenen", sagte Schubert.

Umfrage: Fachleute sprechen sich für Zinssenkung aus

"Großen Handlungsdruck" auf die EZB sieht auch das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. In einer Umfrage unter 300 Analysten aus Banken, Versicherungen und Industrie sprachen sich die Fachleute angesichts der sinkenden Inflationsrate deutlich für eine Zinssenkung aus. Die düstere Bewertung der aktuellen Konjunktur, die schwindende Hoffnung auf eine schnellere Belebung der Weltwirtschaft und der geringe Spielraum der Fiskalpolitik ließen "keine andere Wahl", hieß es vom ZEW. Dort sieht man sogar Spielraum für eine Zinssenkung auf drei Prozent bis zum Januar.

Gedämpft werden diese Hoffnungen von Äußerungen aus der Zentralbank. So hatte die EZB in ihrem Oktober- Bericht eine Erholung der Konjunktur im Euroraum Anfang des kommenden Jahres vorausgesagt. Grund dafür seien Preisstabilität, Lohnzurückhaltung und der eingeleitete Abbau der Staatsverschuldung. Die jährliche Teuerungsrate in den Euroländern werde weiter sinken und die Konsumausgaben im Eurogebiet stützen.

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