Zinsentscheidung wird ca. um 20.30 Uhr bekannt gegeben
Keine Trendwende durch Fed-Zinsbeschluss erwartet

Nach den jüngsten Kursverlusten an den Wachstumsbörsen Neuer Markt und Nasdaq rechnen Analysten auch nach der für Dienstagabend erwarteten Leitzinssenkung in den USA nicht mit einer durchgreifenden Trendwende. Die Entwicklung der Wachstumssegmente dürfte nach Einschätzung von Analysten vielmehr weitgehend unabhängig von möglichen Zinsschritten der US-Notenbank Fed bleiben.

rtr FRANKFURT/NEW YORK. Wichtiger für die Aktienkurse seien die Ergebnisse und die generell bestehenden Risiken beim Geschäftsaufbau junger Unternehmen, hieß es. "In erster Linie muss die Fantasie einer positiven Unternehmensentwicklung bestehen", sagte ein Analyst. Dabei spielten Zinsen zwar eine psychologische, nicht aber die tragende Rolle. Positive Impulse eines niedrigeren Zinsniveaus könnten durch dessen Auswirkungen auf die Konjunktur die Kursentwicklung der Wachstumswerte im Prinzip verstärken, sagten Analysten. Dann sei auch mit einer nachhaltigen Erholung an den Börsen zu rechnen.

"Das dauert aber in der Regel mindestens ein halbes Jahr", sagte Robert Suckel, geschäftsführender Analyst von SES Research. Nach der für Dienstagabend erwarteten Zinssenkung der Fed rechnet DG-Bank-Analyst Volker Borghoff mit einem weiteren Zinsschritt in den USA um 50 Basispunkte im Mai des laufenden Jahres. "Dann wird die Schwächephase in den USA voraussichtlich im vierten Quartal überwunden sein", vermutet er. Für die US-Technologiebörse Nasdaq rechnet Borghoff bis Mitte April unabhängig von der Zinsentwicklung mit einem anhaltenden Risikopotenzial durch möglicherweise bevorstehende weitere Gewinnwarnungen von US-Technologiefirmen. Eine länger anhaltende Trendwende könnte dann ab Mitte April eingeleitet werden, falls die Nasdaq-Firmen für das erste Quartal 2001 dann bessere Zahlen vorlegten, sagte Borghoff.

Zinssenkung um halbes Prozent wahrscheinlich

Am Dienstagabend wollte der Offenmarktausschuss der Fed über die US-Leitzinsen beraten. Nach Angaben von Analysten wird an den Märkten eine Zinssenkung um zumindest 50 Basispunkte erwartet, und ein solcher Zinsschritt sei bereits in den derzeitigen Kursen berücksichtigt. "50 Basispunkte werden sowieso erwartet. Das wäre keine richtige Überraschung", sagte Borghoff. Ein solcher Zinsschritt könnte die Investoren sogar geradezu enttäuschen. An den Märkten werde inzwischen vielfach auf eine Zinssenkung um 75 Basispunkte spekuliert. Die Folgen bei einem kleineren Zinsschritt wären kurzfristig weiter nachgebende Kurse an den Wachstumssegmenten. "Es steht dann zu befürchten, dass neue Tiefststände am Neuen Markt getestet werden", sagte Knut Hochwald, Aktienhändler der Hamburger Sparkasse.

SES-Analyst Suckel sagte, prinzipiell würden die Aktienmärkte einen Zinsschritt von 75 Basispunkten - es wäre die größte Senkung seit Dezember 1991 - positiv aufnehmen. Zumindest kurzfristig könnte es zu steigenden Kursen an der Nasdaq und dem Neuen Markt kommen. Allerdings müsste die Fed in ihrer Stellungnahme den Eindruck vermeiden, dass sie ihre Zinspolitik vor allem an kurzfristigen Aktienmarktbewegungen ausrichte, hieß es in einem Kommentar der Commerzbank. 75 Basispunkte könnten vom Markt auch als "Panikreaktion" betrachtet werden, weil dies ein Hinweis auf eine stärker als erwartete wirtschaftliche Abschwächung in den USA wäre. "Ein zu schlechtes Bild der US-Konjunktur könnte auch das Gegenteil des Gewünschten herbeiführen und den kurzfristigen Kursverfall beschleunigen", sagte Suckel.

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zweimal den Leitzins um jeweils 50 Basispunkte auf aktuell 5,5 Prozent gesenkt. Seit dem letzten Zinsschritt Ende Januar brach die US-Technologiebörse Nasdaq um rund 30 Prozent ein. In Frankfurt verlor der Neue Markt im selben Zeitraum sogar knapp 39 Prozent seines Wertes.

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