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Zinserhöhung um bis zu 50 Basispunkte erwartet

In Frankfurt ist der EZB-Rat am Donnerstag zu seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause zusammen gekommen. Er wird nach Einschätzung von Experten die Leitzinsen in der Euro-Zone um bis zu 50 Basispunkte erhöhen.

Reuters/dpa FRANKFURT/BERLIN. Die Währungshüter hatten sich angesichts des schwachen Euro und hoher Ölpreise in den vergangenen Wochen mehrfach besorgt über die Inflationsrisiken geäußert. Gleichzeitig widersprachen sie Befürchtungen, wonach eine Zinserhöhung das Wachstum in der Euro-Zone belasten könnte. Am Donnerstagmorgen hatte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) , Horst Siebert, in einem Rundfunkinterview erklärt, er rechne nicht mit einer Belastung des Wirtschaftswachstums, falls die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen erhöhen sollte. Mit der Bekanntgabe der Zinsentscheidung wird gegen 13.45 Uhr gerechnet. Eine Pressekonferenz ist nicht geplant.

Ausmaß der Zinserhöhung noch unklar

Wie eine Umfrage am Mittwoch ergab, ist lediglich unklar, wie hoch die Zinserhöhung ausfallen wird. Die meisten der 38 befragten Volkswirte aus ganz Europa erwarten eine moderate Erhöhung um 25 Basispunkte auf 4,50 Prozent im Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte. Rund ein Drittel rechnet mit einem größeren Schritt um einen halben Prozentpunkt.

Die Finanzmärkte hätten bereits einen Zinserhöhung um etwa 0,5 Prozentpunkte vorweggenommen, sagte Siebert, der auch dem Sachverständigenrat der Bundesregierung angehört im Deutschlandfunk. Die Notenbank habe derzeit mit einer Inflationsrate in der Euro-Zone von 2,4 Prozent zu kämpfen und müsse zudem auf die langfristige Inflationsentwicklung - in zwei Jahren - hinwirken. Die EZB habe sich das Ziel gesetzt, die Inflationsrate unter der von ihre für Preisstabilität definierten Obergrenze von zwei Prozent zu halten. "Wir müssen darauf setzen, dass die EZB daran festhält," sagte Siebert. Vor allem dürfe sich die Politik nicht einmischen.

Höhere Zinsen können Euro nicht stützen

Aus Sicht der Finanzmärkte würde eine Zinserhöhung den schwächelnden Euro nicht nachhaltig stützen können. Ein kleiner Zinsschritt werde bereits erwartet und deshalb keine Auswirkung haben. Eine kräftige Zinserhöhung könne allenfalls kurzfristig den Kurs anziehen lassen, sagten Analysten. Nach Ansicht von Devisenhändlern wird dann aber schnell die Sorge aufkommen, zu hohe Zinsen könnten der Konjunktur in der Euro-Zone schaden. Gegen 09.15 Uhr notierte der Euro nahezu unverändert zum Mittwochnachmittag bei Werten knapp über 0,89 Dollar. Damit lag die Gemeinschaftswährung kaum über ihrem bisheriges Rekordtief zum Dollar von rund 88,50 US-Cents.

Bei Leitzinsanhebung keine Konjunkturdämpfung

Der Wirtschaftsweise Horst Siebert erwartet bei einer Erhöhung der Leitzinsen keine Dämpfung der Konjunktur. Er befürchtete dagegen bei einem andauernd hohen Ölpreis eine Konjunkturdämpfung. Allerdings wäre es nach seiner Ansicht eine falsche Reaktion, daraufhin die Mineralölsteuer zu senken oder die Ökosteuerreform auszusetzen. Es werde aber deutlich, dass es langfristig kein tragfähiges Konzept sei, die Alterssicherung mit der Ökosteuer zu finanzieren.

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