ZinsesZins - die Kolumne zur Altersvorsorge: Aktien statt „dreizehntes Gehalt“

ZinsesZins - die Kolumne zur Altersvorsorge
Aktien statt „dreizehntes Gehalt“

Die Beteiligung der Beschäftigten am Unternehmen gehört in vielen Firmen längst zum guten Ton. Wer etwa ein Leben lang bei Siemens beschäftigt war, hat bei Renteneintritt leicht ein Vermögen von dreihunderttausend Euro an Aktien seines Arbeitgebers angesammelt. Wer sich bei SAP einstellen lässt, hat gleich eine ganze Latte von Möglichkeiten, sich an der Firma zu beteiligen das Weichnachtsgeld dagegen fällt flach. Gut eine Million Deutsche haben bereits Belegschaftsaktien. Damit gehört ihnen ein Teil der Firma, für die sie arbeiten. Doch diese Art von Sparen hat ihre Tücken.

Das nebenbei angesammelte Vermögen mag zwar vergleichsweise mühelos wachsen. Aber es kann im schlimmsten Fall auch sang- und klanglos zusammenschmelzen. Zu erinnern sei nur an den größten Wirtschaftsbetrug der Geschichte, den Bilanzskandal des US-Energiehändlers Enron. Tausende von Mitarbeitern hatten kurz nach der Jahrtausendwende ihre gesamte Altersvorsorge in Enron-Aktien stecken. Großzügig ausgegebene Aktien des Arbeitgebers, die erst stiegen und stiegen und dann innerhalb weniger Wochen nichts mehr wert waren. Damit standen die Enron-Mitarbeiter am Ende nicht nur ohne Job da, auch ihr finanzielles Polster war dahin.

„Klumpenrisiko“, nennen Fachleute das. Auch wenn es nicht so schlimm kommt wie bei Enron, wer sein gesamtes Vermögen in der Firma stecken hat, in der er auch arbeitet, setzt alles auf eine Karte. Und kann entsprechend viel verlieren. „Solche Beteiligungen am Unternehmen sind sehr individuell zu beurteilen“, sagt der Finanzberater Tom Friess vom VZ-Vermögenszentrum in München, vorsichtig. Sparer müssten sich der Chancen und Risiken dieser Sparform ganz genau bewusst sein. In der Praxis erlebt er es öfter, dass ein Kunde kommt und nichts als Titel seines eigenen Arbeitgebers im Aktienportfolio hat. Wohlgemerkt, das muss nicht unbedingt schlecht sein. Den Mitarbeiter kennen ihr eigenes Unternehmen besser, als jeden anderen börsennotierten Wert. Sie haben Insider- Wissen und können damit oft sehr genau beurteilen, ob es mehr wert ist, als der Börsenkurs. Außerdem sind die Titel meist zu einem kräftigen Rabatt zu haben. Jeder dritte Mitarbeiter bei Microsoft ist durch die Mitarbeiteraktien schon Millionär geworden.

Wie also den Posten in die Vermögensbildung einbauen? Wichtigstes Gebot: das Angebot sehr genau studieren. Da gibt es neben Aktien, die der Mitarbeiter geschenkt bekommt oder zu Sonderkonditionen erwerben kann, auch die Kaufoptionen auf Aktien. Sie erlauben es, die Titel in einer gewissen Zeitspanne und zu einem gewissen Kurs zu erwerben. Sind sie günstiger als der Börsenkurs, kann der Mitarbeiter sie nach dem Kauf sofort wieder losschlagen. Oder auch behalten, wenn er glaubt, dass der Kurs weiter steigt.

Oder es gibt auch virtuelle Aktienprogramme, die „Stock Appreciation Rights“. Hier setzt der Mitarbeiter kein eigenes Kapital ein. Ihm wird nur eine bestimmte Anzahl von Aktienrechten zugesprochen. Steigt der Kurs in einem festgelegten Zeitraum, wird dem Begünstigten der Kurszuwachs seines virtuellen Aktienpakets ausgezahlt.

Die Angebote lohnen sich meist, sagen Vermögensberater wie Friess. Sobald der Mitarbeiter im Besitz der Titel oder bestimmter Rechte sind, sind sie allerdings zu behandeln, wie jede andere Aktie und Option auch. Droht der Kurs zu fallen, sollte der Sparer rasch einen Teil losschlagen. Und bekommt die Position im Gesamtvermögen zu viel Gewicht, sollte er ebenfalls verkaufen. Das gilt besonders, wenn die Pensionsgrenze immer näher rückt und das Ersparte sicher sein soll.

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