ZinsesZins - die Kolumne zur Altersvorsorge
Rocksäume hoch oder runter?

Ein Blick in die Modegazetten lässt manchen Anleger hoffen. Die Rocksäume werden wieder kürzer - ein Zeichen, dass es mit der Wirtschaft bergauf geht, und mit den Aktienkursen auch.

Haben wir da neulich nicht gelesen, dass auch ein guter Januar auf ein gutes Aktienjahr schließen lässt? Passt. Mehr noch: Den Superbowl, das Endspiel im American Football, hat dieses Mal mit den Indianapolis Colts ein Team gewonnen, das aus der ursprünglichen National Football League hervorgeht, und nicht der Riege der American Football League zuzuordnen ist. Ein Indikator, der mit immerhin 80prozentiger Sicherheit ein positives Jahr an der Wall Street einläutet - was ja meist auch die Märkte der restlichen Welt positiv beeinflusst. Es kommt noch besser - das dritte Jahr einer Präsidentschaft in den USA ist selten ein schlechtes. Wir befinden uns genau in diesem Jahr-ebenfalls ein gutes Zeichen für 2007.

Glauben wir das alles? Sollten wir uns jetzt noch mal ordentlich mit Aktien eindecken? Auch wenn uns solche Zusammenhänge nicht ganz einleuchten? Die Wirkungskette von einem kurzen Rock zu steigendem Kaufinteresse an der Börse wäre reichlich lang. Weil weniger Stoff für Röcke gebraucht wird, haben die Herstellerfirmen niedrigere Kosten, die Gewinne steigen, damit steigen in dem Segment die Kurse und danach auf dem ganzen Markt oder so ähnlich. Weil der Präsident wiedergewählt werden will, pumpt er jede Menge Geld in die Wirtschaft, besonders in die Rüstung, damit gibt es mehr und besser bezahlte Arbeitsplätze und es wird wieder mehr in Aktien angelegt. Klingt ein wenig herbeigeholt, zumal da der Präsident in diesem Fall ja schon in seiner zweiten Wahlperiode amtiert und gar nicht wiedergewählt werden kann. Ein sicherer Marktindikator soll übrigens auch sein, wie viel Harvard Business School Absolventen and die Wall Street gehen. Die Komik solcher Statistiken lässt sich noch steigern. Am California Institute of Technology haben Ökonomen Milliarden von Daten der Vereinten Nationen durchsucht. Ergebnis: Die stärkste Korrelation zur späteren Entwicklung des US-Aktienindex S&P 500 hatte die Höhe der Butterproduktion in Bangladesh. Ein Kuriosum, das Chefstratege Bob Froehlich von DWS Scudder hervorgegraben hat.

Das mag nun wirklich keiner mehr glauben. "Die Statistik zeigt: Aktienkurse und Aktienrenditen sind rein zufällig", sagt Kapitalmarktexperte Martin Weber von der Uni Mannheim, dessen neues, fürs breite Publikum geschriebene Buch "Genial einfach investieren" gnadenlos alle weit verbreiteten Anlegerirrtümer aufzählt und allein schon deshalb sehr zu empfehlen ist. Auf den starken Einbruch der Aktienmärkte nach dem dramatischen Anschlag vom 11. September hätte weder die Länge der Rocksäume noch die Job-Wahl der Harvard-Absolventen einen Hinweis gegeben. Dass Bayer Massenklagen wegen des Cholesterinsenkers Lipobay ins Haus stehen, war eine unvorhersehbare Panne, die dem Kurs über viele Monate geschadet hat.

Wer sein Vermögen zuverlässig vermehren will, darf nicht auf irgendwelche Pseudoregelmäßigkeiten vertrauen. Der gesunde Menschenverstand ist im Zweifel das bessere Anlageinstrument. Denn es gibt auch sinnvolle ökonomische Erklärungen für die Wertentwicklung eines Depots. Bei der Aktienanlage sorgt der systematische Kauf von günstig bewerteten Aktien längerfristig für eine überdurchschnittliche Entwicklung des Depots. Das haben Ökonomen in unterschiedlichen Ländern und über unterschiedliche Zeitperioden beobachtet. Auch lohnt es sicht, einem Trend über längere Zeit zu folgen und nicht zu früh auszusteigen. Am wichtigsten aber ist streuen, streuen und nochmals streuen.

Zwischen Aktien verschiedener Länder, zwischen Aktien und Anleihen, und sogar zwischen Aktien, Anleihen und Anlageklassen wie Immobilien, Kunstgegenständen und der persönlichen Ausbildung. Rocksäume hoch oder runter.

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